Razzia bei Immobilienfirmen Korruptionsverdacht bei Vonovia und GWG

Korruptionsverdacht gegen Mitarbeiter von Vonovia und der Stuttgarter Immobiliengruppe GWG, die Staatsanwaltschaft hat mehr als 40 Privat- und Geschäftsräume durchsucht. Allein bei Deutschlands größtem Vermieter könnte der Schaden in den zweistelligen Millionenbereich gehen.
Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch: Gegen mehrere Mitarbeiter wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung, der Untreue und des Betruges ermittelt

Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch: Gegen mehrere Mitarbeiter wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung, der Untreue und des Betruges ermittelt

Foto: CLEMENS BILAN / EPA-EFE

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruptionsvorwürfen bei Deutschlands größtem Wohnungskonzern Vonovia und der Stuttgarter Immobiliengruppe GWG. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Immobilienfirmen sollen Aufträge korrupt vergeben und sich dabei zum Schaden ihrer Arbeitgeber bereichert haben, so der Verdacht. Auch die Firmen, die bei der Auftragsvergabe berücksichtigt wurden, stehen im Visier der Behörden.

Allein bei Vonovia steht dabei ein Gesamtschaden im Raum, der Ermittlerkreisen zufolge bis in den zweistelligen Millionenbereich gehen könnte. Die Beschuldigten hätten sich demnach vermutlich um jeweils sechsstellige Beträge bereichert. Vonovia wollte sich auf Anfrage zur Größenordnung der Summen nicht äußern.

Razzia bei Vonovia und GWG

Eine Razzia bei Vonovia sowie GWG fand am Dienstag statt. "Heute haben die Ermittlungsbehörden bei uns Unterlagen eingesehen, da zum Schaden von Vonovia offenbar der Verdacht von mutmaßlich problematischen Vorgängen bei der Vergabe von Aufträgen an Nachunternehmer besteht", hatte der Bochumer Konzern am Dienstag mitgeteilt. Die GWG Gruppe teilte mit, die Staatsanwaltschaft sei auch bei ihr vorstellig geworden.

Die Staatsanwaltschaft Bochum erklärte, sie führe ein Ermittlungsverfahren, "das strafbare Handlungen zum Nachteil von zwei in Bochum und Süddeutschland ansässigen Wohnungsunternehmen zum Gegenstand hat". Es gehe unter anderem um den Verdacht der Bestechlichkeit und Bestechung, der Untreue und des Betruges. Die Ermittler durchsuchten mehr als 40 Wohnungen und Büros in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hamburg und Sachsen. Vier Haftbefehle seien vollstreckt worden.

Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft "gegen mehrere (ehemalige) Mitarbeiter des in Bochum ansässigen Wohnungsunternehmens, Personen aus deren Umfeld sowie Verantwortliche mehrerer Unternehmen, die mit dem Wohnungsunternehmen in Geschäftsverbindung stehen oder standen".

Hochrangige Manager offenbar nicht unter den Verdächtigen

Hochrangige Manager sind aber offenbar nicht unter den Verdächtigen. Denn diese seien nach bisherigen Erkenntnissen "höchstens dem mittleren Management zuzuordnen". Die Verdächtigen hätten offenbar "für das Wohnungsunternehmen tätige Unternehmen bei der Auftragsvergabe bevorzugt und dafür als Gegenleistung Geld oder Sachleistungen erhalten". Dabei sollen auch Leistungsverzeichnisse manipuliert worden sein, um den beauftragten Unternehmen die Abrechnung tatsächlich nicht erbrachter Leistungen zu ermöglichen. Das so erschlichene Geld sollen die Beschuldigten untereinander aufgeteilt haben.

Vonovia möchte sich auf Anfraga dazu nicht äußern.

