Ukraine-Newsblog Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien erreichen Kiew ++ Russland verhängt Einreiseverbot für Biden

Als Reaktion auf US-Sanktionen verhängt Russland nun seinerseits Einreiseverbote gegen US-Präsident Joe Biden und andere US-Regierungsmitglieder. Die Nato ist besorgt, dass Russland Chemiewaffen im Ukraine-Krieg einsetzen könnte. Die wichtigsten News.
Ukrainische Soldaten bei Charkiw: Die Nato ist besorgt, Russland könnte Chemiewaffen einsetzen

Ukrainische Soldaten bei Charkiw: Die Nato ist besorgt, Russland könnte Chemiewaffen einsetzen

Foto: Andrew Marienko / dpa

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Das Wichtigste in Kürze:

  • EU setzt neue Sanktionen in Kraft

  • Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien erreichen Kiew

  • Nato beruft Sondergipfel zu Ukraine-Krieg ein

  • Russland verhängt Einreiseverbot für Biden

19.30 Uhr - Die Europäische Union hat am Dienstagabend ihr viertes großes Paket mit Russland-Sanktionen in Kraft gesetzt. Es umfasst unter anderem eine Ausfuhrsperre für Luxusgüter nach Russland, von der beispielsweise neben Kunstwerken und teuren Uhren auch Autos im Wert von mehr als 50.000 Euro betroffen sind. Zudem wurden Einfuhrbeschränkungen für bestimmte Produkte der russischen Eisen- und Stahlindustrie sowie ein umfassendes Verbot neuer Investitionen in den russischen Energiesektor erlassen.

18.45 Uhr - Die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien sind nach Angaben des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki in Kiew angekommen. Dazu postete er am Dienstag auf Twitter Bilder, die ihn mit seinem Vize Jaroslaw Kaczynski sowie Tschechiens Ministerpräsidenten Petr Fiala und seinem slowenischen Amtskollegen Janez Jansa an einem Tisch mit einer Karte der Ukraine zeigten.

18.15 Uhr - Auf Schweizer Konten liegen nach einer Schätzung der Bankiervereinigung Vermögen russischer Kunden im Umfang von etwa 150 bis 200 Milliarden Franken (bis zu 194 Milliarden Euro). Das entspreche einem "tiefen einstelligen Prozent-Betrag" der grenzüberschreitenden Vermögen, sagte der Präsident der Vereinigung, Marcel Rohner, am Dienstag.

18.00 Uhr - Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten werden in der kommenden Woche zu einem Sondergipfel zu Russlands Krieg gegen die Ukraine zusammenkommen. Das Treffen soll am 24. März in der Bündniszentrale in Brüssel organisiert werden, wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstagabend mitteilte.

17.30 Uhr - Wegen der Sanktionen gegen Russland und der Sperrung der ukrainischen Häfen bleiben auch Kaffee-Lieferungen an beide Staaten aus. Die Frachtschiffe würden gegenwärtig umgeleitet, erklärt ein Händler mit Sitz in Genf. "Realistischerweise müssen diese Verträge annulliert werden. So einfach ist das." Zudem habe der Einbruch des Rubel dazu geführt, dass die russischen Röstereien sich die Bohnen nicht mehr leisten könnten, sagt ein Kollege. Die Rabobank schreibt in einer Analyse, der Krieg und die sehr hohen Kaffeepreise dürften zu "einem signifikanten Rückgang der Nachfrage" in beiden Ländern führen. Russland ist nach der EU, den USA und Japan der viertgrößte Kaffee-Importeur der Welt, die Ukraine und Russland zusammen machen bislang etwa vier Prozent der weltweiten Nachfrage aus.

17.00 Uhr - Die russische Regierung kündigt Ausgaben in Höhe von umgerechnet etwa neun Milliarden Dollar zum Wiederaufbau von Produktionsanlagen und Lieferketten an. Der entsprechende Plan enthalte mehr als 100 einzelne Punkte, erklärt Ministerpräsident Michail Mischustin. Insbesondere werde eine engere Zusammenarbeit mit den anderen Staaten der Eurasischen Wirtschaftsunion - Armenien, Belarus, Kasachstan und Kirgistan – angestrebt.

16.00 Uhr - Als Reaktion auf US-Sanktionen verhängt Russland nun seinerseits Einreiseverbote gegen US-Präsident Joe Biden und andere US-Regierungsmitglieder. Das Außenministerium in Moskau veröffentlichte am Dienstag eine "schwarze Liste" mit 13 Namen, darunter Außenminister Antony Blinken und Verteidigungsminister Lloyd Austin. Es ist das erste Mal, dass Russland eine Liste betroffener Personen veröffentlicht.

15.30 Uhr - Die Nato ist besorgt, dass Russland unter falschem Vorwand Chemiewaffen im Ukraine-Krieg einsetzen könnte. Das sagt Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel und warnt, jeglicher Einsatz solcher Waffen wären "absolut inakzeptabel".

