Flugtaxi-Hersteller Volocopter will mit neuem Chef doch noch an die Börse

Das Unternehmen holt den erfahrenen Airbus-Manager Dirk Hoke an die Firmenspitze. Er soll den teuren Zulassungsprozess steuern – und die Firma nach dem geplatzten Börsengang nun 2024 an den Kapitalmarkt bringen.
Testobjekt: Der VoloCity von Volocopter auf einer Luftfahrtmesse

Testobjekt: Der VoloCity von Volocopter auf einer Luftfahrtmesse

Die Suche nach einem neuen Chef hat ein Ende. Das unter Druck geratene Flugtaxi-Startup Volocopter verpflichtet Dirk Hoke (52). Der frühere Chef der Rüstungs- und Raumfahrt-Sparte von Airbus werde im September den Führungsposten vom langjährigen Firmenchef Florian Reuter (42) übernehmen, kündigte das Unternehmen am Dienstag an. Das manager magazin hatte bereits im Dezember von der Suche nach einem neuen Chef  berichtet.

Der erfahrene Manager Hoke – wie Reuter einst bei Siemens – soll nun vor allem den Zertifizierungsprozess der elektrischen Flugtaxis erfolgreich zu Ende bringen. "Unsere Herausforderung ist, ausreichend früh die Zertifizierung des VoloCitys mit den Zulassungsbehörden voranzutreiben, damit diese alle notwendigen Validierungen vornehmen können", sagte Hoke der Nachrichtenagentur Reuters. "Es wird eine unglaublich spannende, aber auch schwierige Zeit."

Volocopter verfolgt einen ambitionierten Zeitplan und hat sich vorgenommen, schon 2024 über eine zugelassene Maschine zu verfügen. Der im Oktober zum Co-Geschäftsführer bestellte Chief Commercial Officer Christian Bauer (41) lockt seit Monaten Investoren mit den Versprechen, dass die Massenproduktion ab 2025 mit mehr als 10.000 Einheiten pro Jahr laufen soll; der Umsatz werde 2029 mehr als neun Milliarden Dollar erreichen. "Wir sind unbesiegbar", dröhnt es aus den Unterlagen.

Firmen rund um den Globus liefern sich derzeit ein kostspieliges Rennen um das erste Flugtaxi. Bisher sind solche Verkehrsmittel noch nirgendwo auf der Welt zugelassen – und die Euphorie, die noch zu Beginn des vergangenen Jahres herrschte ist verflogen. Zu den Wettbewerbern von Volocopter gehören unter anderen das deutsche Start-up Lilium  oder das US-Unternehmen Joby Aviation, die 2021 zwar per Spac an die US-Börse gegangen sind, dort jedoch stark unter Druck stehen. Die Aktien von Lilium sind seitdem um fast 70 Prozent eingebrochen, die von Joby um rund 50 Prozent.

Das Geschäft ist kapitalintensiv. Um den Zertifizierungsprozess und den damit verbundenen Aufbau von Produktionsstätten finanziell schultern zu können, befindet sich Volocopter gerade in einer Finanzierungsrunde. Erst vergangene Woche machte das inzwischen mit 1,5 Milliarden Euro bewertete Unternehmen aus Bruchsal öffentlich, weitere 153 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt zu haben. Deutlich weniger als die von der Firma angestrebte halbe Milliarde. "Es gibt noch einige Investoren, die uns dabei helfen wollen, letztlich auf 500 Millionen Euro zu kommen", beruhigte der Vorsitzende des Beirats von Volocopter, Stefan Klocke (51).

Börsengang 2024 mit Olympia-Bildern

Der geplante Spac-Börsengang, der Volocopter 800 Millionen Dollar in die Kasse spülen sollte, war Ende 2021 im letzten Moment abgesagt  worden. "Wie alle anderen hatten wir uns auch Spacs als Finanzierungsmöglichkeit angeschaut. Das hat sich erst in letzter Minute zerschlagen hat – zum Glück. Bei vielen Wettbewerbern hat der Spac nicht das gewünschte Geld eingebracht", sagte Klocke nun. Auf das Parkett strebt Volocopter weiterhin – nur ein wenig später: "Wir wollen mit den Bildern von den Olympischen Sommerspielen in Paris an die Börse gehen", gab Klocke das Jahr 2024 als Ziel aus.

Seit der Gründung 2011 hat Volocopter bei Investoren – darunter Deutsche Bahn, Intel und Mercedes-Benz – mehr als 495 Millionen Euro eingesammelt. Zu den Investoren gehören auch der Start-up-Unternehmer Lukasz Gadowski (44) sowie der frühere Mercedes-Benz-Chef Dieter Zetsche (68), die beide auch im Beirat sitzen. "Wenn das funktioniert, ist es eine neue Welt", sagt der. "Dazu möchte ich einen Beitrag leisten – in punkto Lärmbelastung und Emissionen."

lhy/Reuters