Nach dem Wechsel eines Beschuldigten zu einem süddeutschen Wohnungsunternehmen sollen die Verdächtigen der Staatsanwaltschaft zufolge bei dortigen Ausschreibungen Absprachen getroffen haben, um so die Auftragsvergabe an ein bestimmtes Unternehmen zu sichern. Weitere Details wollte die Staatsanwaltschaft vor dem Hintergrund laufender Ermittlungen nicht nennen.

Aus Unternehmenskreisen erfuhr das manager magazin, dass es bei Vonovia zwar Prüfsysteme für die Vergabe von Aufträgen gibt, allerdings könnten diese nicht zu 100 Prozent vor Korruption schützen. Zur Schadenshöhe machten die Ermittler keine Angaben. Zuvor hatten der "Westdeutsche Rundfunk" und die "Süddeutsche Zeitung" über die Razzia und den Korruputionsverdacht berichtet. Die "SZ" schrieb, dass Polizei und Steuerfahndung seit dem frühen Morgen Vonovia wegen des Verdachts von Betrug, Bestechlichkeit und Korruption bei der Vergabe von Aufträgen durchsuchen.

Vonovia und GWG sehen sich selbst als Opfer

Vonovia sieht sich selbst als Geschädigte und erklärte, "sehr an einer schnellen und umfassenden Klärung der Vorwürfe interessiert" zu sein. "Hierbei handelt es sich nach unseren ersten Informationen um einen finanziellen Schaden. Schäden an Menschen oder Gebäuden ist nicht entstanden", hieß es in der Stellungnahme des Bochumer Konzerns. Das Unternehmen habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt und werde gegen Beschuldigte Anzeige erstatten.

Auch die GWG Gruppe sieht sich in der Affäre als Opfer. "Als möglicherweise geschädigtes Unternehmen kooperieren wir selbstverständlich vollumfänglich mit den Behörden und sind an einer umfassenden Klärung des Sachverhalts interessiert", sagte eine GWG-Sprecherin auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittle seit dem Morgen bei dem Unternehmen. Es gehört als Teil der genossenschaftlichen Bankengruppe zur R+V Versicherung. Der Großteil der 15.000 von der GWG verwalteten Wohn- und Gewerbeeinheiten liegt in Baden-Württemberg.

An der Börse sorgten die Durchsuchungen für Unruhe bei den Anlegern. Die im Leitindex Dax enthaltene Vonovia-Aktie gab um mehr als sechs Prozent auf 22,46 Euro nach.

Der Deutsche Mieterbund NRW warnte, dass auch Mieterinnen und Mieter durch die Vorgänge geschädigt worden sein könnten. Denn ein großer Teil der von Vonovia vergebenen Handwerkerleistungen werde direkt oder indirekt von den Menschen gezahlt, die in Wohnungen des Unternehmens leben. So könnten viele Kosten in Zusammenhang mit Modernisierungen wie auch Handwerkerleistungen für Betriebskosten nach der Rechtslage auf die Mieterseite umgelegt werden. Der Deutsche Mieterbund NRW und viele seiner angeschlossenen Mietervereine hatten sich schon mehrfach kritisch zu den Abläufen bei Vonovia bei Betriebskosten und Modernisierungen geäußert. Oftmals gab es Streit wegen aus Mietersicht nicht nachvollziehbaren hohen Kosten.

Der Immobilienkonzern Vonovia ist schon länger aufgrund seiner Marktmacht umstritten, Mieterinitiativen fordern teilweise die Enteignung des Konzerns. Zuletzt sorgte die Entscheidung trotz Wohnungsmangel 2023 alle vorgesehenen Neubauprojekte für Unmut. Das hatte Vonovia-Vorstand Daniel Riedl (53) zum Anfang des Jahres angekündigt. "Wir werden in diesem Jahr keinen Beginn von Neubauprojekten haben. Die Inflation und die Zinsen sind enorm gestiegen und davor können wir nicht die Augen verschließen", sagte Riedl der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Kommende Woche will Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch (57) die Geschäftszahlen für 2022 vorstellen.


hast, frm, rei/Reuters/dpa-afx/dpa
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