Drittes Übernahmeangebot Vonovia-Chef droht Deutsche-Wohnen-Aktionären mit Dividendenstreichung

Seit heute können die verbliebenen Deutsche-Wohnen-Anteilseigner ihre Papiere für 53 Euro je Stück an Vonovia verkaufen. Vonovia-Chef Ralf Buch macht dabei deutlich, warum die Aktionäre ihre Anteile unbedingt verkaufen sollten.
Deutschlands geschliffenster Betonkopf: Vonovia-Chef Rolf Buch will Spekulanten den Wind aus den Segeln nehmen

Deutschlands geschliffenster Betonkopf: Vonovia-Chef Rolf Buch will Spekulanten den Wind aus den Segeln nehmen

Foto: Jakob Hoff / imago images

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia beginnt mit seinem neuen Übernahmeangebot für den Konkurrenten Deutsche Wohnen. Ab heute könnten die Aktionäre der Deutsche Wohnen das Angebot von 53 Euro je Aktie über ihre Depotbank annehmen und ihre Aktien andienen, teilte der Dax-Konzern am Montag in Bochum mit. Die Angebotsfrist ende voraussichtlich am 20. September 2021 um 24 Uhr.

Spekulationen auf eine bessere Offerte erteilte Vonovia-Chef Rolf Buch (56) erneut eine klare Absage: "Wir haben verbindlich, klar und unwiderruflich erklärt, dass dies das letzte Angebot ist", so der Konzernchef. Vonovia bietet nun insgesamt rund 19 Milliarden Euro für die vor allem in Berlin aktive Deutsche Wohnen. Deren Vorstandschef Michael Zahn (58) hatte sich bereits hinter die neue Offerte von Buch gestellt. Gemeinsam wären beide Konzerne mit mehr als 500.000 Wohnungen der größte Wohnungsvermieter Europas.

Im Jahr 2016 hatte Buch zum ersten Mal versucht, die Nummer zwei auf dem deutschen Wohnungsmarkt zu übernehmen, damals gegen dessen Willen und ohne Erfolg. Beim zweiten Anlauf im Mai dieses Jahres konnte er zwar Vorstand und Aufsichtsrat des Rivalen an Bord holen, aber nicht alle an der Deutsche Wohnen beteiligten Hedgefonds. Deren Spekulation auf einen höheren Preis machte Buch für sein Scheitern im zweiten Anlauf verantwortlich . Es wurden zu wenige Aktien angeboten. Insgesamt sicherte sich Vonovia nur knapp 30 Prozent der Anteile an dem Wettbewerber für 52 Euro je Aktie. Die Mindestannahmeschwelle lag jedoch bei 50 Prozent.

Dividende bei Deutsche Wohnen wird jahrelang ausgesetzt

Vonovia-Chef Buch warnte die Anteilseigner von Deutsche Wohnen zudem vor einer langen Durststrecke bei den Dividenden. "Für die Kleinaktionäre ist auch wichtig zu wissen, dass Vonovia sich als Mehrheitsaktionär dafür einsetzen wird, dass Deutsche Wohnen keine Dividenden mehr auszahlt", sagte der Konzernchef. "Wer die Aktie nicht andient, sitzt auf einer Aktie, die über Jahre keine Dividende ausschütten wird."

Vonovia habe die Lehren aus dem Scheitern des vergangenen Übernahmeangebots an die Deutsche-Wohnen-Aktionäre gezogen und spreche sie nun auch besser an, erklärte Buch weiter. Der Konzern habe dazu mehr Banken eingespannt. "Die Gespräche mit den Investoren (..) werden in dieser Woche intensiviert", kündigte Buch an. Dazu habe Vonovia auch gemeinsame Teams mit der Deutsche Wohnen gebildet.

Sowohl Vonovia als auch Deutsche Wohnen schreiten gestärkt zur möglichen Immobilienhochzeit. So stieg bei Vonovia der Gewinn aus dem operativen Geschäft (Group FFO) - die bei Immobilienfirmen zentrale Kennziffer - im ersten Halbjahr vor allem durch organisches Wachstum wie Neubau und Modernisierung von Wohnungen um 13,1 Prozent auf 764,7 Millionen Euro. Die Jahresprognose erhöhte der Konzern. Bei Deutsche Wohnen legte das Ergebnis aus dem operativen Geschäft um 2 Prozent auf 291,4 Millionen Euro zu, die Prognose wurde bestätigt.

mg/dpa-afx, Reuters
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