Lieferdienst Uber verkauft „Shit“ per App

Der Plan, zum weltweiten Mobilitätsriesen zu werden, ist bei Uber teils in Rauch aufgegangen. Die Essens-Zustelltochter Eats versucht es nun in Kanada mit etwas Neuem: Cannabis via App-Bestellung.
Große Tasche für kleine Beutel: Uber Eats verkauft in Kanadas Provinz Ontario nun auch Cannabis - allerdings nur an Tokyo-Smoke-Filialen, wo Besteller das Cannabis abholen müssen

Große Tasche für kleine Beutel: Uber Eats verkauft in Kanadas Provinz Ontario nun auch Cannabis - allerdings nur an Tokyo-Smoke-Filialen, wo Besteller das Cannabis abholen müssen

Foto: Eva Plevier / REUTERS

Erstmal ist es nur ein Test in einer einzigen kanadischen Provinz. Doch die Möglichkeiten könnten sich, nun ja, als berauschend erweisen: Der Mobilitätsdienst Uber liefert Kunden in Ontario über die Essenzustell-Tochter Eats künftig auch Cannabis aus - allerdings nur zur Abholung in Filialen einer bestimmten Kette. Das bestätigte ein Uber-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Für die Lieferungen bindet Uber Eats den Cannabis-Händler Tokyo Smoke ab nun in seine App ein. Der Händler wird unter jenen Unternehmen gelistet, bei denen Eats-Kunden etwas bestellen können. Das bestellte Cannabis wird allerdings nur direkt an die nächstgelegene Tokyo-Smoke-Filiale geliefert, wo es die Besteller dann selbst abholen müssen.

Uber Eats liefert auch bereits alkoholische Getränke über den Mobilitätsdienst aus. Die Cannabis-Auslieferung sieht Uber-CEO Dara Khosrowshahi (52) auch für die USA als Wachstumsmarkt, wenn zahlreiche Fragen rund um die Legalisierung der Droge geklärt sind. In den vergangenen Jahren hat Uber Milliarden für seine Hoffnung verpulvert, zum Mobilitätsriesen zu werden. Geklappt hat das nicht - nun backt das Unternehmen offensichtlich etwas kleinere Brötchen.

Canada hat vor drei Jahren den Cannabis-Markt auch im "Freizeitbereich" legalisiert, schon seit 2001 ist die medizinische Nutzung der Droge erlaubt. Mit der kompletten Freigabe des Cannabis-Konsums hofften zahlreiche Start-ups auf ordentliche und legale Gewinne mit dem Rauschmittel. Allerdings entfallen auch drei Jahre nach der Freigabe gut 40 Prozent aller Umsätze auf illegale Produzenten und Handelswege.

Die Partnerschaft mit Tokyo Smoke soll dabei helfen, den illegalen Cannabis-Markt zu bekämpfen, heißt es bei Uber. Zum möglichen Erweiterung des Cannabis-Lieferdienstes auf andere kanadische Provinzen oder in die USA hält sich Uber bedeckt.

Allerdings: In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Lockdowns ist die Nachfrage in Kanada nach Cannabis-Produkten aller Art gestiegen – aus einfach nachvollziehbaren Gründen.

Ein Milliardengeschäft dürfte die Drogenlieferungen auf App-Wisch für Uber aber dennoch nicht werden – dafür sind die Margen im Liefergeschäft zu gering. Aber immerhin putschen sie die Umsätze in der Provinz wohl ein wenig höher – auch wenn das High für den Konzernumsatz wohl eher ausbleibt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass Uber Cannabis bis an die Haustüre der Besteller liefert. Diesen Fehler haben wir nun berichtigt, die bestellten Cannabis-Päckchen müssen in der nächstgelegenen Tokyo-Smoke-Filiale persönlich von den Bestellern abgeholt werden.

wed
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