14.45 Uhr - Der Nutzfahrzeughersteller Traton fürchtet Belastungen seines Geschäfts durch den Krieg in der Ukraine. Es sei nicht auszuschließen, dass sich der weitere Verlauf des Konflikts wesentlich negativ auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage von Traton auswirke, sagte Finanzchefin Annette Danielski am Dienstag. Dabei gehe es vor allem um die Auswirkungen des Krieges auf die Lieferketten. Die Auftragsbücher seien unterdessen voll: "Mit einem hohen Auftragsbestand und der Aussicht auf eine bessere Versorgung mit Halbleitern im zweiten Halbjahr sind wir zuversichtlich in das Jahr 2022 gegangen."

14.40 Uhr - Der österreichische Baukonzern Strabag zieht sich komplett aus Russland zurück und will keine Dividende an seinen russischen Kernaktionär zahlen. Das teilte der Bauriese, der kaum noch Aktivitäten in Russland hatte, am Dienstag mit. Die Privatstiftung von Ex-Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner sei zudem aus dem langjährigen Syndikatsvertrag mit der russischen Rasperia ausgestiegen, nachdem Bemühungen, den russischen Anteil an sich zu ziehen, gescheitert seien.

14.00 Uhr – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verzichtet vorerst auf eine Nato-Mitgliedschaft seines Landes. Zu einer Nato-Mitgliedschaft gebe es keine offene Tür, sagt Selenskyj. Sein Land brauche aber verlässliche Sicherheitsgarantien.

13.30 Uhr: Auf dem Weg zu ihrem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew haben die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien bereits die westukrainische Stadt Lwiw passiert. Der Zug nehme nun Kurs auf die Hauptstadt Kiew, schrieb der Kanzleichef des polnischen Ministerpräsidenten, Michal Dworczyk, am Dienstag auf Twitter.

12.00 Uhr – Nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) sind mehr als drei Millionen Menschen seit Kriegsbeginn aus der Ukraine geflohen. Fast die Hälfte der Ukraine-Flüchtlinge sind demnach Kinder. Laut UN-UN-Kinderhilfswerks Unicef seien im Schnitt vergangenen 20 Tagen täglich mehr als 70.000 Kinder in der Ukraine zu Flüchtlingen geworden, erklärte Unicef-Sprecher James Elder. "Das entspricht 55 (Kinderflüchtlingen) pro Minute". Mit Blick auf "Geschwindigkeit und Ausmaß" handele es sich um die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, so der Sprecher.

10.30 Uhr - Kiew steht unter russischem Beschuss - dennoch wollen die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien heute zu einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach Kiew reisen. Ein Zug mit Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, seinem Stellvertreter Jaroslaw Kaczynski sowie Tschechiens Regierungschef Petr Fiala und seinem slowenischen Amtskollegen Janez Jansa habe bereits die polnisch-ukrainische Grenze überquert und sei auf dem Weg nach Kiew, sagt der polnische Regierungssprecher Piotr Müller in Warschau am Dienstagvormittag. Dort sei außer einem Treffen mit Selenskyj auch ein Gespräch mit dem ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal geplant.

Vitali Klitschko: Der ehemalige Box-Champion und Bürgermeister von Kiew spricht am 14. März mit Anwohner vor einem von Bomben schwer getroffenen Haus in Kiew

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Foto: IMAGO/Sergei Chuzavkov / IMAGO/ZUMA Wire

10.00 Uhr – In Kiew gilt ab heute Abend eine 36-stündige Ausgangssperre. Die Ausgangssperre werde von 20.00 Uhr (Ortszeit, 19.00 MEZ) bis Donnerstag um 07.00 Uhr andauern, erklärte Bürgermeister Vitali Klitschko am Dienstag im Messengerdienst Telegram. Er sprach von einem "schwierigen und gefährlichen Moment" für die ukrainische Hauptstadt. "Nach draußen zu gehen ist nur erlaubt, um zu den Schutzräumen zu gehen", erklärte Klitschko. Die russische Armee verstärkt derzeit ihre Angriffe auf Kiew. Am frühen Donnerstagmorgen hatte es in der Metropole eine Reihe heftiger Explosionen gegeben. Nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes wurden mindestens drei Wohnhäuser getroffen, mindestens zwei Menschen wurden getötet.

09.20 Uhr – Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor der Virenschutzsoftware des russischen Herstellers Kaspersky. Es gebe ein "erhebliches Risiko eines erfolgreichen IT-Angriffs" von russischer Seite, heißt es in einer Mitteilung. Ein russischer IT-Hersteller könne auch gegen seinen Willen gezwungen werden, Systeme anzugreifen oder selbst Opfer einer Cyber-Operation ohne seine Kenntnis werden. Gerade eine Antivirensoftware verfüge über weitreichende Systemberechtigungen bei den Computern der Nutzer, weshalb Vertrauen wichtig sei.

08.35 Uhr - Die Ukraine plant nach eigenen Angaben am Dienstag die Öffnung von neun Fluchtkorridoren aus Gebieten, die von russischen Truppen belagert werden. Die Behörden wollten zudem versuchen, Hilfsgüter in die eingekesselte Stadt Mariupol zu bringen, teilt Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk mit.

