Sechs neue Tipps gegen den Homeoffice-Koller Sie brauchen: ein Foto, ein Post-it und eine Handpuppe

Ihnen fehlen die Kollegen, und die Decke im Heimbüro fällt Ihnen auf den Kopf? Hier kommen sechs praxiserprobte Tipps, die sofort die Laune verbessern und helfen können, sich nicht mehr so isoliert zu fühlen.
Homeoffice (Symbolbild): Versuchen Sie mal ein paar neue Lifehacks für die Arbeit zu Hause

Homeoffice (Symbolbild): Versuchen Sie mal ein paar neue Lifehacks für die Arbeit zu Hause

Foto: CocoSan / E+ / Getty Images

Natürlich ist es ein Privileg, in sicherer Umgebung arbeiten zu können. Und überhaupt einen Job zu haben. Aber man darf trotzdem vom Homeoffice genervt sein – wenn man Zahnschmerzen hat, gehen die ja auch nicht davon weg, dass jemand anders sich ein Bein gebrochen hat. Wo die Genervtheit groß ist, wächst das Hilfreiche allerdings auch: Wir haben mittlerweile alle gelernt, wie Videokonferenzen gehen, wir können virtuelle Meetings organisieren und wissen, zumindest theoretisch, welche Art von Führung es jetzt braucht.

Hier kommen jetzt mal keine detailgetreu aufgeschlüsselten Umfragen, die uns vorrechnen, wie sehr uns unsere Kollegen fehlen (zwei Drittel aller im Homeoffice Arbeitenden vermissen das soziale Umfeld – Männer übrigens mehr als Frauen, laut dieser Umfrage ) und wie viele wieder ins Büro zurückwollen (fast alle, zumindest zeitweise, laut dieser Umfrage  – gut, die hat auch ein Büromöbelhersteller in Auftrag gegeben, aber trotzdem). Hier kommen einfach ein paar Tipps aus meiner eigenen, schon vieljährigen Homeoffice-Praxis und von vielen beruflichen Kontakten, die ich gebeten habe, mir zu erzählen, was ihnen wirklich hilft.

Virtuelle Lostrommeln und sechs andere Tipps

Für Unternehmen, die ein bisschen Geld in die Hand nehmen wollen, gibt es eine Menge schicke Tools: Gather  etwa bildet in einer Art abgeschlossenem Second-Life-Kosmos die Firma ab – einschließlich der Bank draußen vorm Eingang, auf die man sich mit dem Pausenbrot in die Sonne setzen kann. Wer sich mit jemandem unterhalten will, muss seinen Avatar hinbewegen, um in Hörweite zu kommen. Das fühlt sich überraschend echt an, wie zum Beispiel dieser Barmann berichtet, der das Tool genutzt hat, um seine Bar in den virtuellen Raum zu verlegen  – und der das Angebot vielleicht auch nach der Coronapandemie aufrechterhalten will.

Viele Firmen (auch der SPIEGEL) machen gute Erfahrungen mit virtuellen Lostrommeln, die Kollegen zu Kaffee- oder Mittagspausendates miteinander verabreden. Das geht online wie offline. Und hebt, da sind sich viele Büroarbeiterinnen in verschiedenen Firmen einig, die Stimmung beträchtlich. Denn was uns allen spürbar fehlt, sind die kleinen Zufallsbegegnungen , die ausbleiben, das erweiterte Soziotop. Aber auch wenn die Firma keine zusätzlichen Tools bereitstellt, kann man den Büroalltag zu Hause erfreulicher gestalten.

Tipp 1: Scrollen Sie runter. Noch weiter.

In Ihrem Chatprogramm haben Sie ja links eine Liste mit den jeweils letzten Kontakten. Die meisten Leute, die oben stehen, haben dort einen Dauerplatz, oder? Scrollen Sie mal ganz nach unten und laden sie die Person, die dort steht, auf einen Tele-Kaffee ein. Denn: Die stillen Kollegen machen einfach ihre Arbeit. Die lauteren sorgen schon dafür, dass sie genug Kontakte haben. Für manche ist es einfach ein etwas größerer Angang als für andere, den ersten Schritt zu machen  – wenn es Ihnen leichter fällt, resultiert im Team daraus aus meiner Sicht schon fast so etwas wie eine moralische Verpflichtung: Kümmern Sie sich. Das ist nicht nur Chefsache.

Tipp 2: das liebe Foto

Diesen Tipp habe ich hier gefunden (ganz unten im Text). Aber man kann ihn gar nicht oft genug weitererzählen. Denn es ist ja so: Wir starren alle den lieben langen Tag in dieses Kameraauge, das unsere Lebensenergie aufsaugt. Ein kleines schwarzes Loch oben über dem Laptopbildschirm. Dafür sind wir Menschen nicht gemacht: Wen hat je ein schwarzer Punkt glücklich gemacht? Der Vorschlag von Rachel Greenwald: Bringen Sie direkt oberhalb der Kamera ein Bild an, das sie wirklich mögen, das Ihre Stimmung hebt. Ein Foto von einem Eichhörnchen. Ein Bild des Menschen, in den Sie verliebt sind. Ihr Lieblingsurlaubsbild. Und dann gucken Sie einfach darauf bei Videokonferenzen. Schwupp, sehen Sie freundlich und glücklich aus, und das sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Und am anderen Ende sieht man nicht, dass Sie nicht genau in die Kamera gucken – das wirkt alles ganz natürlich.

