Frachter mit 4000 VW-Autos an Bord VW-Schiff brennt auf hoher See – Bangen um tausende Elektroautos

Mitten im Atlantik, rund 1500 Kilometer westlich von Lissabon, treibt der brennende Frachter "Felicity Ace" – mit 1100 Porsche, 186 Bentleys und weiteren rund 2700 VW-Fahrzeugen an Bord. Spezialisten sollen einen Löscheinsatz auf offenem Meer wagen, doch es gibt ein Problem mit der Fracht. Inzwischen lassen die Flammen allerdings bereits nach.
Brennende "Felicity Ace" auf dem Atlantik: Rund 4000 VW-Fahrzeugen an Bord

Brennende "Felicity Ace" auf dem Atlantik: Rund 4000 VW-Fahrzeugen an Bord

Foto: PORTUGUESE NAVY / via REUTERS

Das Feuer auf dem im Atlantik havarierten Frachter mit Tausenden Volkswagen-Fahrzeugen an Bord geht langsam aus. Vermutlich sei nicht mehr viel brennbares Material an Bord, sagte der Hafenkapitän von Horta auf den Azoren, Joao Mendes Cabecas, der Nachrichtenagentur Lusa. "In den vergangenen Stunden hat das Feuer an Intensität verloren."

Bislang seien keine Giftstoffe ausgelaufen, sagte Cabecas weiter. Das Schiff hat große Mengen Treibstoff geladen. Zuletzt hatte sich der Brand in Richtung der Treibstofftanks vorgearbeitet. Am Wochenende hatte Cabecas gesagt, dass die Lithium-Ionen-Batterien von Elektroautos an Bord das Feuer schürten. Es sei Spezialausrüstung nötig, um den Brand zu löschen. Unklar ist, was das Feuer ausgelöst hat.

Die Felicity Ace war am Mittwoch in der Nähe der Azoren in Brand geraten. Das rund 200 Meter lange Schiff hatte knapp 4000 Fahrzeuge verschiedener VW-Marken geladen, darunter 1100 Porsche-Fahrzeuge, 186 Bentleys, einige Lamborghinis, Audis sowie zahlreiche Elektromodelle der ID-Familie von VW. Der Frachter war auf dem Weg vom wichtigsten VW-Verladehafen Emden in die USA. Die 22-köpfige Besatzung wurde in Sicherheit gebracht. Der Frachter selbst soll entweder nach Europa oder auf die Bahamas geschleppt werden.

Bergungs-Spezialisten sollen Brand auf offener See löschen

Am Freitag hatten drei Schlepper aus Gibraltar und den Niederlanden Kurs auf das brennende Schiff genommen, um es in einen Hafen zu schleppen. Der nächstgelegene Hafen auf den Azoren komme nicht infrage, dafür sei der brennende Frachter zu groß. Der Plan war zunächst, das brennende Schiff dann erst im Hafen zu löschen. Die Schlepper brauchen jedoch noch mindestens zwei Tage, um die Felicity Ace zu erreichen.

Doch nun läuft den Schiffseignern und VW offenbar die Zeit davon. Spezialisten der niederländischen Bergungsfirma Smit, die sich seit Freitag in der Nähe des Schiffes befinden, sollen nach jüngsten amtlichen Angaben nun doch versuchen, das Feuer durch einen Löscheinsatz auf hoher See so rasch wie möglich unter Kontrolle zu bringen.

Dies ist kein leichtes Unterfangen, auch wegen der vielen E-Autos an Bord: Die Akkus der E-Modelle können nicht einfach mit Wasser gelöscht werden.

Felicity Ace vor den Azoren: "Das Schiff brennt von einem Ende zum anderen"

Felicity Ace vor den Azoren: "Das Schiff brennt von einem Ende zum anderen"

Foto: PORTUGUESE NAVY / via REUTERS

Experten des Bergungsunternehmens analysierten am Wochenende die Lage auf dem Autotransporter "Felicity Ace" mehrfach aus nächster Nähe, wie die Zeitung "Correio dos Açores" unter Berufung auf Sprecher der portugiesischen Marine berichtete. Bisher war geplant, das Schiff erst zu einem Hafen zu bringen und dann das Feuer zu löschen. Nun aber werde der Einsatz von Löschgeräten auf offenem Meer erwogen, hieß es.

