Ukraine-Krieg belastet Geschäft Thyssenkrupp warnt vor Kurzarbeit

Der Ukraine-Krieg belastet das Geschäft des Essener Stahl- und Industriekonzerns erheblich. Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz stellt ihre Belegschaft auf Kurzarbeit ein und setzt einen Teil der Prognose aus.
Erhebliche Beeinträchtigung: Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz schließt Kurzarbeit nicht mehr aus

Erhebliche Beeinträchtigung: Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz schließt Kurzarbeit nicht mehr aus

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz (59) schließt wegen der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs Kurzarbeit nicht aus. "Angesichts des Krieges haben wir gruppenweit Gegenmaßnahmen ergriffen", erklärte Merz in einer der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorliegenden Mitarbeiter-Info. "Wir stellen Ausgaben auf den Prüfstand, in manchen Bereichen müssen wir uns auf die Notwendigkeit von Kurzarbeit vorbereiten." Wo immer möglich, versuche das Unternehmen, Preissteigerungen an die Kunden weiterzureichen. "Nichtsdestotrotz sind wir nun umso mehr gefordert, in allen Bereichen weiter konsequent an unserer Performance zu arbeiten."

Wegen des Krieges in der Ukraine rechnet der Stahl- und Industriekonzern mit einer "erheblichen Beeinträchtigung der Geschäftsentwicklung". Es seien direkte und indirekte Auswirkungen zu erwarten, teilte das Essener Unternehmen bereits am Mittwochabend mit. Zwar seien die Umsätze der Unternehmensgruppe mit Russland und der Ukraine mit deutlich unter einem Prozent am Gesamtumsatz vernachlässigbar. Die "weitreichenden gesamtwirtschaftlichen und geopolitischen Folgen des Krieges in der Ukraine" werden nach Einschätzung des Vorstands aber den Geschäftsverlauf der Unternehmensgruppe beeinträchtigen. An der Börse rutschte die Aktie  am Donnerstag zeitweise mehr als 7 Prozent ins Minus.

Es sei davon auszugehen, dass die globalen Störungen an verschiedenen Stellen der Lieferketten Folgen vor allem für die Stahl- und Autozuliefergeschäfte von Thyssenkrupp haben werden. Gegenläufige Entwicklungen im Werkstoffhandelsgeschäft, das von steigenden Rohstoff- und Materialpreisen profitiere, sowie eingeleitete Gegenmaßnahmen werden die Belastungen dem Unternehmen zufolge nicht voll kompensieren. Insbesondere wegen der steigenden Rohstoffpreise setze Thyssenkrupp die Prognose zum freien Barmittelzufluss ("Free Cashflow vor M&A") für das Geschäftsjahr 2021/2022 aus. Hier handelt es sich um Mittel, die einem Unternehmen etwa für Ausschüttungen an Aktionäre oder Aktienrückkäufe zur Verfügung stehen.

Bis zum Ausbruch des Krieges sei die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal sowie im laufenden zweiten Quartal des Geschäftsjahres planmäßig verlaufen, hieß es weiter. Im März habe es erste Beeinträchtigungen vor allem in den Stahl- und Autozuliefergeschäften gegeben.

Zukunft des Stahlgeschäfts bleibt ungewiss

Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges beeinflussen den Angaben zufolge auch die mögliche Verselbstständigung des Stahlgeschäfts. Thyssenkrupp sei nach wie vor davon überzeugt, dass eine eigenständige Aufstellung des Stahlgeschäfts gute Perspektiven eröffne. Gleichwohl sei eine Aussage zur Machbarkeit aufgrund der gegenwärtigen Rahmenbedingungen derzeit nicht möglich.

Thyssenkrupp hatte zuletzt erklärt, eine Entscheidung über die Zukunft der Sparte nicht überstürzen zu wollen. "Wir brauchen hier auch ziemlich viel Klarheit, was letztlich die Rahmenbedingungen, Förderprogramme etc., angeht", hatte Finanzchef Klaus Keysberg im Februar gesagt. "Wir nehmen uns die Zeit, die dafür notwendig ist." Ein Spin-off bleibe aber weiter die bevorzugte Option.

Für das Geschäftsjahr 2021/22 hatte Thyssenkrupp noch im Februar einen bereinigten operativen Ertrag (Ebit) in einer Bandbreite von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro, einen Jahresüberschuss von mindestens einer Milliarde Euro und einen Free Cashflow vor M&A im Bereich eines ausgeglichenen Wertes angekündigt.

dri/Reuters, dpa-afx