115 Millionen Dollar Investoren rüsten Voi für die Scooter-Schlacht

Die schwedische Scooterfirma Voi erhält frisches Kapital. CEO Fredrik Hjelm erklärt, was er damit vorhat. Und wie seine Firma im knallharten Verdrängungswettbewerb künftig auch mit Leihfahrrädern bestehen will.
Klares Ziel: Voi-Chef Fredrik Hjelm will die wertvollste Micromobility-Plattform der Welt aufbauen

Klares Ziel: Voi-Chef Fredrik Hjelm will die wertvollste Micromobility-Plattform der Welt aufbauen

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Stina Stjernkvist/TT / picture alliance

Der schwedische Scooter-Anbieter Voi erhält 115 Millionen Dollar frisches Kapital, um das Angebot in Deutschland und anderen Märkten weiter auszubauen. Mitgründer und Vorstandschef Fredrik Hjelm (30) will damit zusätzliche Dienste wie Elektrofahrräder anbieten und in weitere Städte vordringen. "So wollen wir die notwendige Größe erreichen, um profitabel werden zu können", sagte er im Gespräch mit dem manager magazin. Insgesamt haben die Investoren bislang 430 Millionen Dollar in das Unternehmen gepumpt.

Damit dürfte sich der Wettbewerb im Geschäft mit der Mikromobilität weiter verschärfen. Der Berliner Konkurrent Tier hatte im Oktober 200 Millionen Dollar für die Expansion erhalten; der estnische Konkurrent Bolt , der erst in diesem Frühjahr mit seinen Scootern die deutschen Städte geflutet hat, erhielt im Sommer sogar 600 Millionen Euro. "Unser Ziel ist klar: Wir wollen die größte und wertvollste Plattform der Welt werden", sagte Hjelm.

Bis dahin dürfte es noch dauern. Das erst 2018 gegründete Unternehmen ist aktuell in mehr als 70 Städten in elf Ländern aktiv. In Deutschland bietet Voi seine Scooter bislang in 16 vor allem großen Städten an. Die Rivalen Tier und Bolt sind dagegen allein in Deutschland in 67 beziehungsweise 48 Städten unterwegs. Hjelm ist mit dem eigenen Tempo aber zufrieden. 2021 sei ein "unglaubliches Jahr" gewesen. Insgesamt sei das Geschäft um 140 Prozent gewachsen. Voi setzt nun mehr als 100 Millionen Dollar um, wobei Deutschland mit einem knappen Drittel der wichtigste Markt ist.

Der harte Verdrängungswettbewerb dürfte sich dabei fortsetzen. "Es hat schon eine Menge Konsolidierung gegeben", sagt er. "Das wird weitergehen – es bleibt am Ende nur Platz für zwei bis drei Anbieter." Das hieße, dass auch von den großen Anbietern wie Tier, Bolt, Lime, Bird oder eben Voi nicht alle überleben werden.

Hjelms Geldgeber wetten auf Voi. Die jetzt abgeschlossene Finanzierungsrunde wird von der Raine Group (Soundcloud, Vice) und VNV Global angeführt, die bereits vorher zu den führenden Voi-Investoren zählten. Zu den weiteren Geldgebern gehören unter anderem Inbox Capital, Nordic Ninja, Stena Sessan, Kreos Capital sowie Ilmarinen, Nineyards Equity und ICT Capital.

Die Story, die Hjelm erzählt, geht so: Seit 2020 arbeite seine Firma operativ rentabel. Vor allem, weil die operativen Kosten seit der Firmengründung um 80 bis 90 Prozent gesunken seien. Im Vergleich zu den Anfangsjahren hat Voi die eingesetzten Scooter technisch weiterentwickelt. Sie sind heute haltbarer und haben eine höhere Reichweite. Um die Servicekosten zu senken, tauschen die Schweden – ähnlich wie Tier – nur die Akkus an den Straßen, nicht die ganzen Roller.

Die Folge: Statt ursprünglich mit 4 bis 5 Euro pro Scooter-Nutzung kalkuliert Hjelm aktuell mit operativen Kosten von weniger als einem Euro pro Fahrt. "So reichen, je nach Preis, schon 1 bis 1,5 Fahrten pro Tag, um ein Fahrzeug profitabel zu betreiben", sagt er. "Die operativen Kosten sind der Schlüssel in unserem Geschäft. Und wir sind deutlich effizienter als die Wettbewerber."

Als zusätzliches Angebot plant er nun, neben den Scootern auch Leihräder in den Städten anzubieten. "Das ist der natürliche nächste Schritt." In Großbritannien sind erste Pilotprojekte erfolgreich verlaufen. Zwar sind die Elektro-Bikes teurer in der Anschaffung – sie halten aber länger, weswegen Hjelm am Ende auf ähnlich viel Marge hofft wie bei einem der Elektro-Scooter. Bald schon soll es in ersten Städten losgehen.

Allein sind die Schweden mit dieser Idee allerdings nicht. Auch die Konkurrenz kombiniert die Angebote: So hat Tier zuletzt den führenden Leihfahrradanbieter Nextbike übernommen. Die zweite Welle im Kampf der Scooter-Verleiher rollt.