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Was macht eigentlich ... Ulrich Schumacher?

Was macht eigentlich Ulrich Schumacher?
aus manager magazin 11/2008

DER MANN SUCHT den Nervenkitzel. Früher, als Ulrich Schumacher noch dem Halbleiterhersteller Infineon vorstand, fuhr er mit Begeisterung Rennen und zertrümmerte dabei auch mal einen teuren Wagen. Heute gibt er sich mit Oldtimer-Rallyes zufrieden. Aber ab und zu kann Schumacher der Verführung einfach nicht widerstehen - wie Anfang September dieses Jahres, als er sich mit Steve Appleton (48), dem Chef des US-Chipkonzerns Micron, in einen Kampfjet setzte und halsbrecherische Loopings schlug.

50 Jahre wurde der hochgewachsene Rheinländer vor wenigen Monaten, aber noch immer ist er so ungestüm wie ein Teenager, redet in rasender Geschwindigkeit, schleppt überall - weil er ja immer auf Achse ist - seinen silberfarbenen Rimowa-Koffer mit sich herum, in dem er seine gesamten Büroutensilien aufbewahrt.

Schumacher langweilt sich schnell, wenn es keine Action gibt. Nachdem er bei Infineon im Streit ausgeschieden war, ging er zum Private-Equity-Haus Francisco Partners. Dort hielt er es drei Jahre aus. Er habe viel über Kapitalmärkte und Heuschrecken gelernt, sagt Schumacher. Aber dann wollte er wieder "unternehmerisch tätig sein". Und so griff er zügig zu, als er die Chance bekam, die chinesische Chipfirma Grace zu leiten. Endlich wieder Chef sein dürfen, endlich wieder etwas aufbauen können - dafür nimmt Schumacher auch in Kauf, dass er seine Frau und die drei Kinder, die weiterhin in Starnberg wohnen, nur alle drei bis vier Wochen sieht.

Freilich, im Vergleich zu Infineon ist Grace ein Zwerg. Die Firma beschäftigt in Shanghai gerade mal 1800 Mitarbeiter und macht 250 Millionen Dollar Umsatz. Die nicht börsennotierte Gesellschaft gehört einem Fonds der Stadt Shanghai und mehreren anderen asiatischen Investoren. Sie haben seit der Gründung von Grace vor acht Jahren 1,6 Milliarden Dollar investiert.

Als Schumacher seinen neuen Job antrat, war Grace "finanziell schwer unter Druck". Im Augenblick versucht die weitgehend deutsche Führungscrew, mit Effizienzsteigerungen das Defizit um über 100 Millionen Dollar zu verringern. In den nächsten Jahren, so meint Schumacher, könne es nur besser werden. Seine Hoffnungen ruhen auf "dem irrsinnigen Wachstumspotenzial des chinesischen Halbleitermarktes" und auf der Verlängerung der Wertschöpfungskette: Grace wird auch künftig ein reiner Auftragsfertiger bleiben, soll den Kunden aber auch das Chipdesign sowie Verpackung und Logistik anbieten. Zudem plant Schumacher, Halbleiterwerke aufzukaufen und in den abgeschriebenen Fabriken billig zu produzieren.

Ein ambitionierter Plan. Geht er auf, kann Schumacher seine Optionen ausüben und eine Menge Geld scheffeln - eben ganz nach dem Motto: no risk, no fun. Ursula Schwarzer

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