Mit Wasser kann der am Mittwoch aus noch unbekannter Ursache ausgebrochene Brand wegen der Gefahr von Umweltverschmutzung größeren Ausmaßes nicht gelöscht werden. Das Schiff hat leichte Schlagseite und es wird befürchtet, dass giftige Stoffe ins Meer gespült werden. Bei vielen der geladenen Autos handele es sich um E-Modelle, deren Batterien das Löschen noch komplizierter gestalteten, hatte Hafenkapitän Joao Mendes Cabeças gesagt.

Frachter mit Schlagseite – Bordwand des Frachters stellenweise geschmolzen

Auf Videoaufnahmen, die die Besatzung des Patrouillenbootes "Setúbal" am Sonntag auf Twitter postete, war zu sehen, wie dicker Rauch vom Bug bis zum Heck über dem 200 Meter langen Frachter aufsteigt. Die Bordwand war bereits stellenweise geschmolzen.

Die 22 Besatzungsmitglieder waren von Portugals Luftwaffe schon bald nach Ausbruch des Feuers in Sicherheit gebracht worden.

Volkswagen bestätigte auf Anfrage, dass das Schiff - das Berichten zufolge auf dem Weg von Emden nach Davisville im US-Bundesstaat Rhode Island unterwegs war - Neuwagen der VW-Gruppe transportierte. Nicht bestätigen wollte ein Sprecher die Zahl der einzelnen Modelle.

An Bord des Schiffes befänden sich insgesamt rund 4000 Autos, darunter zahlreiche Elektroautos, sagte der Hafenkapitän von Horta auf den Azoren, Joao Mendes Cabecas. Lithium-Ionen-Batterien von Elektrofahrzeugen hätten Feuer gefangen, deswegen sei es schwierig, den Brand zu löschen. "Das Schiff brennt von einem Ende zum anderen", sagte er. "Ab fünf Metern über der Wasserlinie hat alles Feuer gefangen."

Versicherungsfrage noch unklar

Bei wem der Schaden versichert ist, war zunächst nicht klar. Nach Angaben der mit maritimen Risiken erfahrenen Allianz gehören Probleme mit Autotransportern zu den größten Sicherheitsrisiken in der Schifffahrt. Dabei kommt es immer wieder zu langwierigen Rettungsaktionen: So dauerte es im Juni 2020 acht Tage, bis ein Brand auf dem Autotransporter "Höegh Xiamen" gelöscht werden konnte.

Nach Einschätzung des auf Schifffahrt spezialisierten Anwalts James Turner werden Brände häufig von Fehlern in der Elektrik ausgelöst. Wenn Elektroautos mit Lithium-Ionen-Batterien an Bord sind, sei Spezialausrüstung nötig, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

Üblicherweise seien Autotransporter wie mehrstöckige Parkhäuser konstruiert, bei denen die einzelnen Ebenen versiegelt sind, was Schäden an der Fracht verringern könnte. Der VW-Sprecher sagte, unklar sei im Moment noch, wie viele Autos beschädigt seien.

An Bord ist wohl auch der neue Porsche des Youtubers Matt Farah, dessen Kanal "The Smoking Tire" mehr als eine Million Fans hat: "Mein Auto schwimmt jetzt, wahrscheinlich brennend, mitten im Ozean", twitterte er.

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Eine Audi-Sprecherin bestätigte, dass Fahrzeuge des Ingolstädter Herstellers neben anderen VW-Marken an Bord des Schiffes sind. "Wir sind sehr erleichtert, dass die 22 Besatzungsmitglieder des Handelsschiffs Felicity Ace wohlauf sind", sagte der Sprecher weiter. Ein Sprecher von Lamborghini in den USA lehnte es dem Bericht zufolge ab, sich zu der Anzahl der Fahrzeuge an Bord oder zu den betroffenen Modellen zu äußern.

Das Schiff fährt unter der Flagge Panamas. Die Felicity Ace ist rund 200 Meter lang und wurde im Jahr 2005 gebaut. Wann genau das Schiff Feuer fing, ist noch unklar. Es ist nicht das erste Mal, dass der Volkswagen-Konzern auf hoher See einen hohen Schaden erleidet. Als die "Grande America" im Jahr 2019 Feuer fing und sank, gingen mit dem Schiff mehr als 2000 Luxusautos unter – darunter viele Audis und Porsches.

mit Nachrichtenagenturen