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Von Fall zu Fall

Mario Ohoven: Nach seiner Wiederwahl zum BVMW-Präsidenten kommt neuer Ärger auf den Fondsmulti zu.
Von Jonas Hetzer
aus manager magazin 1/2003

Sichtbar gut gelaunt schlenderte Mario Ohoven (56) mit Frau Ute-Henriette (56) und Tochter Chiara (17) am Samstag vor dem ersten Advent über den Düsseldorfer Weihnachtsmarkt. Bei einem Glas Glühwein im Kreis der Familie genoss der Chef des Fondsvertriebs Investor und Treuhand (IT) das Bad in der Menge.

Grund für die vorweihnachtliche Fröhlichkeit: Am Abend zuvor hatten die Delegierten des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) Ohoven für weitere vier Jahre zum Präsidenten gewählt. Knapp 80 Prozent der Stimmen bekam der umtriebige Rheinländer - ein triumphaler Sieg für "Super Mario" ("Stern").

Und ein höchst bedenklicher, von außen besehen. Mit Ohoven behält der nicht gerade unbedeutende Verband eine Führungsfigur, die in der Öffentlichkeit höchst umstritten ist.

Der Mann hat reichlich Probleme mit der Justiz, sein Saubermann-Image ist schon lange dahin (siehe mm 2/2002). Mehrere Schadensersatzklagen von Anlegern, die in Ohovens Immobilien- und Filmfonds investiert hatten, sind bei Gericht anhängig. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Kapitalanlagebetrugs in zwei Fällen.

Die Angriffe scheinen Ohoven indes nicht anzufechten. Strafanzeigen zu stellen sei schließlich ein Volkssport geworden, um lästige Gegner zu diffamieren, sagt er. Hinter den Vorwürfen sieht der Fondsmulti eine Verleumdungskampagne; Kritiker bezichtigt er der "infamen Lüge".

Nun aber steht Ohoven selbst in Verdacht, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt wegen versuchten Prozessbetrugs gegen ihn. Kein schöner Umstand für einen Mittelstandslobbyisten.

Der Hintergrund: Ein Rentner hatte gegen die IT geklagt. Er hatte 1997 Anteile eines Medienfonds gekauft, weil ihm zugesichert worden war, er würde binnen 18 Monaten Ausschüttungen in Höhe von gut 77 Prozent seines Einsatzes bekommen. Viel sah der Mann nicht von dem Geld.

Vor Gericht bestritten Ohovens Ver- käufer zwar, solch ungedeckte Zusagen gemacht zu haben. Die Richter glaubten ihnen aber nicht; die IT wurde in einem - noch nicht rechtskräftigen - Urteil zu Schadensersatz verpflichtet.

Grund genug für die zuständige Staatsanwältin, jetzt gegen Ohoven persönlich zu ermitteln. Offenbar hat die Juristin den Verdacht, der IT-Chef habe sei- ne Mitarbeiter zur Falschaussage in dem Prozess gedrängt. Dem Unternehmer drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis oder eine empfindliche Geldstrafe. Ohoven will sich zu den Ermittlungen nicht äußern.

Selbst wenn ihm kein Vergehen nachgewiesen werden kann, wird ihm das wenig nützen. Das Vertrauen der Anleger hat er weitgehend verspielt; die freien Vertriebspartner gehen zunehmend auf Distanz. Branchenkenner rechnen damit, dass die IT im Jahr 2002 einen schweren Geschäftseinbruch verbuchen musste.

Das neue Jahr dürfte kaum besser werden. Vielleicht war die Adventszeit für Ohoven der vorerst letzte Grund zur Fröhlichkeit. Jonas Hetzer

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