U-Boote statt Kreuzfahrtschiffe Thyssenkrupp-Tochter kauft Werft in Wismar

Das Kieler Rüstungsunternehmen Thyssenkrupp Marine Systems will einen Teil der insolventen MV Werft übernehmen. Statt Frachtern und Kreuzfahrtschiffen sollen in Wismar künftig U-Boote für die Marine gebaut werden.
Ingenieurin der ehemaligen MV Werft in Wismar: Künftig sollen hier U-Boote statt Kreuzfahrtschiffe gebaut werden

Ingenieurin der ehemaligen MV Werft in Wismar: Künftig sollen hier U-Boote statt Kreuzfahrtschiffe gebaut werden

Foto: Craig Robinson / PantherMedia / IMAGO

Für die Werft in Wismar zeichnet sich nach der Insolvenz der MV Werften ein Neustart ab. Mit dem Kieler Rüstungsunternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) ist ein Käufer gefunden. Statt Frachtern und Kreuzfahrtschiffen sollen in Wismar künftig U-Boote für die Marine gebaut werden. Ein nahtloser Übergang in Wismar ist allerdings nicht möglich, da den Angaben zufolge vor einem Neustart im Rüstungssegment umfangreiche technische Veränderungen nötig sind. Über den Kaufpreis, den TKMS für den Standort bezahlt, wurde Stillschweigen vereinbart.

TKMS galt schon seit Längerem als erster Anwärter. Der U-Boot-Bauer aus Schleswig-Holstein verfügt über ein großes Auftragspolster und plant daher eine Kapazitätserweiterung. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) äußerte die Erwartung, dass auf der Werft in Wismar ab 2024 wenigstens 800 Schiffbauer eine neue Arbeit finden werden. TKMS hatte bereits im Mai angekündigt, einen deutschen Werften-Champion bilden zu wollen. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und mit Blick auf das von der Bundesregierung angekündigte 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen zum Ausbau der Bundeswehr wolle das Unternehmen zusätzliche Kapazitäten aufbauen, sagte Oliver Burkhard (50), der neue Vorstandsvorsitzende von TKMS.

"Wir kommen nach Wismar, um Marine Systems, aber auch dem Standort und den Menschen hier eine echte Perspektive zu geben", erklärte Burkhard am Freitag nach einer Betriebsversammlung auf der Werft in Wismar. Auch nach seinen Angaben könnten je nach Auftragslage von 2024 an zunächst 800 Mitarbeiter beschäftigt werden, diese Zahl könnte mittelfristig auf 1500 steigen, etwa bei zusätzlichen Orders im Überwasserbereich.

Mit der Entscheidung zur Aufrüstung der Bundeswehr gebe es eine Reihe von Indikationen, dass entsprechende Schiffe seitens der öffentlichen Auftraggeber nachgefragt würden, sagte Burkhard. "Die wollen wir auch hier an diesem Standort bauen." Die Abhängigkeit von öffentlichen Aufträgen erkläre auch, warum man erst im Laufe des Jahres 2024 mit dem Start der Produktion rechnen könne.

Auf dem Weg dahin sollten mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der IG Metall Vereinbarungen getroffen werden, um "intelligente Brücken" für die Beschäftigten zu bauen. Dies betreffe einen Zeitraum vom Ende der Transfergesellschaft bis zum Beginn der Produktion. Die Landesregierung hatte die Finanzierung der Auffanggesellschaft mit knapp 1500 ehemaligen MV-Mitarbeitern erst gestern um vier Monate bis Ende Oktober verlängert.

Lösungen für Wismar und Stralsund

Die MV Werften mit Standorten in Rostock, Wismar und Stralsund sowie der Lloyd Werft in Bremerhaven und weiteren Tochtergesellschaften hatten im Januar Insolvenz angemeldet. Seit 2016 gehörten die MV Werften mit ihren damals 2000 Mitarbeitern dem börsennotierten Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting aus Hongkong, der wegen der Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geriet und einen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt hat. Hinter dem verzweigten Konzern steht der malaysische Milliardär Lim Kok Thay (70).

Auch für die anderen Standorte der MV Werften sind teilweise Lösungen gefunden worden. So wurden die Werkhallen der einstigen Kabinenfertigung in Wismar von der Eppendorf-Gruppe erworben, die dort Laborverbrauchsmaterialien aus Hightech-Kunststoffen bauen will. Wie Wirtschaftsminister Meyer erklärte, gibt es zudem Gespräche mit dem Bund über die Einrichtung eines Marine-Arsenals für Schiffswartung und Reparaturen in Rostock-Warnemünde. Dort könnten etwa 500 Schiffbauer beschäftigt werden.

Das Werftgelände in Stralsund wurde nach der Insolvenz der MV Werften im Januar von der Stadt übernommen, um dort einen maritimen Gewerbepark zu entwickeln. Meyer versprach der Stadt Hilfe des Landes. "Auch der Strukturwandel am Standort Stralsund liegt uns ganz besonders am Herzen."

la, hr/DPA, Reuters
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