Übernahme "wird nicht schiefgehen" Warum Vonovia an den Erfolg beim dritten Anlauf glaubt

Es ist der dritte Vorstoß auf dem Weg zu Europas Immobilienriesen: Branchenprimus Vonovia wagt einen weiteren Versuch, Deutsche Wohnen zu übernehmen. Der Konzern hält die Hürden diesmal für niedriger - und hat eine Botschaft an Spekulanten.
Dritter Anlauf: Vonovia-Chef Rolf Buch lässt bei der Deutschen Wohnen nicht locker

Dritter Anlauf: Vonovia-Chef Rolf Buch lässt bei der Deutschen Wohnen nicht locker

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Jakob Hoff / imago images

Der Chef des Marktführers Vonovia, Rolf Buch (56), kündigte ein verbessertes Angebot für die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen an - nur eine Woche nachdem ihm die Mehrheit der Aktionäre der Deutschen Wohnen die kalte Schulter gezeigt hatte. Der geplante Zusammenschluss war nach Informationen von manager magazin im zweiten Anlauf gescheitert, weil Vonovia-Chef Rolf Buch (56) und Finanzvorständin Helene von Roeder (51) den Kauf der Deutschen Wohnen allzu sorglos betrieben hatten, und auch die beratenden Banken versagt haben.

Bei der dritten Runde im Übernahmeringen drückt Buch nun aufs Tempo. Den bislang größten Deal in der deutschen Wohnungswirtschaft möchte er möglichst noch vor der Bundestagswahl im September unter Dach und Fach bringen.

Deutschlands größter Vermieter will den Eignern der Deutsche Wohnen 53 Euro je Anteil zahlen und damit einen Euro mehr als zuletzt geboten. Damit wäre die Deutsche Wohnen insgesamt 19 Milliarden Euro wert. Buch ist fest überzeugt, diesmal die Mehrheit der Aktionäre des Konkurrenten überzeugen zu können. "Es wird nicht schiefgehen", sagte er am Montag. Vonovia habe "großzügig gerechnet", erklärte er heute.

Im Vorfeld hatte sich Vonovia an dem Wettbewerber fast 30 Prozent der Anteile gesichert. Gemeinsam wären beide Konzerne mit mehr als 500.000 Wohnungen der größte Wohnungsvermieter Europas. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn (58) und seine Vorstandskollegen sind weiter mit im Boot: Er habe den Eindruck gewonnen, dass viele Aktionäre das Scheitern bedauert hätten. "Wir möchten ihnen die Chance nicht vorenthalten, dem Zusammenschluss zu verbesserten Konditionen zuzustimmen."

Der weitere Ablauf hänge nun von der Genehmigung durch die Finanzaufsicht Bafin ab, die grünes Licht für ein neues Angebot geben müsse, sagte Buch. "Wenn es ganz schnell geht, können wir ein paar Tage vor der Bundestagswahl wissen, ob wir diesmal die Annahmeschwelle erreicht haben."

Bei Versuch Nummer drei "liegt die Latte deutlich niedriger"

Dennoch: Für Buch, unter dem Vonovia rasant gewachsen ist, droht die Deutsche-Wohnen-Übernahme zur unendlichen Geschichte zu werden. Schon 2016 hatte er seien erste Attacke auf den Konkurrenten geritten, damals gegen dessen Willen und ohne Erfolg. Beim zweiten Anlauf in diesem Jahr konnte er Vorstand und Aufsichtsrat des Konkurrenten an Bord holen, aber nicht alle an der Deutsche Wohnen beteiligten Hedgefonds. Deren Spekulation auf einen höheren Preis machte Buch für sein Scheitern auch im zweiten Anlauf verantwortlich. Es wurden zu wenige Aktien angeboten.

Jetzt also Versuch Nummer drei. Vonovia starte diesmal von einem anderen Niveau, sagte Buch. "Vorher mussten wir quasi aus dem Stand auf 50 Prozent springen, jetzt müssen wir nur von 30 auf 50 Prozent springen." Vonovia hat sich bereits knapp 30 Prozent des Kapitals der Deutschen Wohnen gesichert. "Die Latte liegt deutlich niedriger", betonte Buch. Er zeigte sich sicher, zögernde Aktionäre überzeugen zu können.

Union Investment kritisiert zu geringen Übernahmepreis

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sieht es ähnlich. "Das Angebot erfolgt nicht im Blindflug", sagte er der dpa. Vonovia habe offensichtlich das gemacht, was schon vor dem ersten Angebot hätte passieren müssen: mit den Hedgefonds und den sperrigen Aktionären reden. "Die 53 Euro sind schon ein Schluck mehr. Aber es ist auch nicht so viel mehr, dass sich der Deal auch Sicht von Vonovia nicht mehr rechnet", analysierte der Aktionsvertreter.

Union-Investment-Manager Michael Muders zeigte sich der "Financial Times" gegenüber allerdings immer noch nicht zufrieden. Der NAV, ein in der Immobilienbranche üblicher Indikator für den Unternehmenswert, liege bei 56 Euro je Aktie sagte er. Am Aktienmarkt reagierten die Kurse von Vonovia und Deutsche Wohnen zunächst nicht auf die Aussagen.

Tüngler sieht Buch unter Zeitdruck. "Die Übernahme muss vor der Bundestagswahl über die Bühne gehen. Denn dann werden die Karten neu gemischt." Diese Unsicherheit wäre zu groß gewesen. "Deshalb muss das Eisen genau jetzt geschmiedet werden." Nach der Wahl könnte es zu mehr staatlichen Eingriffen in den Wohnungsmarkt kommen. So fordern etwa die Grünen, mit einem Bundesgesetz die Möglichkeit zu eröffnen, Mietobergrenzen festzulegen.

"Wir werden in den nächsten drei Jahren keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schließen. Damit ist die Spekulation raus.""

Vonovia-Chef Rolf Buch

Gegen erneute Spekulationen auf einen höheren Preis will sich Vonovia wappnen. So soll im Angebot diesmal ausdrücklich festgeschrieben werden, dass Vonovia drei Jahre lang keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen wird. Bei einem solchen Vertrag könnten Minderheitsaktionäre einen höheren Preis für ihre Papiere herausschlagen als bei einem Übernahmeangebot. Im Immobilienmarkt seien Übernahmen ohne einen solchen Vertrag "durchaus üblich", betonte Buch. "Da dies aber eventuell nicht allen bekannt war, haben wir das jetzt klar kommuniziert."

Und wenn Buch erneut scheitern sollte? "Wenn das jetzt nicht klappt, dann wird es auch für Herrn Buch enger", vermutet Aktionärsvertreter Tüngler. Der Vonovia-Chef verweist darauf, dass der erneute Übernahmeversuch kein Alleingang von ihm sei. "Alle Gremien, sowohl von Vonovia als auch der Deutsche Wohnen, haben gesagt: Das ist der richtige Weg."

Vonovia hat auch schon einen Plan für die Refinanzierung der Transaktion: Von den 20 Milliarden Euro, die man sich als Kredit für die Übernahme gesichert habe, sollten acht Milliarden über eine Kapitalerhöhung abgelöst werden.

wed, rei/Reuters, DPA