Einigung mit Bund und Investoren Tui bekommt zum dritten Mal Staatshilfe

Der Reisekonzern Tui wird ein weiteres Mal vom Staat gestützt, der im Gegenzug eine Sperrminorität bekommen könnte. Auch private Investoren um Großaktionär Alexej Mordaschow tragen zum milliardenschweren Rettungspaket bei.
Ein Schiff wird kommen: Tui-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 2" beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen für eine Mini-Kreuzfahrt im Juli

Ein Schiff wird kommen: Tui-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 2" beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen für eine Mini-Kreuzfahrt im Juli

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Der Tui-Konzern bekommt weitere Staatshilfen gegen einen möglichen finanziellen Absturz in der Corona-Krise. Wie der weltgrößte Reiseanbieter aus Hannover am Mittwoch mitteilte, einigte sich Tui mit privaten Investoren, Banken und dem Bund auf ein Finanzierungspaket im Volumen von 1,8 Milliarden Euro.

Zuvor hatte Tui-Chef Fritz Joussen (57) bereits öffentlich erklärt, eine dritte staatliche Rettungsaktion in diesem Jahr könnte nötig sein. Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) erklärte am Mittwoch in Berlin: "Das Unternehmen war vor der Krise profitabel und hat als Unternehmen der Reisebranche durch die Corona-Krise mit nie dagewesenen Schwierigkeiten zu kämpfen."

Zu dem neuen Deal gehören stille Einlagen des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds über 700 Millionen Euro, wovon 420 Millionen Euro später in Aktien gewandelt werden können. Falls der Staat diese Option voll ausschöpft, hält er eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie. Bereits im September hatte der Fonds eine Wandelanleihe gezeichnet, die ihn potenziell zur Mitsprache als Eigentümer berechtigt. Außerdem verlängert die staatliche Förderbank KfW ihre bestehende Kreditlinie über insgesamt 2,85 Milliarden Euro bis Juli 2022 und gewährt zusätzlich 200 Millionen Euro Kredit.

Zugleich wird das Kapital über Bezugsrechte der Altaktionäre über 500 Millionen Euro erhöht. Die Unifirm-Holding des russischen Großaktionärs Alexej Mordaschow (55) habe zugesagt, ihrem Anteil von knapp 25 Prozent entsprechend neue Aktien zum Stückpreis von 1,07 Euro zu erwerben, teilte Tui mit. Der Rest werde durch Übernahmegarantien der Banken abgesichert. Der ganze Deal stehe unter dem Vorbehalt, dass die EU der Subvention zustimmt.

Tui-Aktie knickt ein

Mit dem frischen Kapital sollen im Oktober 2021 fällige Anleihen über 300 Millionen Euro abgelöst werden, um die Ablösung der Schulden hinauszuzögern und Liquidität zu gewinnen. Dazu beitragen soll auch eine Avalkreditlinie der Banken über 400 Millionen Euro, die von einer Staatsgarantie gedeckt wird.

Die Tui-Aktie , die zuvor schon im Minus notiert hatte, knickte nach der Meldung um bis zu 6,7 Prozent ein und wurde zuletzt rund 3,5 Prozent unter dem Schlusskurs von Dienstag gehandelt.

Staatskredit im März, Wandelanleihe im September, stille Einlage im Dezember

Am Mittwochmorgen beriet der Ausschuss des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds. In diesem Ausschuss sitzen Vertreter von Bundesministerien und entscheiden über direkte Corona-Hilfen. Die Tourismusbranche ist besonders stark vom Nachfragerückgang in der Corona-Pandemie betroffen. Tui war im Frühjahr als erstes deutsches Großunternehmen von der staatlichen Förderbank KfW mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro unterstützt worden. Ende September waren 1,2 Milliarden Euro in Form einer zweiten Kreditlinie sowie einer Anleihe hinzugekommen, die der Bund auch in eigene Anteile bei Tui umwandeln kann.

Der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds dient der Stabilisierung der Wirtschaft in Folge der Coronavirus-Pandemie. Er stellt Unternehmen Stabilisierungsmaßnahmen zur Stärkung ihrer Kapitalbasis und zur Überwindung von Liquiditätsengpässen bereit. So hatte die Politik bereits ein milliardenschweres Rettungspaket für die Lufthansa beschlossen.

Der Tui-Konzern ist trotz eines laufenden Sparkurses und des Abbaus Tausender Stellen angeschlagen, weil die Kunden viele Urlaubsziele meiden. Reisewarnungen und -hinweise sorgen für eine hohe Unsicherheit bei den Verbrauchern.

Im Winter ist das Geschäft zudem immer deutlich schwächer als in den Sommermonaten - Tui ist jetzt daher noch stärker gezwungen, seine Zahlungsfähigkeit zu sichern. Mit Blick auf das neue Jahr hatte sich das Tui-Management zuletzt wieder etwas optimistischer gezeigt. Entscheidend dürfte auch sein, wie rasch großflächige Impfungen gegen das neue Coronavirus anlaufen können. "Urlaub hat für unsere Kunden noch wie vor eine hohe Priorität", heißt es in der Pflichtmitteilung zu dem neuen Rettungspaket.

ak/dpa-afx, Reuters
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