Aufhebung der Reisewarnung für Türkei gefordert Tui-Chef schließt neuen Hilfsantrag nicht aus

Europas größter Reisekonzern TUI schließt wegen der Corona-Krise einen neuen Antrag auf staatliche Hilfen nicht aus. Im Frühjahr hatte sich TUI bereits einen Staatskredit über 1,8 Milliarden Euro gesichert.
Touristen am Strand: Tui-Chef Joussen setzt darauf, dass die Reisewarnung für die türkische Riviera bald aufgehoben wird

Touristen am Strand: Tui-Chef Joussen setzt darauf, dass die Reisewarnung für die türkische Riviera bald aufgehoben wird

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

"Ob wir zusätzliche Kredite in Anspruch nehmen können oder müssen, hängt von der Entwicklung der Märkte ab", sagte TUI-Chef Fritz Joussen der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). "2021 hoffen wir wieder profitabel zu werden." Im laufenden Jahr wolle sich das Unternehmen auf das Management der Liquidität konzentrieren, wozu absolute Kostendisziplin gehöre. TUI hatte sich im Frühjahr einen Staatskredit über 1,8 Milliarden Euro gesichert, nachdem der Konzern Mitte März nach Reisebeschränkungen und Reisewarnungen fast aller Länder seine Urlaubsangebote zeitweise aussetzen musste.

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Zum aktuellen Geschäft sagte Joussen, in Deutschland würden "rund 30 Prozent des Volumens der Vorjahre" verkauft. Er äußerte sich auch zur Kostenerstattung stornierter Reisen. "Mehr als 95 Prozent der Reisen aus April, Mai und Juni, die wir wegen des weltweiten Reisestopps stornieren mussten, sind zurückgezahlt", sagte der Konzernchef. Es tue ihm leid, dass viele Kunden lange warten mussten. Jetzt dauere es im Schnitt nur noch zwei bis drei Wochen, bis eine abgesagte Reise ausbezahlt werde. Viele Kunden nähmen allerdings Gutscheine statt Bargeld an, weil sie dann "zehn bis 20 Prozent Bonus beim Buchen der neuen Reise erhalten".

Reisewarnung für türkische Riviera in "Pilotprojekt" aufheben

Im Streit um die Reisewarnung der Bundesregierung für die Türkei schlägt Joussen einen Kompromiss vor. Die türkischen Urlaubsgebiete am Mittelmeer sollten von der allgemeinen Reisewarnung freigestellt werden, sagte Joussen der "Rheinischen Post" (Samstag).

"Wir plädieren für einen pragmatischen Ansatz: Weil die Touristenregionen an der türkischen Riviera am Mittelmeer einen sehr hohen Sicherheits- und Qualitätsstandard haben, sollte Deutschland für diese Ziele die Reisewarnung in einem Pilotprojekt aufheben", führte der Manager aus. Es gehe um "sehr weitläufige Urlaubsresorts", nicht um die Städte. Joussen erinnerte daran, dass auch die Lockerungen für Mallorca schrittweise kamen: "Reisen nach Mallorca hat die Tourismusbranche auch mit einigen tausend Urlaubern in einem Pilotprojekt gestartet, bevor es allgemein in Spanien wieder losging."

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