Rüstungsindustrie Thyssenkrupp Marine Systems will deutschen Werften-Champion bilden

Die Thyssenkrupp-Tochter TKMS strebt eine Konsolidierung der Werftindustrie an. Durch Partnerschaften plant der U-Boot- und Marineschiff-Hersteller dabei eine führende Rolle einzunehmen. Auf der Suche nach neuen Fertigungsstandorten will das Unternehmen Teile der insolventen MV Werften kaufen.
Auf zahlreichen MV Werften sind die Arbeiten eingestellt: TKMS ist ins Rennen um einen möglichen Kauf von Teilen der insolventen MV Werften eingestiegen

Auf zahlreichen MV Werften sind die Arbeiten eingestellt: TKMS ist ins Rennen um einen möglichen Kauf von Teilen der insolventen MV Werften eingestiegen

Foto: Bernd Wüstneck / picture alliance/dpa

Der U-Boot- und Marineschiff-Hersteller Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) strebt eine Konsolidierung der Werftindustrie in Deutschland und Europa an und will dabei eine führende Rolle einnehmen. "Wir brauchen eine Konsolidierung in Europa. Als TKMS können wir uns vielerlei Formen von Partnerschaften vorstellen", sagte Oliver Burkhard (50), der neue Vorstandsvorsitzende von TKMS, im Interview mit "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht.

Zunächst müsse jedoch für Deutschland eine Lösung gefunden werden. "Wenn der Weg zu einem europäischen Riesen noch zu schwer ist, könnte stattdessen zunächst ein deutscher Champion geformt werden mit zum Beispiel Lürssen oder German Naval Yards", sagte Burkhard, der zugleich auch Personalvorstand des TKMS-Mutterkonzerns Thyssenkrupp ist.

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und mit Blick auf das von der Bundesregierung angekündigte 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen zum Ausbau der Bundeswehr müsse sein Unternehmen zusätzliche Kapazitäten aufbauen. "Wir suchen auch aktiv nach neuen Fertigungsstandorten. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten", sagte Burkhard. An Nord- und Ostsee gebe es reichlich Werften, die aus der Krise des zivilen Schiffbaus heraus neue Betätigungsfelder suchten.

Dazu ist TKMS ins Rennen um einen möglichen Kauf von Teilen der insolventen MV-Werften in Mecklenburg-Vorpommern eingestiegen. "Wir haben Interesse am Standort Wismar", sagte Vorstandschef Burkhard. "Die Werft wäre für jede Form von zusätzlichen Aufträgen geeignet, seien es U-Boote oder Überwasser-Schiffe." Jetzt liege die Entscheidung beim Insolvenzverwalter und beim Gläubigerausschuss.

dri/Reuters
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