Banken in der Krise UniCredit-Chef Mustier erteilt Fusionen klare Absage

Immer wieder kursieren Gerüchte über eine mögliche Fusion von Großbanken in Europa - nicht zuletzt geschürt durch Aussagen von Topbankern. Der UniCredit-Chef spricht dazu jetzt klare Worte.
"Keine Fusionen und Übernahmen": UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier

"Keine Fusionen und Übernahmen": UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier

Foto: MIGUEL MEDINA/ AFP

Die italienische Großbank UniCredit will sich bei einer Konsolidierung im europäischen Bankensektor heraushalten. "Wir haben eine klare Nachricht: Keine Fusionen und Übernahmen", sagte UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier (59) am Mittwoch bei einer Online-Konferenz der Ratingagentur S&P. Die Bank werde sich auf ihren eigenen Umbau konzentrieren. Überschüssiges Kapital werde UniCredit eher dafür verwenden, Aktien zurückzukaufen, wenn die Aufsichtsbehörden dies wieder erlaubten.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen, UniCredit sei an der Commerzbank interessiert. Mustier hat allerdings öfter betont, er wolle erst einmal sein Institut auf Trab bringen, ehe eine Fusion infrage komme. Kurz nach seinem Amtsantritt Mitte 2016 hatte er bei dem größten italienischen Geldhaus einen Konzernumbau gestartet, dem Tausende Stellen und zahlreiche Filialen zum Opfer fielen.

Die europäischen Banken gelten im Gegensatz zu den Wettbewerbern in den USA als ertragsschwächer und leiden teils noch unter erheblichen Altlasten. Die Corona-Krise mit massenhaft drohenden Kreditausfällen hat ihre Situation verschärft. Die Finanzaufsicht Bafin etwa warnte unlängst, nicht alle deutschen Institute würde die Corona-Krise überstehen.

Umso öfter werden Spekulationen über mögliche, den Fortbestand sichernde Fusionen laut. Manche Bankmanager befeuern diese Spekulationen, indem sie Zusammenschlüsse mehr oder weniger als vorgezeichnete Entwicklung formulieren. So hatte Sergio Ermotti (60), der scheidende Chef der Schweizer Großbank UBS, erst vor einer Woche eine Branchenkonsolidierung in Europa ausdrücklich begrüßt: "Der Zug hat den Bahnhof verlassen, und eine Konsolidierung ist unvermeidlich." Das sei "gut für die Märkte".

Größe an sich aber sei nicht entscheidend, sondern vielmehr, in einem Bereich groß zu sein, um nachhaltigen Wert für die Anleger zu schaffen. In der Vergangenheit sei die Debatte in Europa zu stark von der Frage geprägt gewesen, welche Risiken für das Finanzsystem von großen Banken ausgehen. Zu wenig sei dabei beachtet worden, dass Institute auch zu klein sein könnten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit der Corona-Krise habe hier ein Umdenken eingesetzt. "In diesem Sinne glaube ich nicht, dass die Regulierungsbehörden im Laufe der Zeit per se ein Hindernis darstellen", betonte Ermotti.

Zwei Tage zuvor hieß es in verschiedenen Medienberichten, UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber (63) erwäge die Übernahme einer großen europäischen Bank. Zu den potenziellen Fusionszielen gehörten die Deutsche Bank sowie die britische Barclays. Auch die französische BNP Paribas stünde auf der "Wunschliste". Der Plan sei aber innerhalb der UBS auf Ablehnung gestoßen. Auch der Chef der Schweizer Credit Suisse, Thomas Gottstein (56), sähe in Zusammenschlüssen von Banken "sehr viel Sinn", hieß es in Berichten weiter.

Bislang haben erst wenige Banken diesen Schritt auch tatsächlich vollzogen: So fusionierten vor gut zwei Wochen in Spanien die Bankia und Caixabank zu einer der größten Banken Spaniens. Die neu entstandene Caixabank wird künftig mehr als 20 Millionen Kunden in Spanien betreuen. Damit ist es das größte heimische Geldhaus mit 6300 Zweigstellen und mehr als 50.000 Mitarbeitern. Die Rivalen Santander und BBVA sind für sich genommen wegen ihres umfangreichen Auslandsgeschäfts jedoch größer. 

rei mit Reuters
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