Mehr Kunden gehen online UBS schließt jede fünfte Filiale in der Schweiz

Die Schweizer Großbank UBS will im ersten Quartal jede fünfte Filiale im Heimatmarkt schließen, zugleich senkt sie die Grenze für Strafzinsen drastisch. Insider erwarten schon bald einen regulären Jobabbau.
Mehr Filialen künftig dicht: Die Schweizer Großbank schließt auf dem Heimatmarkt jede fünfte Filiale und verlangt künftig Strafzinsen schon ab einem Kontostand von 250.000 Franken

Mehr Filialen künftig dicht: Die Schweizer Großbank schließt auf dem Heimatmarkt jede fünfte Filiale und verlangt künftig Strafzinsen schon ab einem Kontostand von 250.000 Franken

Foto: REUTERS

Dass die UBS auf ihrem Heimatmarkt Probleme bekommt, hatte sich im vergangenen Sommer abgezeichnet. Nun will die Bank in der Schweiz jede fünfte Filiale schließen, berichtet die "Neue Züricher Zeitung"  am Dienstag. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Schweizer Großbank 28 Filialen dicht gemacht.

Das Filialnetz schrumpft damit von 267 Filialen in 2020 auf nunmehr 195 im ersten Quartal dieses Jahres. Offensichtlich handelt es sich dabei eher um kleinere Filialen. Die rund 150 betroffenen Mitarbeiter wolle die UBS in anderen Geschäftsstellen weiterbeschäftigen, zu Entlassungen solle "im Moment" nicht kommen. Welche Kostenersparnis sich die Bank davon verspricht, ist nicht bekannt.

Die UBS zollt damit der Tatsache Tribut, dass auch die Schweizer immer mehr Bankgeschäfte online erledigen. Die Schaltertransaktionen seien um rund 10 Prozent zurückgegangen, während die Nutzung des digitalen Angebots stark steige, begründete der Schweizer UBS-Chef Axel Lehmann (62) die neuerlichen Schließungen im Interview mit "Der Bund" . Die Pandemie sei aber keine Entschuldigung, sie habe diese Transformation einfach beschleunigt. Die Kunden nutzten E- und Mobilebanking inzwischen viel öfter.

Nach Einschätzung der Schweizer "Finanz und Wirtschaft"  dürften die Schließungen in Zukunft noch weitergehen. Der in der Regel gut informierte Banken-Blog "In$ide Paradeplatz"  rechnet im Laufe des Jahres im Zuge einer Sanierung des Inlandsgeschäft gar mit einem kräftigen Stellenabbau bei der UBS, von dem dann mehrere Tausend der rund 20.000 Inlandsjobs betroffen sein könnten. Der Heimatmarkt Schweiz stand 2019 für 1,44 Milliarden Euro des Vorsteuergewinns der UBS. Das Ergebnis tendiere hier seit paar Jahren angesichts niedriger Zinsen und des gesättigten Markts schwächer, erklärte unlängst ZKB-Analyst Javier Lodeiro.

UBS senkt Grenzen für Strafzins drastisch

Das Filialsterben ereilt indes auch andere namhafte Banken in der Schweiz. Die Credit Suisse etwa hatte im Herbst angekündigt, 39 ihrer 146 Filialen zu schließen. Die Zürcher Kantonalbank hatte Berichten zufolge eine ganze Reihe von Filialen nach dem ersten Lockdown gar nicht mehr wieder geöffnet.

Die womöglich für die Schweizer Banken und ihre Kunden noch bedeutendere Nachricht ist, dass die UBS künftig Negativzinsen für Einlagen bereits ab 250.000 Schweizer erheben wird. Gegenwärtig liege die Schwelle noch bei über zwei Millionen Franken. Für jeden Franken über dieser Summe zahlten die Kunden dann 0,75 Prozent Strafzins, berichtet die "NZZ" weiter . "Spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Krise, in der die Zentralbanken weiterhin massiv Liquidität in die Märkte gepumpt haben, ist sonnenklar, dass das Negativzinsumfeld lange anhalten wird", begründete Lehmann den Schritt.

Laut NZZ könnte der Zinsschritt der UBS in der Schweiz noch hohe Wellen schlagen, weil sich die Konkurrenz oft an der Marktführerin orientiere. Auch andere Banken könnten daher die Negativzinsen an ihre Kundschaft weitergeben.

Die Corona-Pandemie mit Reisebeschränkungen und Lockdowns hat die Ersparnisse auf Schweizer Konten erheblich anschwellen lassen. Laut NZZ schätzt die Konjunkturforschungsstelle der ETH, dass die Schweizer im Corona-Jahr 2020 rund 130 Milliarden Schweizer Franken ansparten und damit rund 30 Milliarden Franken mehr als vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

rei
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