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Obi Übernahme von innen

Baumarktprimus Giroldi versucht, das Gros der einst übermächtigen Franchiser hinauszudrängen.
aus manager magazin 6/2008

Mit seinen Franchise-Partnern verbindet Obi-Chef Sergio Giroldi (52) eine ebenso lang anhaltende wie tief sitzende Abneigung. Jetzt will der quirlige Italiener den Einfluss der - ehemals allmächtigen - selbstständigen Baumarktbetreiber weiter zurückdrängen.

Schon seit geraumer Zeit forciert Giroldi die Umwandlung der Verträge in Joint Ventures. Intern kündigte er jüngst an, den Anteil der Franchiser bei Deutschlands größter Heimwerkerkette mittelfristig auf 20 Prozent drücken zu wollen. Ein ehrgeiziges Vorhaben: Bis 2007 betrieben die Partner noch rund die Hälfte der Märkte.

Tatsächlich aber ist Giroldi auf gutem Wege, seinen Plan umzusetzen. Der Manager verhandelt seit einigen Monaten über einen Investmentbanker mit der Münchener Obi Heimwerkermarkt GmbH & Co KG. Ziel der Gespräche: Die Übernahme des mit 17 Märkten und 250 Millionen Euro Jahresumsatz größten deutschen Franchise-Nehmers.

Bereits im Januar hatte der Konzern den bis dato drittgrößten Partner, die hessische Roth-Gruppe, geschluckt. Seither sollen mehr als 20 weitere Märkte an die Zentrale gefallen sein, berichtet ein Ex-Franchiser. Darunter auch Filialen der Auer-Gruppe, einer der dienstältesten Obi-Partner aus dem Südwesten der Republik.

Giroldi nutzt bei seiner Shoppingtour die Gunst der Stunde. Ein mieser Sommer, das Ende der Eigenheimzulage und die Mehrwertsteuererhöhung ließen die Umsätze bei Obi 2007 stagnieren. Entsprechend gelitten hat die Motivation zahlreicher Franchiser; nur allzu gern sind sie angesichts der Misere bereit, ihre Filialen abzugeben.

Auch die Erosion ihres Einflusses auf die Geschäftspolitik hat etlichen Partnern die Freude vergällt. Genossen die Baumarktbetreiber früher beim Einkauf viele Freiheiten, bündelt der Obi-Chef die Beschaffung nun zunehmend im Wermelskirchener Hauptquartier. Wer sich als Unternehmer versteht, kann sich bei Obi nicht mehr wohlfühlen.

Giroldi wird das nur recht sein. Kommt er doch so seinem Ziel näher, die Heimwerkerkette zu vereinheitlichen. Obi mangele es an Systemkonformität, hatte er unlängst geklagt. Es fehle an Gleichheit bei Sortiment, Preisen und Filialgestaltung.

Das sei nur die halbe Wahrheit, heißt es dazu aus dem Franchiser-Lager. Wo- möglich bereite Giroldi das Unternehmen zum Verkauf vor. Es wird spekuliert, dass Karl-Erivan Haub (48), Chef des Mutterkonzerns Tengelmann, einen Abnehmer für die Kette sucht. Ohne das komplizierte Partnerschaftssystem ließe sich ein Käufer gewiss leichter finden.

Die Tengelmann-Spitze weist ein derartiges Szenario freilich zurück. Man habe anderes zu tun. Den Eigentümer Haub beschäftigt derzeit vor allem der vom Kartellamt blockierte Verkauf seines Discounters Plus.

Doch die Indizien für eine Trennung von Obi sind stark. "Die aktuelle Vorgehensweise passt zu einer Verkaufsstrategie", beharrt ein Obi-Kenner.

Jörn Sucher

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