Fusion gescheitert Vonovia-Chef erwägt neuen Anlauf für Deutsche-Wohnen-Übernahme

Die Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen zu Europas größtem Immobilienkonzernen ist gescheitert. Vonovia-Chef Rolf Buch macht dafür Hedgefonds und passive Investoren verantwortlich - und will das Vorhaben dennoch nicht gänzlich aufgeben.
Vonovia-Chef Rolf Buch: "Die Zeit spielt eher für uns"

Vonovia-Chef Rolf Buch: "Die Zeit spielt eher für uns"

Foto: Marcel Kusch / dpa

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia hat die Übernahme des größten Rivalen Deutsche Wohnen endgültig für gescheitert erklärt. Vonovia konnte sich bis zum Ablauf der Annahmefrist nur 47,62 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien sichern und verfehlte damit die geforderte Quote von 50 Prozent. Das Übernahmeangebot werde damit nicht vollzogen, erklärte das Unternehmen am Montag in einer Pflichtmitteilung. "Die eingereichten Deutsche-Wohnen-Aktien werden zurückgebucht." Der Misserfolg hatte sich bereits am Freitag abgezeichnet. Vonovia ist mit 18,36 Prozent der Anteile größter Aktionär von Deutsche Wohnen.

Der Chef des Wohnungskonzerns Vonovia schließt jedoch einen neuen Anlauf für einen Zusammenschluss nicht aus. "Man sollte im Leben nie etwas ausschließen, aber man sollte auch nicht immer von einem Happy End träumen", sagte Rolf Buch (56) dem "Handelsblatt". "Die Zeit spielt eher für uns", fügte er hinzu.

Die beiden Immobilienunternehmen hatten sich Ende Mai nach zwei zuvor gescheiterten Übernahmeversuchen eigentlich auf einen Zusammenschluss geeinigt. Das Portfolio von Vonovia umfasste nach Angaben des Kartellamtes Ende März in Deutschland insgesamt rund 354.000 eigene Wohneinheiten. Die Deutsche Wohnen besitzt rund 155.000 Mietwohnungen, etwa 70 Prozent davon in Berlin.

Für das Scheitern des Deals machte Vonvia-Chef Buch vor allem verantwortlich, dass manche Hedgefonds zu hoch spekuliert hätten. "Das war die Krux der ganzen Transaktion: Dass alle sich so sicher waren. Da haben einige zu hoch gepokert." Jeder wolle möglichst wenig beitragen und hoffe, dass er für die nicht angedienten Aktien mehr bekomme. "Da hat sich offenbar jemand verrechnet." Außerdem mache der zunehmende Anteil von "passiven Investoren solche Transaktionen einfach deutlich schwerer". Dabei handelt es sich um breit gestreute Investitionen, bei denen die Anleger nicht unbedingt den Kursverlauf genau beobachten und prüfen.

Buch: "Finanzieller Schaden hält sich in Grenzen"

Die Kosten bei Vonovia halten sich unterdessen nach eigenen Angaben in Grenzen. Die meisten Kosten entstünden erst, wenn ein Geschäft vollzogen sei, sagte Buch. "Die Banken werden beispielsweise erfolgsabhängig bezahlt - die bekommen jetzt also gar nichts." Zudem seien die von Vonovia gekauften Deutsche-Wohnen-Anteile mehr wert als sie der Konzern im Buch stehen habe, sagte der Manager. "Der finanzielle Schaden für Vonovia dürfte sich also in Grenzen halten."

Für Vonovia-Chef Rolf Buch, Deutschlands geschliffensten Betonkopf, ist es dennoch ein erneuter Rückschlag. Schon vor fünf Jahren hatte er vergeblich versucht, den Branchenzweiten zu übernehmen. Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliarden-Offerte nicht erreicht. Damals hatte der Vorstand der Deutsche Wohnen das Angebot als feindlich eingestuft und sich heftig gegen den Plan gewehrt. Dass Buch einen abermaligen Versuch wagen würde, hatte das manager magazin im Mai 2020 öffentlich gemacht.  Und die Umstände schienen günstiger.

Dieses Mal stellte sich Deutsche-Wohnen-Vorstand Michael Zahn (58) hinter die Offerte, beide Unternehmen warben gemeinsam für die Annahme des Angebots. Nachdem das Bundesverfassungsgericht im April den Berliner Mietendeckel gekippt hatte, schienen auch die größten wirtschaftlichen Risiken behoben. Mit dem Berliner Senat einigte man sich auf den Verkauf von rund 20.000 Wohnungen an das Land, Buch versprach außerdem begrenzte Mietsteigerungen. Und das Bundeskartellamt hatte bereits im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss gegeben.

dpa/rtr
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