Staat soll mehr Geld geben Tui buhlt um weitere Milliardenhilfen

Der weltgrößte Reisekonzern erhielt bisher insgesamt drei Milliarden Euro vom Staat. Nun erwartet er einen harten Winter – und verhandelt um noch mehr Geld. Kapitalbedarf: bis zu zwei Milliarden Euro.
Oberkante Unterkiefer: Tui verhandelt mit dem Staat über neues Geld. Tui-Kreuzfahrtschiffe liegen im Kieler Hafen, nachdem das Beherbergungsverbot die geplanten Minikreuzfahrten durchkreuzte.

Oberkante Unterkiefer: Tui verhandelt mit dem Staat über neues Geld. Tui-Kreuzfahrtschiffe liegen im Kieler Hafen, nachdem das Beherbergungsverbot die geplanten Minikreuzfahrten durchkreuzte.

Foto: Petra Nowack / imago images/penofoto

Der taumelnde Reiseriese Tui verhandelt Insidern zufolge über weitere Staatshilfen. Der bereits mit drei Milliarden Euro Hilfen gestützte weltgrößte Tourismuskonzern sei in Gesprächen mit dem Staat, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag von mehreren mit der Sache vertrauten Personen. Zwei Insider bezifferten den Kapitalbedarf auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro. An anderer Stelle war von grob ein bis zwei Milliarden Euro die Rede.

Tui erklärte offiziell nur: "Wir ziehen aber nach den erneuten erheblichen Beschränkungen und Reiserestriktionen natürlich alle Optionen der Finanzierung für die nächsten Monate und den Winter in Erwägung."

Die Corona-Krise hat Tui extrem hart getroffen.  Im Frühjahr verzeichnete der Konzern einen Umsatzeinbruch von rund 99 Prozent. Nach dem ersten Lockdown hat sich der Reise- und Flugverkehr dann bei Weitem nicht so günstig entwickelt wie von der Branche erhofft. Auch Airlines fahren ihr Angebot massiv runter und dünnen Flugpläne aus. Und das wird so bleiben.

Für das kommende Jahr plant Tui ein reduziertes Urlaubsangebot. Mit einem Umfang von rund 80 Prozent des Vorkrisenniveaus könne man die Reisen zu profitablen Preisen verkaufen, sagte Konzernchef Fritz Joussen (57) Anfang Oktober. Entscheidend für die Entwicklung des Reisejahres 2021 seien die Buchungen von Januar bis März. Ein "normales Buchungsjahr" sei jedoch erst für 2022 zu erwarten. Die Hoffnung war unter Investoren nach den Impfstoffmeldungen vom Montag wieder gestiegen – die Aktie hatte deutlich zugelegt.

Insgesamt ist die Finanzlage aber nach wie vor extrem angespannt. Bereits im Frühjahr hatte Tui als erstes deutsches Großunternehmen ein Krisendarlehen über 1,8 Milliarden Euro von der staatlichen Förderbank KfW  erhalten. Im Spätsommer hatte der Konzern dann über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesrepublik (WSF) eine Wandelanleihe in Höhe von 150 Millionen Euro gezeichnet. Das war eine Voraussetzung für eine weitere Kreditlinie der KfW. Zusammen mit der Anleihe erhielt Tui so weitere 1,2 Milliarden Euro.

Tui prüft seit Längerem verschiedene Möglichkeiten, um sein Finanzpolster weiter zu stärken, darunter auch eine "kurz- oder mittelfristige Kapitalerhöhung". Tui-Chef Joussen hatte Ende September dazu gesagt: "Ich denke schon, dass wir auf der M&A-Seite und der Kapitalseite etwas machen müssen, aber nicht jetzt."

Nun geht es also um weitere Staatshilfe. Den Kapitalmarkt anzuzapfen, sei in Corona-Zeiten keine Option, erklärten die Insider. Weitere Kredite des Staates seien wegen hoher Zinskosten und einer bereits drückenden Schuldenlast schwierig, hieß es. Deshalb sei im Gespräch, wie der Staat mit Eigenkapital direkt einsteigen könnte. Es würden verschiedene Varianten geprüft, auch Mischmodelle. So müsse ein Staatseinstieg nicht zwangsläufig mit Stimmrechten verbunden sein. Von Tui war zunächst kein Kommentar zu erhalten, das Bundeswirtschaftsministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

lhy/Reuters, dpa
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