Weniger Schiffe aus China Shanghai-Lockdown verschärft Lieferprobleme

Die Auswirkungen des chinesischen Lockdowns werden bald auch in Deutschland spürbar sein. Mitte Mai war das Frachtvolumen im Roten Meer fast ein Fünftel niedriger, als erwartet. Ein kompletter Lieferstopp droht aber nicht, heißt es.
Hafen von Shanghai: Der Lockdown in dem weltgrößten Container-Hafen hält an. Die Zahl der aus China kommenden Schiffe nach Europa ist deutlich gesunken.

Hafen von Shanghai: Der Lockdown in dem weltgrößten Container-Hafen hält an. Die Zahl der aus China kommenden Schiffe nach Europa ist deutlich gesunken.

Foto: Ding Ting / dpa

Der deutschen Wirtschaft droht als Folge chinesischer Lockdowns und weltweiter Schiffsstaus eine weitere Verschärfung der gravierenden Lieferprobleme. Nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und des Rotterdamer Hafens ist die Zahl der aus China Richtung Westen fahrenden Schiffe gesunken. Und die Londoner Schifffahrtsberatung Drewry schätzt, dass im Hafen Shanghai allein im April 260.000 für den Export in alle Welt bestimmte Container nicht verladen wurden.

Die strikten Beschränkungen durch Chinas Null-Covid-Strategie bremsen damit stärker als erwartet. Das Land hat derzeit dadurch selbst mit wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen. Die Industrieproduktion fiel im April überraschend um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt am Montag in Peking berichtete. Auch die Einzelhandelsumsätze brachen deutlicher als von Analysten vorhergesagt sogar um 11,1 Prozent ein. Zudem fielen die Sachinvestitionen schwächer als erwartet aus.

Durch die Beschränkungen ist der Frachtverkehr landesweit deutlich zurückgegangen. Lieferketten sind unterbrochen. Viele Betriebe mussten die Produktion einstellen oder herunterfahren. Der Containertransport über den größten Containerhafen der Welt in Shanghai ist stark eingebrochen. Die Lieferengpässe werden auch in Deutschland über höhere Preise zu spüren sein, wie Experten vorhersagen. Auch in China tätige deutsche und andere europäische oder ausländische Unternehmen sind schwer betroffen.

Chinesische Lockdowns wirken sich verzögert auf Deutschland aus

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel stellte bis zur vergangenen Woche zwar noch keinen Rückgang der Importvolumina in Rotterdam oder Hamburg fest. Doch Mitte Mai war laut IfW das Frachtvolumen im Roten Meer fast ein Fünftel niedriger, als es in normalen Zeiten zu erwarten gewesen wäre. Lockdowns in China wirken sich auf die Belieferung europäischer Unternehmen mit Verzögerung aus, weil die Schiffe mehrere Wochen unterwegs sind.

Dass Lieferungen aus China komplett zum Erliegen kommen, wird jedoch nicht befürchtet: "Ein Rückgang des Frachtvolumens in westlicher Richtung wegen des Lockdowns in Shanghai ist zu erwarten, aber das wird begrenzt sein", sagte eine Sprecherin des Rotterdamer Hafens.

Dennoch werden sowohl Verbraucher als auch die Industrie die Auswirkungen zu spüren bekommen, erwartet das Berliner Mercator Instituts für Chinastudien (Merics). Dem stimmt der Berater und Logistikexperte Patrick Lepperhoff von der Boston Consulting Group zu. Denn die Lage am weltweit größten Container-Umschlagplatz in Shanghai sei immer noch problematisch.

In Shanghai werden nahezu alle Produkte des täglichen Bedarfs für Europa umgeschlagen: Elektronikartikel, Mode, Sportgeräte, Spiel- und Haushaltswaren. Für Saisonartikel kann es bedeuten, dass sie einfach zu spät kommen, sagte Lepperhoff unlängst im Interview mit manager magazin sagte. Aber auch Vorprodukte für den Maschinenbau, die Automobilproduktion und andere Industriezweige werden fehlen und die Produktionsabläufe in den kommenden Wochen empfindlich stören.

Verbraucher werden Lieferengpässe spüren

Vor allem die Halbleiterknappheit bereitet Unternehmen derzeit Schwierigkeiten. Die Abhängigkeit macht jedoch klar, wie hoch der Druck zur Verlagerung der Lieferketten ist.  In den USA ging dies mit dem Verlust der Führungsposition bei modernen Halbleitern einher und führte zu neuen Rechtsvorschriften, um die Produktion im eigenen Land zu fördern. Die USA sind jedoch nicht die einzige Nation, die so vorgeht: Die Europäische Union und Japan haben ebenfalls Anstrengungen unternommen, um ihren Anteil an globaler Halbleiterproduktion wieder aufzubauen. Chinas seit 2020 umgesetzte Dual-Circulation-Strategie hat zum Ziel, die Abhängigkeit von importierten, strategisch wichtigen Materialien zu verringern, zu denen auch Computerchips gehören.mobilproduktion und andere Industriezweige werden fehlen und die Produktionsabläufe in den kommenden Wochen empfindlich stören.

Der Druck, der durch die Lieferengpässe entsteht, ist enorm. Die deutsche Industrie sitzt einer Umfrage zufolge auf einem rekordhohen Auftragsberg. Auch ohne einen einzigen neuen Auftrag könnte sie noch 4,5 Monate weiter produzieren, wie aus einer Ifo-Unternehmensumfrage vom April hervorgeht.

mje/dpa-afpx
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