E-Scooter-Anbieter Tier übernimmt Fahrradverleiher Nextbike

Der Markt für Mobilitätsdienste ist hart umkämpft, zu viele Anbieter tummeln sich hierzulande noch in der Branche. Der E-Scooter-Anbieter Tier schafft nun Abhilfe – und verbessert gleichzeitig die Kontakte in die Stadtverwaltungen.
Einer der wenigen mit nur einer Fahrmöglichkeit: Das Leipziger Unternehmen Nextbike hat bisher nur Fahrräder zum Leihen angeboten

Einer der wenigen mit nur einer Fahrmöglichkeit: Das Leipziger Unternehmen Nextbike hat bisher nur Fahrräder zum Leihen angeboten

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ picture alliance / dpa

Auf dem schwer umkämpften Sharing-Markt für Elektro-Tretroller, Leihfahrräder und Mopeds gibt es erneut Bewegung: Der für seine türkisblauen Tretroller bekannte Berliner Anbieter Tier Mobility übernimmt den Leipziger Fahrradverleiher Nextbike, wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Das fusionierte Unternehmen werde zum größten Vermieter von Fahrrädern und E-Rollern in Europa: Künftig werde man mit einer Flotte von mehr als 250.000 Fahrrädern, E-Scootern, E-Bikes und E-Mopeds in über 400 Städten vertreten sein. Zum Kaufpreis wollten sich Tier und Nextbike nicht äußern.

Tier hatte vor Kurzem 200 Millionen Dollar bei Kapitalgebern eingesammelt und seine Bewertung auf zwei Milliarden Dollar in die Höhe geschraubt. Mit dem frischen Geld wollte das Unternehmen seine Expansion vorantreiben und Zukäufe stemmen. Tier bietet über seine App bislang E-Bikes, Tretroller und E-Mopeds in 160 Städten und 16 europäischen Ländern zum Verleih an. Nextbike wiederum betreibt seit 2004 Leihradsysteme in rund 300 Städten und 28 Ländern – meist im Auftrag öffentlicher Verkehrsunternehmen und Kommunen.

Die Marke Nextbike soll nach dem Kauf zunächst erhalten bleiben: "Die Marke ist sehr stark", sagte Tier-Chef Lawrence Leuschner. "Auch als Partner von den Städten genießt Nextbike viel Vertrauen. Deswegen planen wir erst mal nicht, irgendwas zu ändern." Kunden sollen künftig über die jeweiligen Apps der beiden Anbieter sämtliche Mobilitätsangebote beider Marken nutzen können.

Gute Kontakte in die Stadtverwaltungen

Nextbike war auf dem Markt für die sogenannte Mikromobilität einer der wenigen Anbieter, die sich mit Leihsystemen von konventionellen Fahrrädern auf einen Verkehrsträger konzentriert hatten. Die meisten Dienstleister bieten über ihre Apps inzwischen eine Vielzahl von Fahrmöglichkeiten an. So ist Tier gerade dabei, an verschiedenen Standorten neben den E-Tretrollern auch E-Bikes zu etablieren. Schon länger gehören E-Mopeds zum Angebot, die das Unternehmen vom Konkurrenten Coup erworben hatte.

Tier erhofft sich durch die Übernahme von Nextbike allerdings nicht nur ein erweitertes Portfolio, sondern will auch von den guten Kontakten in die Stadtverwaltungen profitieren. Nach wie vor genießen E-Tretroller vielerorts keinen guten Ruf, weil sie häufig Gehwege blockieren und an zahlreichen Unfällen beteiligt sind. "Es sind zu viele Anbieter auf dem Markt unterwegs, das wird sich mit der Zeit konsolidieren", sagt Tier-Chef Leuschner. "Wir selbst sind große Fahrradfans und glauben, dass das Fahrrad in den Städten der dominierende Faktor sein wird."

In der fragmentierten Branche herrscht ein harter Konkurrenzkampf, der Druck zur Konsolidierung wächst. In Deutschland buhlen neben Tier unter anderem die Anbieter Bolt, Bird und Lime um die Gunst der Kunden. Der US-Konkurrent Lime hatte vor Kurzem 523 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt und liebäugelt mit einem Börsengang im kommenden Jahr.

mg/dpa-afx, Reuters
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