Beschleunigung der E-Mobilität VW-Betriebsrat fordert zusätzliches Modell für die Produktion im Stammwerk

Das VW-Stammwerk in Wolfsburg ist nicht ausgelastet. Der Betriebsrat fordert nun, den Weg in die Elektromobilität zu beschleunigen - und schon 2024 ein neues E-Modell in Wolfsburg zu produzieren.
VW-Produktion in Wolfsburg: Ein neues Elektromodell soll möglichst rasch die Auslastung des Stammwerkes erhöhen, fordert der VW-Betriebsrat

VW-Produktion in Wolfsburg: Ein neues Elektromodell soll möglichst rasch die Auslastung des Stammwerkes erhöhen, fordert der VW-Betriebsrat

Foto: Swen Pförtner / dpa

Der Betriebsrat von Volkswagen fordert angesichts des nicht ausgelasteten Stammwerks in Wolfsburg einen zügigeren Weg in die Produktion von Elektroautos. Damit verbunden ist die Forderung nach einem zusätzlichen E-Modell, um die Produktion im Stammwerk Wolfsburg zu erhöhen und die durch Kurzarbeit und niedrige Auslastung verunsicherte Belegschaft zu beruhigen. Ein solches "volumenfähiges" Modell sollte am besten schon 2024 in Wolfsburg gefertigt werden. manager magazin hatte bereits berichtet, dass Betriebsratschefin Daniela Cavallo ein solches zusätzliches Modell für das Stammwerk fordert. 

Damit reagiert Cavallo auf den Trend, dass der Wandel weg vom Verbrenner schneller läuft als erwartet und die Nachfrage nach den in Wolfsburg gebauten Kompaktklassemodelle Golf, Touran und Tiguan schneller nachlassen könnte als gedacht. Fürsspecher eines neuen Elektromodells in Wolfsburg dürfte Cavallo auch im Top-Management finden.

"Die schwierige Lage im Werk Wolfsburg bildet einen klaren Schwerpunkt der laufenden Beratungen für die diesjährige Planungsrunde", sagte Cavallo laut der Mitteilung vom Samstag. Mit dem Abschluss der Planungsrunde würden in etwa sechs Wochen die Investitionen in die weltweiten Konzernstandorte festgelegt. Die Beschlüsse reichen bis in die zweite Hälfte des Jahrzehnts.

Cavallo und ihr Stellvertreter Gerardo Scarpino verwiesen auf die angespannte Situation im Stammwerk. Der Fabrik drohe aktuell im zweiten Jahr in Folge ein seit der Nachkriegszeit historisches Produktionstief. Vergangenes Jahr sei Wolfsburg nur auf knapp eine halbe Million Fahrzeuge gekommen. Dieses Jahr, ebenfalls geprägt von erheblicher Kurzarbeit, dürften es sogar noch einmal weniger werden.

Weniger als eine halbe Million Fahrzeuge im Stammwerk - "Belegschaft zunehmend besorgt"

Damit unterschreite das Stammwerk nicht nur den jüngsten Zehn-Jahres-Durchschnitt von knapp 780.000 Autos pro Jahr. Auch die mit dem Unternehmen vereinbarten Auslastungszusagen lägen weit davon entfernt: So habe der Vorstand mit dem Ende 2016 beschlossenen Zukunftspakt für das Jahr 2020 eine Auslastung von mindestens 820.000 Fahrzeugen im Stammwerk garantiert. Mitte 2018 war sogar das Ziel von einer Million Fahrzeuge in Aussicht gestellt worden. "Auch bereinigt um die aktuellen Negativfaktoren Corona und Halbleitermangel sind wir von diesen gemeinsam verabredeten Plänen weit entfernt", sagte Cavallo.

Die Belegschaft sei zunehmend besorgt. "Sie kennt solch lange Kurzarbeitsphasen nicht", sagte Cavallo. Das gelte nicht nur, aber besonders auch für die Kolleginnen und Kollegen im Stammwerk.

Das Leuchtturm-Projekt Trinity, mit dem Mitte des Jahrzehnts ein gänzlich neues VW-Flaggschiff ins Stammwerk kommt, werde das Blatt nicht wenden. Der Produktionsstart für Trinity ist für 2026 in Aussicht gestellt. "Es ist an der Entwicklung der Zahlen schon abzusehen, dass der Trinity zur Auslastung des Werkes nicht ausreichen wird", betonte Scarpino.

Der Standort brauche einen rascheren Weg in die E-Mobilität, forderte Cavallo, es müsse sich dabei um ein "volumenfähiges Modell" handeln.

la/dpa
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