Baumwoll-Skandal Unterstützt der chinesische Moderiese Shein Zwangsarbeit?
Produziert Shein-Ware: Eine Fabrik in Guangzhou, China
Foto: JADE GAO / AFPEs sind schwere Vorwürfe, mit denen Chinas größter privater Online-Händler Shein derzeit konfrontiert wird. Der Mode-Billigkette wird vorgeworfen, Baumwolle aus einem chinesischen Zwangsarbeiter-Gebiet zu vertreiben und in die USA zu importieren. Drei US-Senatoren haben den Vorstandsvorsitzenden des Fast Fashion Unternehmens, Chris Xu, nun schriftlich um eine Stellungnahme dazu gebeten, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg .
Grundlage für das Schreiben ist ein von Bloomberg im November 2022 veröffentlichter Laborbericht darüber, dass bei Shein bestellte Kleidungsstücke Baumwolle aus Xinjiang enthielten, einer Region Chinas, deren Produkte laut Bundesgesetz nicht in die USA eingeführt werden dürfen. Waren aus dieser Region gelten laut US-Gesetz als Produkte aus Zwangsarbeit. Die chinesische Regierung bestreitet dies jedoch. Der Vorwurf ist auch aus einem anderen Grund nicht unerheblich: So strebt Shein nach verschiedenen Berichten offenbar immer noch einen Börsengang in den USA an.
Mit Verweis auf die Recherchen von Bloomberg wollen die Republikaner Bill Cassidy und die Demokraten Elizabeth Warren und Sheldon Whitehouse dem Thema nun weiter nachgehen. Am Donnerstag forderten sie Shein in einem Schreiben dazu auf, Details zur Produktion und Verbindungen nach Xinjiang offenzulegen. Zudem solle das Unternehmen darlegen, wie es sicherstelle, dass keine der in die USA gelieferten Produkte Baumwolle aus der Region enthalte.
"Null Toleranz gegenüber Zwangsarbeit"
Auf eine Anfrage von "Bloomberg" reagierte Shein zunächst damit, dass das Unternehmen "null Toleranz gegenüber Zwangsarbeit" habe. Zudem seien externe Agenturen damit beauftragt, regelmäßig und unangekündigt Zulieferbetriebe zu überprüfen.
"Shein verlangt von seinen Lieferanten, dass sie Baumwolle aus Australien, Brasilien, Indien, den USA und anderen zugelassenen Regionen beziehen", heißt es in einer Erklärung. "Wir haben ein Managementsystem zur Rückverfolgung entwickelt und eingeführt, das die Herkunft der Baumwolle während des gesamten Produktionsprozesses transparent macht."
Im vergangenen Jahr hatte Shein sich nicht dazu geäußert, ob das Unternehmen Baumwolle aus der Region verwenden würde. Stattdessen erklärte der Online-Händler, dass er in allen seinen globalen Märkten Maßnahmen ergreife, um lokale Gesetze und Vorschriften einzuhalten.
Das 2008 von Chris Xu gegründete Unternehmen steht für Fast-Fashion wie kein anderes. Zuletzt galt der Online-Riese als drittwertvollstes Privatunternehmen der Welt. Das Konzept ist einfach: Mode soll superbillig und ultraschnell verkauft werden. Das Modell ist aber auch umstritten, bei der Jugend kommt es trotzdem gut an. Dies wissen auch Investoren: Laut "Financial Times" könnte Shein bald in einer neuen Finanzierungsrunde drei Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) einsammeln und damit eine Bewertung von 64 Milliarden US-Dollar (60 Milliarden Euro) erzielen.