Bilanz für das erste Quartal Milliardengewinn und Absatzeinbruch bei Volkswagen

Der Autokonzern hat im ersten Quartal einen deutlich höheren Gewinn erzielt als erwartet. Die Verkäufe von VW brachen allerdings ein – auch bei der Sportwagentochter Porsche.
Der legendäre "Bulli" in der Elektroversion: Im ersten Quartal lieferte Volkswagen zwei Drittel mehr Elektroautos aus

Der legendäre "Bulli" in der Elektroversion: Im ersten Quartal lieferte Volkswagen zwei Drittel mehr Elektroautos aus

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Der Automobilkonzern Volkswagen (VW) hat trotz des Ukraine-Krieges und stockender Produktion wegen der Corona-Bekämpfung in China zu Jahresbeginn einen Milliardengewinn eingefahren. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern sowie vor Sondereinflüssen aus der Dieselaffäre habe im ersten Quartal bei rund 8,5 Milliarden Euro und die Rendite bei 13,5 Prozent gelegen, teilte der Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen am Donnerstag mit. Vor einem Jahr hatte VW rund 4,8 Milliarden Euro operatives Ergebnis erzielt.

Vor allem profitierte VW neben einer robusten operativen Entwicklung von einem positiven Effekt aus der Neubewertung von Instrumenten, mit denen sich der Konzern gegen Rohstoffpreisschwankungen absichert. Diesen Effekt bezifferte VW auf 3,5 Milliarden Euro. Der Konzern zahlt aufgrund der langfristigen Absicherung durch Finanzinstrumente noch Preise für Rohstoffe in der Höhe, wie sie vor dem Ukraine-Krieg galten. Die Differenz zum aktuellen Preisniveau sorgt für einen Buchgewinn.

Analysten hatten für das erste Quartal bisher mit einem operativen Ergebnis von rund fünf Milliarden Euro gerechnet. Der Mittelzufluss im Automobilgeschäft belief sich den Angaben zufolge netto auf rund 1,5 Milliarden Euro. Die VW-Vorzugsaktie  lag zuletzt rund 1,5 Prozent im Minus, nachdem das Papier zunächst deutlich in die Gewinnzone gesprungen war. Die endgültigen Zahlen für das Auftaktquartal will Volkswagen am 4. Mai veröffentlichen.

Der andauernde Krieg in der Ukraine habe erhebliche Auswirkungen auf Wechselkurse und die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten, teilte der Konzern weiter mit. Außerdem seien erste Auswirkungen auf die Lieferketten zu erkennen. Es bestehe unverändert das Risiko, dass sich die weitere Entwicklung des Ukraine-Krieges negativ auf die Geschäfte auswirke.

Ein Drittel weniger Verkäufe im März

Bei seinen Verkäufen bleibt der VW-Konzern wegen fehlender Elektronikchips unter Druck. Auch im März lieferte der Autobauer knapp ein Drittel weniger Fahrzeuge an die Kundschaft aus und knüpfte damit an die schwachen Auftaktmonate an. Mit 655.800 Pkw und Nutzfahrzeugen kommen die Wolfsburger nun im ersten Quartal auf fast 1,9 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge – das sind 21,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dabei zog sich die Malaise durch alle wichtigen Verkaufsregionen: In Westeuropa verzeichnete die Gruppe einen Rückgang im Quartal von 14,7 Prozent, im wichtigsten Einzelmarkt China gingen die Auslieferungen um 23,9 Prozent zurück.

Bei Elektroautos kann VW aber weiter punkten. In den Monaten Januar bis März wurde VW insgesamt 99.100 vollelektrische Fahrzeuge los – eine Steigerung um rund zwei Drittel. In China, wo der Hochlauf lange haperte, vervierfachten sich die Auslieferungen der Batterie-elektrischen Fahrzeuge auf 28.800 Stück.

Porsches Absatz in China um 20 Prozent eingebrochen

Auch die VW-Sportwagentochter Porsche lieferte im ersten Quartal 2022 weniger Fahrzeuge aus als im Vorjahreszeitraum. In den ersten drei Monaten des Jahres seien weltweit 68.426 Autos verkauft worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Stuttgart mit. Das entspreche einem Rückgang von 5 Prozent. "Der erneute Ausbruch der Corona-Pandemie in China und anderen Regionen sowie erhebliche lieferbezogene und logistische Herausforderungen haben uns stark gefordert", teilte Vertriebschef Detlev von Platen mit.

In China, Porsches größtem Einzelmarkt, verzeichnete der Konzern ein Absatzminus von 20 Prozent. Nur 17.685 Autos verkaufte Porsche dort. In den USA nahmen die Verkäufe um ein Viertel ab. Im Heimatmarkt Deutschland legten die Auslieferungen hingegen um 16 Prozent zu, hier wurden 6925 Autos verkauft. Weltweit seien bei den Kundinnen und Kunden die SUV-Modelle am beliebtesten gewesen. So wurde der Cayenne mit 19.029 Auslieferungen am häufigsten verkauft. Der vollelektrische Taycan hatte mit 9470 Auslieferungen einen Anteil von rund 14 Prozent.

In das zweite Quartal starte Porsche "mit großer Wachsamkeit", so von Platen. Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine würden von Experten in einer Taskforce kontinuierlich überprüft und bewertet.

dri/Reuters, dpa-afxp