Tipp 3: die Sache mit dem eigenen Bild

Es gibt zwei einander widersprechende Erkenntnisse aus der Videokonferenzforschung: Einmal, dass es uns motiviert, das eigene Bild zu sehen. Auf der anderen Seite, dass es uns unglücklich macht und uns unbehaglich fühlen lässt. Wenn man sich eine normale Gesprächssituation vorstellt, würde es uns wahrscheinlich befremden, wenn das Gegenüber immer wieder auf einen kleinen Spiegel in seiner Hand guckt. Bei Videokonferenzen tun wir aber genau das. Tools wie Skype oder Zoom bieten deshalb die Hide-myself-Option: Damit lässt sich der kleine Handspiegel unten rechts im Bild abschalten. Wenn Sie Teams nutzen, geht das nicht (obwohl sich Nutzer dafür einsetzen , schon, weil es für Gebärdensprachler ärgerlich sein kann, wenn relevante Teile der Unterhaltung vom eigenen Bild überdeckt werden). Aber es gibt eine Low-Tech-Lösung, die auch funktioniert: Kleben Sie beherzt ein Post-it über Ihr eigenes Bild. Wenn Sie sich danach irgendwie ein bisschen befreit und energiereicher fühlen, war es das Richtige. Wenn es für Sie keinen Unterschied macht oder Sie stört, nehmen Sie das Post-it halt wieder runter. Experimentieren Sie.

Tipp 4: Silent Coworking

Studierende wissen es: In der Bibliothek arbeitet es sich besonders gut, weil man nicht abgelenkt wird, aber in einer arbeitsamen Umgebung tätig ist – und vor allem: nicht allein. Im Büro ist es ähnlich. Im Idealfall hilft dort eine konzentrierte Atmosphäre, bei der Sache zu bleiben. Sie können sich über Zoom oder Teams zur Stillarbeit mit Kolleginnen oder Kollegen verabreden oder ein Tool wie Focusmate  nutzen, das ihren Tag auch mit neuen Begegnungen anreichern kann. Man registriert sich, entscheidet sich für ein Zeitfenster und bekommt einen Partner oder eine Partnerin für die Stillarbeit zugewiesen. Während ich dies schreibe, arbeitet auf meinem Zweitmonitor ein mir zufällig zugeloster Berliner Webdesigner an seinem neuen Projekt. Bei Focusmate sind die Regeln klar: Zu Beginn der 50-minütigen Session erzählt man einander sehr kurz, was man während der Session geschafft kriegen möchte, und dann fängt man an. Ob man das Mikro angeschaltet lässt oder nicht, ist Geschmackssache, aber es hilft tatsächlich ungemein, wenn auf dem Monitor noch ein anderer Mensch dabei ist, der auch etwas gebacken kriegen will. Und die Tatsache, dass er in einer guten Dreiviertelstunde fragen wird, ob ich meine Aufgabe geschafft habe, spornt überraschend effektiv an. Der entscheidende Faktor sind die klaren Regeln: Am Anfang der Session in weniger als einer Minute sagen, was man tun will, es dann tun und am Ende der Session kurz Bericht erstatten. In diesen 50 Minuten schafft man dann wirklich was weg. Drei Sessions pro Woche sind im Basis-Account enthalten, will man mehr, kostet das rund fünf US-Dollar im Monat. Wenn der Arbeitgeber so etwas nicht auf dem Dienstrechner wünscht, stellen Sie sich einfach Ihr privates Handy hin – auch über Chatapps wie Signal oder WhatsApp lässt sich gemeinsam still arbeiten.

Tipp 5: Kommen Sie mal wieder ein bisschen rum

Egal, was wir machen und mit wem, wir sitzen dabei immer vor demselben Bildschirm und meist im selben Zimmer. Wenigstens Letzteres aber kann man ändern. Wenn Sie eine Kaffeepause mit einer Kollegin machen, stöpseln Sie den Laptop ab und nehmen Sie ihn mit in die Küche oder ins Wohnzimmer – und wenn Sie da schon sind, setzen Sie sich auf die andere Seite des Tisches. Diese kleine Simulation eines gemeinsamen Ortswechsels trägt dazu bei, dass Sie die Sphären auch inhaltlich trennen können und die Pausen-Situation eine andere ist als das Arbeits-Setup – das kann helfen, auch andere Themen anzusprechen und den Arbeitstag als strukturierter zu erleben.

Tipp 6: Seien Sie ruhig ein bisschen albern

Die Coronazeit ist voll von Videokonferenz-Geschichten wie der von dem Anwalt, der seinen Katzenfilter nicht abstellen konnte . Auch wer sein digitales Leben besser im Griff hat, muss nicht auf ein bisschen Unterhaltung verzichten. Ich habe mir eine kleine Discokugel an den Schreibtisch gestellt, um in nicht ganz so formellen Runden meine Lieblingsideen mit ein wenig Glamour zu unterlegen. Man kann auch statt der digitalen Handhebefunktion mal Wertungstafeln in die Kamera halten, wenn das Team Spaß daran hat: Dafür braucht man nur Zettel mit den Zahlen von 1 bis 10, das wirkt schon haptischer, als wenn alle nur die Ziffern in den Chat schreiben (und man hat auf den ersten Blick ein Stimmungsbild). Was sich auch bewährt hat: Eine Handpuppe griffbereit liegen zu haben – oft hat die eine oder der andere in einer Videokonferenz ein Kind dabei, und es ist eine freundliche Geste, die keine Zeit kostet, wenn dann mal ein kleiner Dachs oder eine Eule zurückwinkt.

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