Vertrag nicht verlängert Cewe-Chef stolpert über Eignerstruktur

Überraschung beim Fotodienstleister Cewe: Das Kuratorium der Neumüller Cewe Color Stiftung verlängert den Vertrag von Vorstandschef Christian Friege nicht. Der Aufsichtsrat und die Großaktionäre hätten ihn gerne an der Unternehmensspitze behalten.
Bekannt für seine Fotobücher: Die Cewe-Aktie verlor seit Anfang des Jahres ein Viertel an Wert.

Bekannt für seine Fotobücher: Die Cewe-Aktie verlor seit Anfang des Jahres ein Viertel an Wert.

Foto: imago stock&people / imago/MiS

Die Cewe Stiftung trennt sich von ihrem Vorstandsvorsitzenden  Christian Friege (56). Dabei hätten Aufsichtsrat und Großaktionär den Vertrag gerne verlängert. Doch das Kuratorium der Neumüller Cewe Color Stiftung, das über die Besetzung des Vorstands entscheidet, stellte sich quer. Der Vertrag werde wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Unternehmensführung nicht über den 31. Dezember 2022 hinaus verlängert, teilte der Vorsitzende des Kuratoriums, Rolf Hollander, in Oldenburg mit.

Als persönlich haftende Gesellschafterin führt die Neumüller Cewe Color Stiftung die Geschäfte der börsennotierten Cewe Stiftung & Co KGaA. Die Aktie des Fotodienstleister notierte im SDax am Freitag gegen Mittag bei mehr als 5 Prozent im Minus. Bereits seit Anfang des Jahres verlor das Papier deutlich an Wert und brach um ein knapp ein Viertel ein. Binnen eines Jahres fiel die Aktie um fast 20 Prozent.

Der Aufsichtsrat der Gesellschaft und die Erben des Unternehmensgründers hätten gerne an Friege festgehalten. "Wir hätten eine Vertragsverlängerung sehr befürwortet", schrieb der Aufsichtsrat in einer separaten Stellungnahme. Friege habe die positive Unternehmens- und Ertragsentwicklung wesentlich geprägt. Die Zusammenarbeit zwischen dem Kontrollgremium und dem von Friege geführten Vorstand sei stets von Offenheit, Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt gewesen.

Die Erben des Unternehmensgründers Heinz Neumüller schlossen sich dieser Auffassung an: "Herr Dr. Friege hat zu jeder Zeit unser volles Vertrauen genossen und wir hätten eine Vertragsverlängerung sehr begrüßt." Die Erben sind mit gut 27 Prozent der Anteile größter Aktionär des Unternehmens. Das Kuratorium der Neumüller Cewe Color Stiftung war sich bei der Entscheidung gegen Friege nicht ganz einig. Der Vorsitzende Hollander berichtete von einer mehrheitlichen Entscheidung.

Hollander selbst hatte 2017 nach 15 Jahren an der Spitze von Cewe das Ruder als Vorstandschef an Friege übergeben. Dieser hatte die Strategie fortgesetzt, das Foto-Großlabor angesichts des Vormarschs der Digitalfotografie zum Dienstleister umzubauen. Bekannt sind vor allem Cewe-Fotobücher, die die Kunden online selbst gestalten können. Nach dem Abebben des coronabedingten Booms war der Umsatz 2021 um fünf Prozent auf 692,8 Millionen Euro zurückgegangen und hatte die eigenen Prognosen verfehlt. Im ersten Jahr der Pandemie waren viele Menschen zu Hause geblieben, was die Nachfrage nach Fotobüchern ankurbelte. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen schrumpfte 2021 auf 72,2 (79,7) Millionen Euro, lag damit aber immer noch mehr als ein Viertel über dem Vor-Pandemie-Jahr 2019.

Wer dem Manager nachfolgt, ist den Angaben zufolge noch nicht entschieden. Friege habe angeboten, "die Kontinuität in der Führung zu gewährleisten und eine reibungslose Übergabe zu ermöglichen", hieß es in der Mitteilung des Kuratoriums.

dri/dpa-afx, Reuters