Tourismusbranche in Not Tui kritisiert pauschale Mallorca-Reisewarnung

Tui hätte sich von der Bundesregierung eine differenziertere Reaktion auf die Infektionsgefahr auf Mallorca gewünscht. Die Aktie bricht erneut ein.
Tui-Busse am Flughafen von Palma de Mallorca: Der deutsche Reise-Riese wird vorerst auf unbestimmte Zeit keine Pauschalreisen mehr zu der Insel anbieten

Tui-Busse am Flughafen von Palma de Mallorca: Der deutsche Reise-Riese wird vorerst auf unbestimmte Zeit keine Pauschalreisen mehr zu der Insel anbieten

Foto: Thomas Reiner / imago images/ThomasReiner.pro

Deutschlands größter Touristikkonzern Tui lehnt eine pauschale Reisewarnung für die Balearen-Insel Mallorca ab. "Wir bedauern, dass Deutschland nun eine Reisewarnung für ganz Mallorca ausgesprochen hat. Besser wäre eine regionale Reisewarnung für Palma, Magaluf oder andere Orte mit erhöhten Fällen gewesen", sagt Thomas Ellerbeck, der für Politik und Kommunikation zuständige Manager des Konzerns, der Zeitung "Rheinische Post" (Montagsausgabe). Die ohnehin gebeutelte Aktie  von Tui gab am Montag bis Mittag weitere 5 Prozent ab.

Die meisten Urlauber wären sehr verantwortungsvoll und würden sich an die Regeln halten. Die pauschale Warnung sei auch deshalb fragwürdig, weil große Teile der Insel von der Pandemie nur minimal betroffen seien. Es habe in keinem Hotel der Tui auf Mallorca eine Infektion gegeben.

Wegen steigender Corona-Zahlen in Spanien hatte am Freitagabend die Bundesregierung mit Ausnahme der Kanarischen Inseln ganz Spanien (also auch die Balearen-Inseln) zum Risikogebiet erklärt. Der angeschlagene Reisekonzern zog die Konsequenz und sagte alle Pauschalreisen dorthin ab. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln.

Für Spanien und vor allem für Mallorca ist das ein weiterer schwerer Schlag. Nun wächst die Angst vor einem wirtschaftlichen Absturz auf den Balearen. Als einen "tödlichen Schlag" bezeichnete die Zeitung "Diario de Mallorca" am Samstag die Entscheidung der Bundesregierung. Für die spanische Tourismusbranche, die in normalen Zeiten mehr als 12 Prozent zum gesamten spanischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt und etwa 2,5 Millionen Menschen Arbeit bietet, war die Saison schon bis jetzt katastrophal.

Anfang August, also vor neuen Reisewarnungen aus der Bundesrepublik, hatte der spanische Reiseunternehmerverband Exceltur geschätzt, dass bis zum Jahresende bis zu 750.000 Arbeitsplätze in der Branche verloren gehen könnten.

Die Einnahmen in der spanischen Tourismusindustrie würden sich vermutlich bis zum Jahresende halbieren. Der Verband fordert deshalb 30 Milliarden Euro der für Spanien zu erwartenden rund 140 Milliarden aus dem historischen EU-Hilfsfonds zur Überwindung der Corona-Krise.

rei/Reuters
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