Dividende steigt kräftig Volkswagen verdoppelt Betriebsgewinn

Mit weniger verkauften Fahrzeugen hat der Volkswagen-Konzern in 2021 deutlich mehr Gewinn und Umsatz erwirtschaftet. Die Dividende soll um satte 2,70 Euro steigen, kündigt Finanzchef Antlitz an. Die Prognose klingt optimistisch, ist aber mit Risiken behaftet.
Trotz Ukraine-Krise optimistisch für das laufende Jahr: "Wir haben gelernt, besser mit den Auswirkungen von Krisen auf unser Unternehmen umzugehen", sagt Volkswagen-Finanzchef Arno Antlitz

Trotz Ukraine-Krise optimistisch für das laufende Jahr: "Wir haben gelernt, besser mit den Auswirkungen von Krisen auf unser Unternehmen umzugehen", sagt Volkswagen-Finanzchef Arno Antlitz

Foto: Darius Simka / imago images / regios24

Volkswagen hat den Gewinn trotz der Turbulenzen um fehlende Halbleiter, brüchige Transportketten und gestiegene Rohstoffkosten stark gesteigert. Das operative Ergebnis verdoppelte sich im vergangenen Jahr nahezu auf 19,3 Milliarden Euro, gab der Konzern am Freitagabend nach Börsenschluss nach Beratungen des Aufsichtsrats bekannt. Damit lag der Betriebsgewinn deutlich über den knapp 17 Milliarden Euro des Vor-Corona-Jahres 2019. Von Refinitiv befragte Analysten hatten für 2021 mit 18 Milliarden Ergebnis gerechnet.

"Während der vergangenen zwei Jahre haben wir gelernt, besser mit den Auswirkungen von Krisen auf unser Unternehmen umzugehen", sagte Finanzchef Arno Antlitz (51). Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Konzern auch weiter auf Kurs bleiben werde. Haupttreiber der Ertragskraft waren Verbesserungen beim Produktmix und höhere Preise, die Volkswagen wegen der hohen Nachfrage durchsetzen konnte.

Weniger Absatz, deutlich mehr Umsatz

Unter dem Strich verdiente das Unternehmensgeflecht mit Marken wie VW-Pkw, Audi, Porsche, Skoda oder Seat im vorigen Jahr 15,4 Milliarden Euro - das waren nahezu drei Viertel mehr an Nettoertrag als 2020. Nach den coronabedingten Absatzproblemen des Vorjahres wuchs der Umsatz um 12,3 Prozent auf 250,2 Milliarden Euro.

Der Fahrzeugabsatz allerdings sank wegen des Chipmangels um sechs Prozent auf rund 8,6 Millionen Fahrzeuge. Auch nach den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurde ein Rückgang gemeldet, es ging um rund ein Sechstel abwärts. Die Kernmarke verhängte wegen fehlender Teile gerade einen Bestellstopp für Plug-in-Hybride. Besonders schmerzlich für VW: Der wichtigste Markt China lag im Januar und Februar um etwa 17 Prozent im Minus.

Dividende soll um 2,70 Euro steigen

Von dem kräftigen Gewinnplus profitieren die Aktionäre. Sie sollen eine zum Vorjahr um 2,70 Euro erhöhte Dividende von 7,50 Euro je Stamm- und 7,56 Euro je Vorzugsaktie bekommen. Dem Haupteigner Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piech die Mehrheit an Volkswagen halten, fließen damit knapp 1,2 Milliarden Euro zu, auf die die Holding wegen einer Gesetzesänderung erstmals Kapitalerstragsteuer zahlen muss.

Trotz der Verwerfungen durch den Ukraine-Krieg äußerte sich der Vorstand verhalten optimistisch zum laufenden Jahr: Die Auslieferungen sollen um 5 bis 10 Prozent zulegen und der Umsatz um 8 bis 13 Prozent wachsen. Für die operative Rendite prognostizierte der Konzern eine Spanne zwischen 7 und 8,5 Prozent. 2021 erreichte Volkswagen eine Marge von 7,7 Prozent.

Die Prognose machte das Management um Konzernchef Herbert Diess abhängig vom weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs, insbesondere den Auswirkungen auf die Lieferketten und die Weltwirtschaft insgesamt. Der Einkauf und die Task Force  arbeiteten intensiv daran, mit den relevanten Lieferanten alternative Produktionsquellen zu erschließen und zu sichern, sagte Antlitz.

Während sich die Versorgung mit Computerchips zuletzt etwas entspannt hatte, machen den Wolfsburger nun abgerissene Lieferketten bei anderen Bauteilen zu schaffen. Wegen des Kriegs in der Ukraine fehlen Kabelbäume, mit denen alle Auto ausgerüstet werden. VW musste deswegen bereits an mehreren Standorten die Produktion drosseln. Hinzu kommt, dass wegen des Kriegs die Preise für Rohstoffe emporschnellen und in der Branche für Krisenstimmung sorgen. Wichtige Industriemetalle wie Nickel, Palladium und Aluminium sind so teuer wie nie zuvor.

Porsche-Börsengang noch in diesem Jahr?

Ob die Wolfsburger in diesem Umfeld, ihre Sportwagentochter Porsche noch in diesem Jahr an die Börse bringen, steht nach Meinung von Börsianern in den Sternen. Mit Spannung wird daher erwartet, wie sich das Management bei der Bilanzpräsentation am Dienstag äußert. Bisher ist vorgesehen, dass Volkswagen im Spätsommer über den Stand der Vorbereitungen für einen Teil-Börsengang von Porsche-Vorzugsaktien informiert. Nach den bisherigen Plänen soll die milliardenschwere Platzierung im Schlussquartal erfolgen.

Gleichzeitig forciert Volkswagen die Aufholjagd auf den US-Elektroautobauer Tesla und gibt für eigene Batteriefabriken, die Entwicklung des automatisierten Fahrens und neue Mobilitätsdienste viele Milliarden aus. Rund zwei Autostunden von Teslas neuer Giga-Fabrik in Grünheide bei Berlin will VW im Wolfsburger Ortsteil Warmenau ein neues Werk hochziehen, in dem ab 2026 das neu entwickelte E-Auto "Trinity" vom Band laufen soll.

rei/Reuters/DPA