Mutig: Offenbar eine Mitarbeiterin des russischen Staatsfernsehens stürmt am Montagabend die Hauptnachrichtensendung im russischen TV und protestiert gegen den Angriffskrieg

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Foto: --- / dpa

08.00 Uhr – Der Energiekonzern RWE unterstützt die Bemühungen der Bundesregierung und der EU für eine größere Unabhängigkeit von russischen Gaslieferungen. Zugleich müsse eine sichere Energieversorgung abgesichert werden, schrieb Vorstandschef Markus Krebber in dem am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht 2021. "Dazu prüfen wir, welche RWE-Kraftwerke als zusätzliche Back-up-Kapazitäten infrage kommen. Außerdem wirken wir bei der Diversifizierung der Gasbeschaffung mit." RWE gehört zu den Großkunden des russischen Gaskonzerns Gazprom und hat mit diesem einen langfristigen Liefervertrag.

07.30 UhrFlüchtlinge aus der Ukraine sollen künftig nach festen Regeln in Deutschland verteilt werden. Die Geflüchteten würden nun über den sogenannten Königsteiner Schlüssel in die einzelnen Bundesländer und Kommunen verteilt, erklärt Bundesinnenministerin Nancy Faeser im Deutschlandfunk. Die SPD-Politikerin betonte allerdings dass viele geflüchtete Menschen aus der Ukraine Freunde und Verwandte als Anlaufpunkte hätten und damit ihre Aufenthaltsorte selbst bestimmten.

06.30 Uhr – Die Stromversorgung des Unglücks-Reaktors von Tschernobyl ist nach der abermaligen Unterbrechung dem TV-Sender Ukraine 24 zufolge wiederhergestellt. Die ukrainischen Behörden hätten die Internationale Atomenergiebehörde IAEA darüber informiert. Am Montag war dem ukrainischen Netzbetreiber Ukrenergo zufolge die externe Stromversorgung erneut unterbrochen worden. Das Kernkraftwerk wurde demnach über Dieselgeneratoren versorgt. Der havarierte Reaktor muss ständig gekühlt werden.

06.00 UhrUnterhändler Russlands und der Ukraine werden am heutigen Dienstag ihre vierte Verhandlungsrunde fortsetzen, die sie am Montag per Videokonferenz gestartet hatten, die dann aber vertagt wurde. Bei der Unterbrechung handele es sich um eine technische Pause für Gespräche in Arbeitsgruppen und eine "Klärung individueller Definitionen", sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak.

05.00 Uhr – Die Bombardierungen und Blockaden wichtiger Städte in der Ukraine gehen weiter. Die Behörden der Stadt Charkiw berichteten, dass bei einem russischen Luftangriff zwei Menschen getötet und ein weiterer verletzt wurde. Dem ukrainischen Generalstab zufolge plant Russland verstärkte "Umgruppierungen" seiner Truppen in Richtung Charkiw. Bei Angriffen auf Tschuschujew südöstlich der Stadt sowie bei einem Angriff auf einen Fernsehturm unweit der Großstadt Riwne wurden laut ukrainischen Angaben mindestens zehn Menschen getötet. Unabhängig zu überprüfen sind diese Angabe nicht.

04.00 Uhr – Der ukrainische Präsidentenberater Olexii Arestowitsch erwartet, dass der Krieg noch bis Mai andauern könnte. "Ich denke, wir sollten bis Mai, Anfang Mai, ein Friedensabkommen haben, vielleicht viel früher, wir werden sehen", sagte der Berater des Chefs des ukrainischen Präsidentenstabes in einem von mehreren Sendern veröffentlichten Video. Arestowitsch ist selbst nicht an den Gesprächen der beiden Kriegsparteien beteiligt, die am Dienstag fortgesetzt werden sollen.

03.00 UhrRussland könnte nach Ansicht des britischen Verteidigungsministeriums in der Ukraine den Einsatz chemischer oder biologischer Waffen planen. Das könne in Reaktion auf einen vorgetäuschten Angriff auf russische Truppen geschehen, twitterte das Ministerium, ohne Beweise für seine Annahme zu nennen. Ähnliche Befürchtungen hatten auch schon US-Regierungsvertreter geäußert.

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00.00 Uhr – Eine Kriegsgegnerin unterbricht die Hauptnachrichtensendung des staatlichen russischen Fernsehsenders Kanal 1 am Montagabend. Die Frau taucht plötzlich hinter der Studiomoderatorin auf und hält ein Schild hoch, in dem auf Englisch und Russisch steht: "Kein Krieg. Stoppt den Krieg. Glauben Sie nicht der Propaganda. Sie belügen Sie hier." Zudem ruft sie: "Stoppt den Krieg. Nein zum Krieg." Die Demonstrantin ist einige Sekunden lang zu sehen und zu hören. Dann schaltet der Sender auf einen anderen Bericht um. Kanal 1 erklärt später, man führe eine interne Überprüfung des Vorfalls durch. Das Staatsfernsehen ist die Hauptnachrichtenquelle für viele Millionen Russen und hält sich eng an die Kreml-Linie. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Frau um eine Mitarbeiterin des Staatsfernsehens, die ihre Protestaktion zuvor in sozialen Netzwerken angekündigt haben soll.

mit Nachrichtenagenturen