Hauptversammlung Tui-Chef verteidigt Osterreise-Angebot nach Mallorca

Die Deutschen fliehen dank Tui nach Mallorca, Spanier selbst dürfen es nicht. Auch der hiesige Inlandstourismus liegt wegen Corona am Boden. Tui verteidigt das umstrittene Mallorca-Angebot und blickt mit Hoffnung auf den Sommer.
Lange Schlangen vor dem Abflug-Flugschalter nach Mallorca: Tui-Chef Fritz Joussen verteidigte am Mittwoch das Angebot

Lange Schlangen vor dem Abflug-Flugschalter nach Mallorca: Tui-Chef Fritz Joussen verteidigte am Mittwoch das Angebot

Foto: Michael Matthey / imago images/Michael Matthey

Tui-Chef Fritz Joussen (57) hat die Kritik an Reisen nach Mallorca mitten in der dritten Corona-Pandemiewelle zurückgewiesen. Das Problem sei der Ruf der beliebten Ferieninsel als Partyhochburg, dabei gebe es dort derzeit nur fünf Prozent Hotelbelegung. "Mallorca ist leer. Am Ballermann hat kein Laden auf", sagte Joussen auf der virtuellen Hauptversammlung des Reisekonzerns am Donnerstag. Es gebe Sperrstunden und genaue Verhaltensmaßregeln. "Insofern erschließt sich mir nicht, dass es bei einem Infektionsgeschehen zwischen 20 und 30 bei sehr starken Restriktionen nicht möglich oder nicht verantwortlich möglich sein soll." Reisen sei ein freiheitliches Grundrecht und müsse bei niedriger Corona-Fallzahl möglich sein.

Was der Vorstandschef nicht sagt: Spanier selbst können die Insel nicht besuchen. An den Feiertagen und zu Ostern dürfen Spanierinnen und Spanier ihre jeweilige Region nur aus wichtigen Gründen verlassen. Inlandstourismus gehöre nicht zu diesen wichtigen Gründen, wie Spaniens Gesundheitsministerin Carolina Darias kürzlich erklärte. Zu groß sei die Gefahr, eine vierte Welle auszulösen. Insofern ist verständlich, dass in dem Land eine Diskussion über die ungleiche Behandlung von Einheimischen und Touristen entbrannt ist .

Nach der Aufhebung der Reisewarnung für die Baleareninseln am 12. März hatten Tui und die Airlines Lufthansa, Eurowings, Condor, Ryanair und Easyjet ihr Angebot aus Deutschland schnell hochgefahren. Zehntausende buchten. Doch das führte zu viel Ärger: Denn zum einen sieht sich die heimische Tourismuswirtschaft in Deutschland im Nachteil, das sie auch bei regional niedriger Inzidenz nicht öffnen darf.

Zum anderen sorgt sich die Bundesregierung, dass Mallorca zum Infektionsherd wird und Virusvarianten eingeschleppt werden. In dieser Woche wurde deshalb eine Testpflicht für alle heimkehrenden Flugreisenden beschlossen. Viele Politiker regten sich trotzdem weiter über den Mallorca-Urlaub auf. Schärfere Vorschriften wie eine bis zu zehn Tagen lange Quarantänepflicht, die für Risikoländer gilt und die meisten Reisenden abschreckt, sind als generelle Regel in der Diskussion.

Tui-Chef Joussen hob hervor, dass der Konzern mit Hygiene- und anderen Infektionsschutzmaßnahmen die Sicherheit seiner Gäste garantiere. Tui appellierte zugleich an die Kunden, sich an die Regeln zu halten und einen Erholungsurlaub statt eines Partyurlaubs zu machen. Im vergangenen Jahr habe die Inzidenz bei den rund 2,5 Millionen Tui-Urlaubern gerade mal eins betragen, betonte Joussen.

Dramatischer Einbruch 2020, Sommerbuchungen machten zuversichtlich

Der weltgrößte Reisekonzern hat während der Corona-Krise einen dramatischen Einbruch seiner Buchungszahlen verzeichnet. "In den inzwischen zwölf Monaten der Krise konnten wir nur etwa 2,5 Millionen Kunden in den Urlaub bringen und damit nur etwa 10 Prozent eines normalen Jahres", sagte Joussen weiter.

Die Nachfrage zur Sommersaison 2021 stimme jedoch zuversichtlich. "Der Markt ist da, die Kunden wollen reisen", sagte Joussen. Das sei bei den bisherigen Öffnungen zu sehen gewesen. Die Politik müsse mit Impfungen und Tests nun die Bedingungen für sichere Reisen schaffen.

Die Buchungszahlen für den Sommer lägen einschließlich Umbuchungen und Gutschein-Einlösungen auf einem "ermutigenden" Niveau von 2,8 Millionen Gästen. Das seien allerdings 60 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019. Tui stutzte deshalb die für den Sommer geplante Kapazität ab Juli auf 75 von 80 Prozent. Zugleich betonte der Vorstand, hier flexibel anpassen zu können, falls die Nachfrage durch Fortschritte in der Pandemie-Bekämpfung stärker steigt. Covid-Impfungen und -Tests gäben Grund zu Optimismus.

Tui-Chef erwartet stabile Finanzen

Tui stand im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise am Abgrund und musste mit Staatshilfe vor einer Pleite bewahrt werden. Zuletzt verfügte der Konzern über eine Liquidität von 1,6 Milliarden Euro. Sollte sich das Reisegeschäft im Sommer erholen, könnte Tui rund zwei Milliarden Euro Liquidität einnehmen, erklärte Joussen. Das wäre einschließlich starker Kostensenkungen genug, um die Schulden im Griff zu behalten.

rei/dpa-afx/Reuters
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