Zur Ausgabe
Artikel 20 / 51
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Auf Stahlfahrt mit einem Industrieriesen Was der Plan B für ThyssenKrupp bedeutet

Der Traum vom Technikgiganten ist ausgeträumt. Nach dem Teilverkauf der Aufzüge dreht sich wieder alles um den Stahl. Die Abwicklung der übrigen Geschäfte wird teuer und tränenreich.
aus manager magazin 7/2019

Foto: Hannes Jung / Der Spiegel

Das Schreiben, das Mitte Juni in der Zentrale von ThyssenKrupp eintraf, nahmen sich sogleich die Hausjuristen vor. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (51) verfügte darin nun auch förmlich, was sie Konzernchef Guido Kerkhoff (51) einen Monat zuvor schon mündlich vermittelt hatte: Der Zusammenschluss der Stahlsparte des Dax-Konzerns mit dem europäischen Stahlableger der indischen Tata-Gruppe wird von Brüssel nicht genehmigt.

Vestager habe bei der Prüfung des Projekts deutlich härtere Maßstäbe als bei vergleichbaren Fällen im vergangenen Jahr zugrunde gelegt, sagt man in Essen. In Teilen habe sie sich sogar über geltendes Wettbewerbsrecht hinweggesetzt. Nun erwägen Kerkhoff und Tata-Vormann Natarajan Chandrasekaran (56; kurz: Chandra), Klage gegen den Bescheid einzureichen.

Kerkhoff weiß, dass er damit die Entscheidung aus Brüssel nicht rückgängig machen kann. Der Aufmarsch seiner Juristen soll als Zeichen des Protests verstanden werden und dem Publikum wohl als Beleg dafür dienen, dass Kerkhoffs großer Fehlschlag nicht vorhersehbar war. Den Chef trifft keine Schuld, die Kommission war's. Kerkhoff braucht diese Geschichtsschreibung, denn die herbeigesehnte Stahlverbindung wie auch der darauf fußende Plan, das Konglomerat ThyssenKrupp in einen größeren Stahl- und einen Industriekonzern zu zerschlagen, sind unwiederbringlich verloren.

Der ThyssenKrupp-Chef, erst ein Jahr im Amt, ist schwach gestartet, er muss bereits seine letzte Option ziehen: Er adelt den gedanklich schon aussortierten Stahl wieder zum eigentlichen Geschäftszweck. Dazu kommt der Stahlhandel, ThyssenKrupp versteht sich nun als "Materialkonzern mit einigen Beteiligungen".

Es ist ein strategischer Offenbarungseid. Der Plan B, den Kerkhoff in enger Abstimmung mit der neuen Aufsichtsratschefin Martina Merz (56) und ihrem Vize und IG-Metall-Mann Markus Grolms (47) zum Programm erhoben hat, bedeutet am Ende nicht weniger als die Abwicklung eines der stolzesten Industrieunternehmen Deutschlands. Der lang gehegte Traum vom Technikkonzern ist ausgeträumt. Das Unternehmen befindet sich wieder an jenem Punkt, wo Krupp und Thyssen vor etlichen Jahrzehnten standen.

manager magazin plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden manager Abo.

Einen Monat für € 0,99 testen. Jederzeit kündbar.

Ihre Vorteile:

  • manager magazin+ und Harvard Business manager+ im Paket
  • Alle Inhalte von m+ und HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Der Inhalt der gedruckten Magazine inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Sie sind bereits Digital-Abonnentin oder -Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .

Zur Ausgabe
Artikel 20 / 51
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.