Elektroauto-Newcomer Vinfasts Deutschland-Pläne werden konkreter

Der vietnamesische E-Autobauer treibt seine Expansion nach Europa voran. In Deutschland soll die Hälfte der insgesamt 50 Stores entstehen. Neuigkeiten gibt es auch zur geplanten Produktion hierzulande.
Europa im Blick: Firmenchefin Le Thi Thu Thuy will den europäischen Markt erobern

Europa im Blick: Firmenchefin Le Thi Thu Thuy will den europäischen Markt erobern

Foto: Denise Truscello / Getty Images for VinFast

Der vietnamesische Elektroautobauer Vinfast drängt nach Europa und setzt bei seiner Expansion vor allem auf Deutschland. Der Newcomer plant im größten Automarkt des Kontinents 25 Stores zu eröffnen. Insgesamt will Firmenchefin Le Thi Thu Thuy (47) mindestens 50 Ladengeschäfte in Europa betreiben. Davon sollen 20 in Frankreich und fünf in den Niederlanden entstehen, gab das Unternehmen in dieser Woche bei der europäischen Premiere seiner vollelektrischen Modelle VF 8 und VF 9 bekannt.

Vinfast gehört zu einer ganzen Reihe junger Autofirmen aus Asien, die gerade zum Sprung nach Europa ansetzen. Auch einige chinesische Newcomer wie Nio, XPeng oder BYD haben ihren Vorstoß angekündigt. Im vergangenen Jahr waren europaweit rund 9,7 Millionen Neuwagen verkauft worden – die Hersteller aus Asien wollen vor allem im absehbar wachsenden Elektroautosegment eine wichtige Rolle spielen.

Bei Vinfast werden die Rollout-Pläne nun konkreter. Die ersten bestätigten Standorte in Deutschland sind Frankfurt, Berlin, Köln, Oberhausen und Hamburg. In Frankreich sind Stores in Paris, Marseille, Nantes, Rennes, Nizza, Montpellier, Aix en Provence und Metz geplant, in den Niederlanden steht Amsterdam fest. Die Showrooms werden unterschiedlich groß ausfallen und entweder nur den Verkauf oder sowohl Verkaufs- als auch Servicedienstleistungen anbieten, teilte Vinfast mit. Die genauen Standorte seien nach bestehender Infrastruktur und Anbindung an eine potenzielle Elektrofahrzeug-Community ausgewählt worden.

Noch hat das erst 2017 gegründete Start-up kein Auto in Europa ausgeliefert. Doch Vinfast hat ehrgeizige Wachstumspläne und unterhält bereits Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sowie weitere in den USA und Kanada.

"Die Ankündigung von Vinfast Stores auf dem französischen, deutschen und niederländischen Markt bestätigt die Ernsthaftigkeit und das Engagement von Vinfast für Europa", sagt Thuy, die auch stellvertretende Vorsitzende der Mutter Vingroup ist. "Vinfast ist nicht nur hier, um Autos zu verkaufen. Wir sind hier, um Veränderungen anzuregen und den Übergang zu Elektrofahrzeugen zum Wohle der Umwelt zu beschleunigen."

Vinfast blickt offenbar nach Eisenach und Pasewalk

Dazu sucht das Start-up noch nach einer Produktionsstätte in Europa. Bislang fertigt Vinfast ausschließlich in Vietnam. Bereits im Januar war bekannt geworden, dass die Marke eine Produktion in Deutschland anstrebt. 2025 sollen die ersten Autos wohl vom Band rollen. Gerüchte gab es bislang um das Opel-Werk in Eisenach in Thüringen, jetzt ist offenbar ein zweiter Standort im Rennen.

Laut Medienberichten spricht Vinfast mit dem Unternehmerverband Mecklenburg-Vorpommern über den Bau eines Werkes in Pasewalk. Dort kommt der Industriepark Berlin-Szczecin in Frage. Dieser liegt allerdings deutlich näher am polnischen Stettin als an Berlin, wo Wettbewerber Tesla sein Werk in Grünheide in diesem Jahr eröffnete.

Vinfast selbst hält sich bei der Suche nach einem Werk noch bedeckt. "Es laufen Gespräche mit verschiedenen Bundesländern und Verbänden", sagt ein Sprecher. Bislang bestätigt das Unternehmen keinen Standort. Nur so viel, dass Thüringen seit Jahren enge Beziehungen zu Vietnam pflege.

Weiter vorangeschritten sind die Pläne um eine Produktionsstätte in den USA. Dort will Vinfast 150.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr in North Carolina fertigen. Die Produktion soll dort Mitte 2024 aufgenommen werden, hatte Thuy im März angekündigt.

Thuy hatte damals die Geschäfte vom früheren Opel-Chef Michael Lohscheller (53) übernommen, der kurz zuvor nach nur wenigen Monaten an der Vinfast-Spitze überraschend seinen Posten geräumt hatte und inzwischen für das amerikanische Skandal-Start-up Nikola arbeitet.

Vinfast war 2017 zunächst mit der Herstellung von Autos mit Verbrennungsmotor gestartet, deren Produktion in diesem Jahr auslaufen soll. Im Januar hatte die Marke eine komplette Elektroflotte mit fünf Fahrzeugen verschiedener Größen  vorgestellt. Die Vietnamesen arbeiten mit zahlreichen großen europäischen Automobilherstellern und Zulieferern zusammen, etwa BMW, Siemens, Bosch, Continental und ThyssenKrupp. Die Elektroautos sollen preislich deutlich unter den vergleichbaren Tesla-Modellen liegen. In Europa will Vinfast sein erstes Auto Ende 2022 verkaufen.

dri
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