Absturz wegen Corona US-Konjunktur bricht so stark ein wie nie zuvor

Die Wirtschaftsleistung der USA ist im zweiten Quartal um mehr als 30 Prozent gefallen. Besonders bitter für US-Präsident Trump: Auch die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe steigt wieder an.
Baustelle in Los Angeles: Die US-Wirtschaft ist von der Coronakrise schwer getroffen

Baustelle in Los Angeles: Die US-Wirtschaft ist von der Coronakrise schwer getroffen

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Ringo Chiu/ZUMA Wire/ DPA

Die Corona-Krise hat in den USA einen beispiellosen Konjunktursturz ausgelöst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im zweiten Quartal um auf das Jahr hochgerechnet 32,9 Prozent zurück, wie das Handelsministerium in Washington am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Die ist der stärkste Einbruch innerhalb eines Quartals seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1947. Der bisherige Negativrekord wurde im zweiten Quartal des Jahres 1958 verzeichnet - damals waren es minus 10 Prozent.

An den Börsen bauten die wichtigsten Indizes in Folge der Nachricht ihre Verluste aus: Der deutsche Leitindex Dax baute seine Verluste auf rund 4 Prozent aus, und der Dow Jones startete ebenfalls mit Verlusten in den Handel.

Bereits im ersten Quartal hatten sich deutliche Spuren der Corona-Krise gezeigt, die größte Volkswirtschaft der Welt war in den ersten drei Monaten auf das Jahr hochgerechnet um 5,0 Prozent geschrumpft. Der April war in den USA allerdings der erste Monat, in dem sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie über den gesamten Monat auf die konjunkturelle Entwicklung ausgewirkt haben.

Insbesondere der Konsum, eigentlich eine der tragenden Säulen der Wirtschaft, brach wegen der Kontaktbeschränkungen und Maßnahmen zur sozialen Distanz im Frühjahr ein. Der private Verbrauch verringerte sich um 34,6 Prozent zum ersten Quartal. Auch die Investitionen und das Außenhandelsgeschäft litten massiv unter den Folgen der Pandemie, die angesichts einer hohen Zahl von Neuinfektionen in den USA noch nicht ausgestanden ist.

In den USA werden Wachstumszahlen auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben an, wie sich die Wirtschaft entwickeln würde, wenn das Tempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese Methode verzichtet, weshalb Wachstumsdaten aus den beiden großen Wirtschaftsräumen nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Nach "europäischer Lesart", also nicht aufs Jahr hochgerechnet, entspreche das BIP-Minus in den USA etwa einem Rückgang von 9,5 Prozent, erläuterte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Das entspricht etwa dem historischen Rückgang in Deutschland, wo die Wirtschaft im zweiten Quartal um 10,1 Prozent einbrach.

1,4 Millionen neue Anträge auf Arbeitslosenhilfe binnen einer Woche

Dass es nun schnell wieder aufwärts geht, ist kaum zu erwarten. "Hochfrequenzdaten etwa zur Beschäftigung, Restaurantbesuchen, Hotelübernachtungen und der Mobilität deuten bereits darauf hin, dass die neuerliche Infektionswelle viele Verbraucher wieder zögern lässt", erklärte Christoph Balz von der Commerzbank. "Außerdem rechnen wir damit, dass die bisher extrem großzügigen Sonderzahlungen an Arbeitslose verringert werden, was den privaten Konsum dämpfen wird." Zudem werde immer klarer, dass viele Arbeitsplätze in der Krise nicht nur temporär weggefallen, sondern dauerhaft verschwunden seien.

Die Zahl der wöchentlichen Anträge auf staatliche Arbeitslosenhilfe ist erneut gestiegen. Insgesamt stellten vorige Woche 1,434 Millionen Bürger einen entsprechenden Erstantrag, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. "Es wird lange dauern, bis die US-Wirtschaft aus dem tiefen Tal herauskommt", sagte Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. "Anhaltend hohe Infektionszahlen und Massenarbeitslosigkeit sorgen für erhebliche Verunsicherung." Die Arbeitslosenquote in den USA lag zuletzt bei 11,1 Prozent und damit weit höher als in Deutschland mit 6,3 Prozent.

"Die US-Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal erwartungsgemäß in einem historischen Ausmaß geschrumpft", ergänzte Uwe Burkert von der LBBW. Der 'Lockdown' hatte das wirtschaftliche Leben weitgehend gelähmt. Eine so stark konsum- und dienstleistungsorientierte Wirtschaft wie die der USA leidet besonders unter der Schließung von Geschäften oder Restaurants.

In den USA sind allein am Mittwoch 1461 Menschen an einer Coronavirus-Infektion gestorben, der höchste Wert seit dem 27. Mai. Das entspricht rechnerisch etwa einem Todesfall pro Minute. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Epidemie mehr als 150.000 Tote in den USA verzeichnet, die höchste Zahl weltweit.