Aurora übernimmt Roboterwagensparte Uber-Chef beendet Travis Kalanicks Traum

Uber-Mitgründer Travis Kalanick wollte mit autonom fahrenden Autos die Welt erobern. Doch die Entwicklung verschlang bisher nur Geld. Nun verkauft der neue Chef Dara Khosrowshahi die Sparte an Aurora. Eine Hintertür hält er sich allerdings offen.
Hat wieder einen Grund zum Lachen: Insidern zufolge erhält Dara Khosrowshahi rund vier Milliarden Dollar für die Sparte ATG

Hat wieder einen Grund zum Lachen: Insidern zufolge erhält Dara Khosrowshahi rund vier Milliarden Dollar für die Sparte ATG

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Der Fahrdienst-Vermittler Uber gibt die kostspielige Entwicklung eigener Technologie für selbstfahrende Autos auf. Die entsprechende Abteilung ATG wird vom Roboterwagen-Start-up Aurora übernommen, wie die Unternehmen am Montagabend mitteilten. Uber investiert zudem 400 Millionen Dollar in Aurora, das als strategischer Partner Zugang zur Uber-Plattform bekommen soll.

Insidern zufolge wird die Uber-Sparte ATG bei dem Geschäft mit vier Milliarden Dollar bewertet. Das ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum vergangenen Jahr, als ATG bei einer Finanzierungsrunde noch auf über sieben Milliarden Dollar taxiert worden war. Damals sicherte sich ATG eine Milliarde Dollar von einem Investorenkonsortium, zu dem unter anderem der japanische Autobauer Toyota gehörte.

Die Entwicklung eigener Technologie zum autonomen Fahren hat Uber in den vergangenen Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar gekostet. Uber war dabei besonders aggressiv vorgegangen. Das Projekt war vom Mitgründer und langjährigen Chef Travis Kalanick (44) forciert worden. Er sah darin die Möglichkeit, Kosten zu sparen, wenn Computer Menschen ersetzen. Die Fahrer seien der größte Kostenpunkt, bekannte Kalanick einst etwas zu freimütig bei einem Auftritt - was ihn bei den Männern und Frauen am Steuer der Uber-Autos nicht populärer machte. Er war allerdings überzeugt, dass in Zukunft der Wettbewerb zwischen Robotaxi-Diensten laufen würde und Uber nur mit hauseigener Technologie sein Schicksal in der Hand behalten kann.

Kalanick holte dafür als Projektleiter Anthony Levandowski (40) an Bord, einen prominenten Entwickler aus dem Roboterwagen-Programm von Google. Der Internetriese verklagte Uber daraufhin mit dem Vorwurf, Levandowski habe in großem Stil vertrauliche Informationen mitgehen lassen. In dem langen Rechtsstreit wurde Levandowski gefeuert und Uber musste sich verpflichten, keine Google-Technik zu nutzen.

Milliardenverlust im vergangenen Quartal

Auf das Konto von Ubers Programm geht auch der bisher einzige bekannte tödliche Unfall mit einem Roboterwagen. Im März 2018 erfasste eines der Uber-Fahrzeuge bei einer nächtlichen Testfahrt in Tempe im US-Bundesstaat Arizona eine Frau, die die mehrspurige Fahrbahn überquerte und dabei ein Fahrrad neben sich schob. Laut Unfallermittlern konnte die Uber-Software zunächst nicht einordnen, was sie vor sich sah und reagierte spät. Zudem schaute die Sicherheitsfahrerin am Steuer auf ihr Smartphone und Uber hatte den Bremsassistenten des umgebauten Serienfahrzeugs deaktiviert. Im Gegensatz zu anderen Diensten hatte Uber aus Kostengründen auf einen zweiten Sicherheitsfahrer verzichtet.

Der seit August 2017 amtierende Uber-Chef Dara Khosrowshahi (51) ergriff bereits diverse Sparmaßnahmen, die Roboterwagen-Entwicklung verschonte er bisher. Die Corona-Pandemie brachte jedoch Quartal für Quartal neue Belastungen. Im vergangenen Vierteljahr gab es einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar, der Umsatz fiel um 18 Prozent. Bereits im November hatte das Technologieblog "Techcrunch" von Gesprächen zwischen Uber und Aurora berichtet.

Mit dem Verkauf will Khosrowshahi seinem Ziel näherkommen, den Fahrdienst bis Ende 2021 auf bereinigter Basis in die schwarzen Zahlen zu steuern. "Dies bringt uns auf dem Weg zur Rentabilität maßgeblich voran", sagte Khosrowshahi. Durch den Verkauf der Sparte kann Uber Kosten von 400 bis 500 Millionen Dollar pro Jahr einsparen. Das ist bei dem chronisch defizitären Unternehmen notwendig. Auch Sparten wie Ubers Essenslieferdienst Uber Eats macht weiterhin hohe Verluste.

Waymo ist Vorreiter beim autonomen Fahren

Aktuell arbeiten Autokonzerne, Branchenzulieferer, zahlreiche Start-ups sowie Technologie-Schwergewichte wie die Google-Mutter Alphabet und Apple an Technologien zum autonomen Fahren. In der Branche wird mit Kooperation und einer Bereinigung des Marktes gerechnet. Schon vor dem Ausstieg von Uber gab es Schritte in diese Richtung wie die Übernahme des Start-ups Zoox durch Amazon.

Die Google-Schwesterfirma Waymo gilt als besonders weit bei der Entwicklung von Technologie zum autonomen Fahren. Neben dem Aufbau eines eigenen Robotaxi-Dienstes will Waymo auch Autobauer wie etwa Fiat Chrysler mit Technik zum autonomen Fahren versorgen.

Ubers Einheit war technisch weit hinter der Google-Ausgründung Waymo zurück, aber auch hinter Rivalen wie Argo AI, das die Software für autonomes Fahren für Ford und Volkswagen entwickelt, oder Cruise, der Einheit von General Motors.  Uber hätte weitere Milliarden in die Software stecken müssen, um sie zur Marktreife zu bringen. Die bisherigen Ausgaben sollen bei rund 2,5 Milliarden Dollar gelegen haben.

Aurora gilt als viertstärkstes Unternehmen im Bereich autonomes Fahren

Aurora wurde von eine Art Dream-Team der Branche gegründet: Vorstandschef Chris Urmson (44) war Chefentwickler bei Googles Roboterwagen-Projekt, Sterling Anderson verantwortete das "Autopilot"-Fahrassistenzsystem bei Tesla. Mindestens ein Fünftel der Anteile gehört noch dem Günderteam um Urmson, den Rest der Aktien haben sich Risikokapitalgeber wie Baillie Gifford, Index usw. gesichert. Auch Amazon investierte in das Start-up.

Durch den Deal mit Aurora sichert sich Uber nun den Zugriff auf die Technologie. Aurora gilt als viertstärkstes Unternehmen in dem Bereich (hinter Waymo, Argo AI und Cruise). Die Integration beider Unternehmen wird allerdings nicht einfach. Aurora, die Volkswagen und Hyundai als Partner verloren haben, hatten zuletzt einen Strategieschwenk vollzogen und sich auf die Entwicklung von autonomer Fahrtechnologie konzentriert. Ubers Einheit für autonomes Fahren hatte dagegen ganz auf Robo-Taxis gesetzt.

mg, rs/dpa-afx, Reuters