Nach Reisewarnung für fast ganz Spanien Tui sagt Pauschalreisen nach Spanien ab

Wegen steigender Corona-Zahlen in Spanien hat die Bundesregierung fast das ganze Land zum Risikogebiet erklärt. Der angeschlagene Reisekonzern Tui zieht die Konsequenz und sagt Pauschalreisen ab.
Reisekonzern Tui ab Samstag Pauschalreisen nach Spanien ab - außer Reisen auf die Kanaren

Reisekonzern Tui ab Samstag Pauschalreisen nach Spanien ab - außer Reisen auf die Kanaren

Foto: Clara Margais/ DPA

Nach der Einstufung fast ganz Spaniens einschließlich Mallorcas als Risikogebiet wegen hoher Corona-Zahlen hat der Reisekonzern Tui ab Samstag alle Pauschalreisen dorthin abgesagt. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, sagte ein Tui-Sprecher am Freitagabend der dpa sagte. Die Inselgruppe weit draußen im Atlantik vor der Westküste Afrikas ist die einzige spanische Region, die nicht zum Risikogebiet erklärt wurde. Reisende, die bereits in den betroffenen Feriengebieten seien, biete Tui an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen.

Für Spanien und vor allem für Mallorca ist das ein weiterer schwerer Schlag. Allerdings war die Saison auch bisher schon katastrophal für die Tourismusbranche, die in normalen Zeiten mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt und etwa 2,5 Millionen Menschen Arbeit bietet.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Eine Reisewarnung geht weiter. Sie ist zwar kein Reiseverbot, aber eine abschreckende Wirkung ist beabsichtigt. Und sie hat eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Nachdem die Corona-Zahlen seit dem Ende des Lockdowns am 21. Juni wieder stetig steigen, gab es bisher schon Reisewarnungen für die Hauptstadt Madrid, Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie für das spanische Baskenland und die Regionen Navarra und Aragón.

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100 000 Einwohner gegeben hat. Für ganz Spanien gab das Gesundheitsministerium in Madrid diesen Wert am Freitag mit mehr als 58 für die vergangenen sieben Tage an. Auf den Balearen liege er sogar bei über 77. Über die Risikogebiete führt das RKI eine Liste, die fortlaufend aktualisiert wird. Sie umfasst derzeit etwa 130 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57, SPD) begrüßte die Entscheidung des Auswärtigen Amts, für fast ganz Spanien eine Reisewarnung auszusprechen. "Mallorca ist inzwischen klar ein Risikogebiet", sagte der Bundestagsabgeordnete der "Rheinischen Post" (Samstag) und warnte: "Wir müssen leider mit vielen infizierten Rückkehrern rechnen." Tests nach der Rückkehr seien daher "unbedingt notwendig".

Für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten gilt generell schon seit einigen Wochen, dass sie sich beim Gesundheitsamt melden und Angaben zu Symptomen und einem eventuellen Corona-Test machen müssen. Seit dem vergangenen Wochenende greift zudem eine Testpflicht bei der Heimkehr: Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Das heißt: Entweder man lässt sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legt einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder man lässt sich nach Rückkehr in Deutschland testen, was drei Tage lang kostenlos möglich ist.

Für Tui  ist es jedoch ein herber Schlag, hat doch der vorherige Reisestopp wegen der Corona-Pandemie den weltgrößten Tourismuskonzern bereits tief in die roten Zahlen gerissen. Der Umsatz war im dritten Geschäftsquartal (April bis Juni) um 98,5 Prozent auf 72 Millionen Euro abgesackt, sodass das Geld noch nicht einmal für die Deckung der Betriebskosten ausreichte. Vorstandschef  Fritz Joussen  (57) hoffte bislang , den Geldabfluss im Konzern noch diesen Sommer stoppen zu können. Dazu braucht Tui jedoch möglichst viele Urlauber. Die erneute Risikobewertung Spaniens dürfte dieses Ziel deutlich erschweren, denn die Balearen sind nach wie vor ein beliebtes Urlaubsziel der Deutschen. Um die Krise zu überstehen, hat sich Tui Staatshilfen im Umfang von drei Milliarden Euro gesichert. Ein im April gewährter Kredit der Förderbank Kfw über 1,8 Milliarden Euro wird um 1,05 Milliarden Euro aufgestockt. Überdies sollen 150 Millionen Euro über eine Wandelanleihe an Tui gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes zeichnet. 

akn/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.