Vonovia-Chef im Glück "Es gibt kein Drama"

Der Immobilienriese Vonovia zeigt sich im ersten Halbjahr auch dank Zukäufen unbeeindruckt von der Coronakrise. Vonovia-Chef Buch ist weiter optimistisch - das hebt die Aktie auf ein Rekordhoch.
Vonovia-Chef Buch: "Unsere Zahlen sind langweiliger als bei anderen Unternehmen"

Vonovia-Chef Buch: "Unsere Zahlen sind langweiliger als bei anderen Unternehmen"

Foto: Marcel Kusch/ dpa

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia hat dank milliardenschwerer Zukäufe im Ausland und höherer Mieteinnahmen im ersten Halbjahr 2020 deutlich mehr verdient. Zudem profitierte der Dax-Konzern von seinem Wohnungsbestand, von Neubauten und Dachaufstockungen, aber auch von seinen Dienstleistungen rund um die Gebäude. Den Ausblick für das laufende Jahr bestätigte Vonovia.

Am Aktienmarkt sorgte die Halbjahresbilanz für eine regelrechte Euphorie. Die Vonovia-Aktie  sprang am Mittag erstmals in ihrer Geschichte über die 57-Euro-Marke und legte zuletzt um 3,7 Prozent auf 58,46 Euro zu. Analyst Jürgen Graf von der LBBW sprach von einem "sehr guten Halbjahresergebnis". Das solide erste Halbjahr gibt laut Thomas Rothäusler vom Analysehaus Jefferies dem Ausblick des Immobilienkonzerns mehr Sicherheit. Experte Kai Klose von der Privatbank Berenberg hob die höheren Bewertungen für Wohnraum sowie die gesunkene Fremdverschuldung hervor.

"Unser Geschäft ist stabil. Es gibt kein Drama", sagte Unternehmenschef Rolf Buch (55) bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch. Die Zahlen seien - aufgrund ihrer Stabilität - "langweiliger" als bei anderen Unternehmen. Bislang hätten sich nur ein Prozent der rund 350.000 Mieter in Deutschland mit der Bitte um Mietstundung bei Vonovia gemeldet. "Und es werden immer weniger Mieterinnen und Mieter, die uns aus diesem Grund kontaktieren", sagte Buch. Mit Mietern in finanziellen Nöten entwickelt Vonovia individuelle Lösungen wie etwa langlaufende Ratenzahlungen.

Allerdings bremsten auch im zweiten Quartal erhöhte Sicherheitsvorkehrungen wegen der Corona-Pandemie die Baumaßnahmen leicht. Die Projekte im Neubau und bei Modernisierungen würden jetzt wieder Fahrt aufnehmen, sagte Buch. In den ersten sechs Monaten stellte Vonovia 617 Wohnungen fertig, 200 weniger als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Für das Gesamtjahr plant die Immobiliengesellschaft laut Buch weiterhin die Fertigstellung von mehr als 1600 Wohnungen.

Jahresprognose bestätigt

Für das Gesamtjahr zeigte sich der Konzernlenker weiterhin optimistisch, den operativen Gewinn (FFO) auf rund 1,275 bis 1,325 Milliarden Euro zu steigern. Das wäre ein Plus von bis zu 9 Prozent zum Vorjahr.

In den ersten sechs Monaten stieg das operative Ergebnis (FFO, die wichtigste Ergebniszahl von Immobilienfirmen) im Jahresvergleich um 11 Prozent auf 676,3 Millionen Euro. Dazu habe vor allem der Kauf des Stockholmer Wohnimmobilienkonzerns Hembla beigetragen, aber auch der Neubau von Wohnungen sowie Modernisierungen. Der Wert des Immobilienportfolios stieg um 2,3 Milliarden Euro. Aufwertungen habe es fast überall gegeben, mit Ausnahme von Berlin wegen des Mietendeckels, sagte Buch.

Die Mieteinnahmen wuchsen im ersten Halbjahr bei einem weiterhin geringen Leerstand um rund 12 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro. Die Miete erhöhte sich im Schnitt auf 7,03 Euro pro Quadratmeter - das waren 5,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die monatliche Miete in Deutschland lag den Angaben zufolge Ende Juni bei 6,88 Euro je Quadratmeter. Gleichzeitig steckte Vonovia in den ersten sechs Monaten mit rund 860 Millionen Euro mehr Geld in Modernisierung, Neubau und Instandhaltung als noch vor einem Jahr.

Seit Jahren laufen die Geschäfte für Vonovia dank steigender Mieten in den Großstädten gut. Dabei profitiert der Vermieter wie andere aus der Branche vor allem von modernisierten Wohnungen. Die Kosten dafür legen die Konzerne teilweise auf die Mieter um, die deshalb höhere Mieten zahlen müssen. Zudem setzt Vonovia auf Neubauten und die Aufstockung von Gebäuden.

"Wachstum auch ohne Akquisitionen"

Der Wohnimmobilien-Konzern wächst zugleich auch seit Längerem durch Übernahmen im In- und zuletzt auch im Ausland, etwa von Rivalen wie Gagfa, Süddeutsche Wohnen (Südewo), Franconia und Wiener Conwert. 2018 kamen Buwog aus Österreich und Victoria Park aus Schweden hinzu, 2019 der Stockholmer Wohnimmobilienkonzern Hembla AB. Zu Anfang des zweiten Jahresviertels übernahm Vonovia den Projektentwickler Bien-Ries. Zuletzt stieg Vonovia mit einem Anteilskauf am Immobilieninvestor Vesteda Residential Fund in den niederländischen Markt ein. Mittlerweile gehören dem Dax-Konzern rund 415.000 Wohnungen.

Durch die Wirtschaftskrise in Folge der Corona-Pandemie liegt der Markt für Fusionen und Übernahmen derzeit allerdings am Boden. Dennoch rechnet Buch auch für das kommende Jahr mit keiner Wachstumsdelle. "Wir machen uns auch für 2021 keine Sorgen", sagte der Vorstandschef. "Unsere Strategie ist darauf ausgelegt, dass wir auch ohne Akquisitionen wachsen. Das Geschäft wächst auch organisch." 

Der Mietendeckel in Berlin bereitet Vonovia offensichtlich keine großen Schwierigkeiten. Mit dem Deckel wurden die Mieten für 1,5 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt, die vor 2014 gebaut wurden, für fünf Jahre eingefroren, um den zuletzt starken Anstieg der Wohnkosten zu bremsen. Für Neuvermietungen gelten Obergrenzen. Dies trifft aber vor allem Immobilienkonzerne wie die Deutsche Wohnen und Ado Properties, die Immobilien überwiegend in Berlin besitzen. Vonovia gehören in Berlin nur etwa 42.000 Wohnungen, das sind rund 10 Prozent des eigenen Bestands.

Den Aufstieg des Konkurrenten Deutsche Wohnen in den Dax sieht Buch positiv. "Ich finde es sehr gut, dass jetzt ein zweiter Wohnungskonzern im Dax ist. Damit kann sich die Branche mehr Gehör in der Politik verschaffen." Vonovia ist schon seit einigen Jahren in der obersten deutschen Börsenliga, die Deutsche Wohnen stieg vor ein paar Wochen auf. Immer wieder wird über einen Zusammenschluss der beiden Konzerne spekuliert. Buch wollte sich nicht weiter dazu äußern.

mg/dpa-afx, Reuters
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