Ermittlungskommission "Carne" Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Tönnies-Geschäftsführung

Die Bänder mögen wieder laufen, die Aufarbeitung des Corona-Ausbruchs im Fleischwerk von Tönnies dürfte noch dauern: Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Angezeigt hatte unter anderem eine Bundestagsabgeordnete.
Andres Ruff (links) und Clemens Tönnies im Juni im Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück - beide gehören der Geschäftsführung des Unternehmens an

Andres Ruff (links) und Clemens Tönnies im Juni im Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück - beide gehören der Geschäftsführung des Unternehmens an

Foto: David Inderlied/ dpa

Nach zahlreichen Anzeigen wegen des massiven Corona-Ausbruchs in Deutschlands größtem Fleischwerk ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen die Geschäftsführung von Tönnies. Grund dafür sei aber kein neuer Ermittlungsstand, sondern das übliche Fortschreiben eines solchen Verfahrens, sagte ein Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Behörde hatte in den vergangenen Wochen zunächst gegen Unbekannt wegen des Anfangsverdachts auf fahrlässige Körperverletzung und Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz ermittelt.

Bei der Staatsanwaltschaft in Bielefeld sind seit dem Corona-Ausbruch im Tönnies-Hauptwerk in Rheda-Wiedenbrück Mitte Juni nach Angaben der Behörde rund 50 Strafanzeigen eingegangen. Darunter ist auch eine Anzeige der Bielefelder Bundestagsabgeordneten Britta Haßelmann (58, Grüne). Der Ermittlungskommission der Polizei, die den Einsatznamen EK "Carne" (Fleisch) trägt, gehören derzeit fünf Beamte an, sagte ein Sprecher der Bielefelder Polizei. Die "Neue Westfälische" hatte online darüber berichtet , dass nun gegen die Geschäftsführung von Tönnies ermittelt werde.

Zur Geschäftsführung der Tönnies-Holding  gehören neben dem geschäftsführenden Gesellschafter Clemens Tönnies (64) Andres Ruff (59), Daniel Nottbrock (44) und Stefan Gros (56), Gesellschafter sind neben Clemens Tönnies dessen Sohn Maximilian (30) sowie Neffe Robert (42). Letzterer hatte die Corona-Krise des Unternehmens für einen erneuten Angriff im seit Jahren schwelenden Machtkampf mit seinem Onkel  genutzt. Im Zuge der Krise hatte Clemens Tönnies zudem den Aufsichtsratsvorsitz beim FC Schalke 04 abgelegt, Teile der Fans hatten ihren Unmut gegenüber seiner Unternehmensführung demonstriert.

Bei dem Corona-Ausbruch in dem Fleischwerk hatten sich nachweislich rund 1400 Mitarbeiter infiziert. Der massive Ausbruch hatte zu den bundesweit ersten regionalen Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie geführt. Davon waren die Kreise Gütersloh und Warendorf betroffen. Das Unternehmen Tönnies hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass es mit den Behörden eng zusammenarbeite.

luk/dpa-afx
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