Gasversorger in Not Bund prüft Übernahme der Mehrheit von Uniper

Ein Rettungspaket des Bundes für Uniper wurde bereits beschlossen, doch das reicht offenbar nicht. Nach Angaben des angeschlagenen Gasimporteurs verhandeln die Beteiligten über weitere Schritte – bis hin zu einem Mehrheitseinstieg des Bundes. Die Aktie von Uniper bricht ein.
Uniper-Kraftwerk in Heyden: Der Bund könnte an dem Gasversorger die Mehrheit übernehmen

Uniper-Kraftwerk in Heyden: Der Bund könnte an dem Gasversorger die Mehrheit übernehmen

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Bei den Bemühungen um die weitere Stabilisierung von Deutschlands wichtigstem Gasimporteur Uniper ist nach Angaben des Unternehmens ein verstärktes Engagement des Bundes im Gespräch. Aufgrund der gestiegenen Unsicherheiten prüfen die Beteiligten "eine direkte Kapitalerhöhung, die zu einer signifikanten Mehrheitsbeteiligung des Bundes an Uniper führen würde", wie Uniper am Mittwoch in einer Börsenmitteilung bekannt gab. Es seien aber noch keine Entscheidungen über das Stabilisierungspaket vom Juli hinaus getroffen worden.

Die Aktie des Energieversorgers brach am Mittwoch um weitere 20 Prozent ein und fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 3,88 Euro. Die Anteilsscheine des im Zuge der Gaskrise schwer angeschlagenen Energiekonzerns weiteten ihren Wertverlust im laufenden Jahr damit nach dem jüngsten Erholungsversuch wieder auf rund 90 Prozent aus. Am Morgen hatten Uniper-Aktien kurzzeitig noch positiv auf die Meldung reagiert, dass auch eine Verstaatlichung des Konzerns geprüft wird. Aktuell überbrückt Uniper, die mehrheitlich zum finnischen Fortum-Konzern gehören, den Liquiditätsbedarf mit einer KfW-Kreditlinie.

Börsianern zufolge setzte sich nach der ersten Erleichterung aber schnell die Erkenntnis durch, dass die Problemlösung für die Altaktionäre noch weitaus teuer als bisher werden dürfte.

Im Juli hatten sich die Bundesregierung und der angeschlagene Energiekonzern sowie dessen finnische Mutter Fortum auf ein milliardenschweres Rettungspaket geeinigt, das auch den Einstieg des Bundes vorsieht. Fortum hält bisher gut drei Viertel der Uniper-Anteile.

"Seit der Unterzeichnung der Stabilisierungsvereinbarung hat sich die europäische Energiekrise weiter verschärft, da derzeit keine russischen Gasmengen durch Nord Stream 1 geliefert werden und sowohl die Gas- als auch die Strompreise sehr hoch und volatil sind", erklärte Uniper. "Infolgedessen haben sich seit Juli die finanziellen Verluste von Uniper aufgrund der höheren Gasbeschaffungskosten deutlich erhöht." Das Umfeld und die finanzielle Situation würden in den Gesprächen über eine langfristige Lösung berücksichtigt.

Uniper ist in Schieflage geraten, weil Russland praktisch kein Gas mehr nach Deutschland pumpt, Uniper seine langfristigen Verträge aber erfüllen muss und sich das fehlende Gas teuer auf dem Markt kauft. Das Pipeline-Gas aus Russland war vergleichsweise günstig zu haben.

cr/dpa-afx
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