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Verlierer der Fusion

Hewlett-Packard: Die Compaq-Manager haben bei der Postenverteilung in Europa meist das Nachsehen.
aus manager magazin 8/2002

Wer bei Hewlett-Packard (HP) überleben will, muss härterer Natur sein. Um 5.30 Uhr in der Frühe starteten die Manager der neuen HP kürzlich auf Mountainbikes zu einer Tour in die Berge rund um den oberbayerischen Tegernsee.

Um 7.30 Uhr schon saßen die Damen und Herren im Konferenzraum des schicken Dorint-Hotels "Überfahrt", um über die Zukunft des aus dem Zusammenschluss von HP und Compaq entstandenen Computerriesen zu beraten - bis 19 Uhr fast ohne Unterbrechung.

Eines war den Teilnehmern des Härtetests allerdings schon vorher klar - welche Manager aus den beiden Unternehmen im Europa-Geschäft das Sagen haben. Und der Trend ist eindeutig: Die Sieger kommen zumeist von Hewlett-Packard.

Kurz vor der amtlichen Bekanntgabe der Fusion am 7. Mai hatte die HP-Zentrale im kalifornischen Palo Alto die Geschäftsführer für Europa und die einzelnen Länder ernannt. Mitte Mai traten sie offiziell ihre Ämter an.

Unter dem Europa-Vorsitzer Kasper Rorstedt (40), zuvor in gleicher Position bei Compaq, ackern heute ausschließlich ehemalige HP-Spitzen: Eric Cador (44) im Bereich PC-Systeme, Bernard Meric (50) bei Bildbearbeitung und Druckern, Francesco Serafini (50) im Dienstleistungsgeschäft. Rorstedt leitet zusätzlich noch den Bereich Infrastruktur-Lösungen.

Noch stärker dominieren HP-Leute die deutsche Landesgesellschaft. Den Vorsitz übernahm Heribert Schmitz (58), schon seit 2001 auf dem Chefsessel in der Böblinger HP-Zentrale. Seine Kollegin Regine Stachelhaus (47) regiert nun die Druckersparte. Bislang war sie für das Privatkundengeschäft von HP zuständig.

Jürgen Banhardt (43) bleibt auch in der neuen deutschen HP Finanzchef, ebenso wie Fritz Schuller (51) sich weiter um das Personalwesen kümmert. Bärbel Schmidt (45), die zuvor die HP-Händler betreute, ist jetzt als Geschäftsführerin für den PC-Bereich zuständig. Wolfram Fischer (44), bislang weltweiter Verkaufsförderer für Dienstleistungen, verantwortet das deutsche Servicegeschäft.

Als einziger Compaq-Topmann durfte Rainer Kaczmarczyk (47) weiterhin eine Spitzenposition innehaben, wenn auch eine Stufe tiefer als bisher: Der ehemalige Compaq-Deutschland-Chef ist als einer von sieben Geschäftsführern für den Bereich Infrastruktur zuständig.

Die Übermacht der HPler passt so gar nicht zur Vorgabe von Konzernchefin Carly Fiorina (47). Die hatte verkündet, dass Compaq-Führungskräfte die Hälfte des gemeinsamen Umsatzes verantworten sollen.

Gut, dass in den kommenden Wochen noch die Entscheidungen über die tiefer gelegenen Management-Ebenen fallen sollen. Bei der Verteilung der Posten zeichnet sich bereits ein klarer Trend ab: In allen Geschäftsbereichen sollen Compaq-Leute das Marketing übernehmen.

Sogar die bisher als Stabsstelle der Geschäftsführung firmierende Öffentlichkeitsarbeit soll dem Marketing untergeordnet werden.

Womöglich keine besonders gute Idee: Jeannette Weißschuh (39), bisher oberste Unternehmenskommunikatorin in Böblingen, kassierte gerade einen Preis für erstklassige Öffentlichkeitsarbeit. Mit einem neuen Marketingchef als Vorgesetzten wird sie sich sehr umstellen müssen. Eva Müller

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