Gestiegene Strompreise Erstes deutsches Stahlwerk stoppt Produktion

Die Strompreise sind so stark gestiegen, dass die Lech-Stahlwerke in Bayern nun Konsequenzen ziehen und die energieintensive Stahlherstellung aussetzen. Die Produktion sei wirtschaftlich »nicht mehr sinnvoll«.
Stahlstangen außerhalb der Lech-Stahlwerke: Produktionsstopp wegen hoher Strompreise

Stahlstangen außerhalb der Lech-Stahlwerke: Produktionsstopp wegen hoher Strompreise

Foto: Michaela Rehle / REUTERS

Die stark gestiegenen Stromkosten bereiten der energieintensiven Stahlindustrie immer größere Sorgen. Als eines der ersten Werke in Deutschland haben nun die Lech-Stahlwerke im bayerischen Meitingen die Produktion gestoppt. "Wir legen die Produktion tageweise still", sagte ein Unternehmenssprecher. "Eine Produktion ist wirtschaftlich nicht sinnvoll." Die Situation habe sich durch den Krieg in der Ukraine dramatisch verschärft, hieß es weiter.

Das Unternehmen kündigte an, die Strompreisentwicklung weiter genau zu verfolgen und dann darauf zu reagieren.

Das Elektrostahlwerk produziert nach Unternehmensangaben jährlich über eine Million Tonnen des Werkstoffs. Der Stromverbrauch entspreche der einer Stadt mit rund 300.000 Einwohnern. Inklusive Tochterunternehmen seien an dem Standort mehr als tausend Mitarbeiter beschäftigt. Es ist das einzige Stahlwerk in Bayern.

Kabinett beschließt Abschaffung der EEG-Umlage

Verbraucher und Firmen sollen ab Juli keine EEG-Umlage mehr über die Stromrechnung bezahlen. Eine entsprechende Entlastung hat das Bundeskabinett angesichts der rapide steigenden Energiepreise am gestrigen Mittwoch auf den Weg gebracht. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) hatte vor dem Hintergrund der zuletzt deutlich gestiegenen Strompreise sowie der anziehenden Inflation davon gesprochen, die frühzeitige Abschaffung könne »den Druck etwas mindern«. Er sagte aber auch: "Wir müssen aber angesichts der jetzt exorbitant gestiegenen Preise über weitere Entlastungen reden." Außerdem müsse die deutsche Energieversorgung "auf robustere Füße" gestellt werden. Das gelte für den Ausbau von erneuerbaren Energien ebenso wie für den Bau von LNG-Terminals.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) teilte mit, Menschen und Betriebe würden nun um insgesamt 6,6 Milliarden Euro entlastet. Das sei angesichts der derzeitigen Preissteigerungen eine »erste Maßnahme«. Zuletzt hatte er keine weiteren Entlastungen geplant, kündigte jedoch hohe Investitionen in den Klimaschutz an.

Künftig sollen die Fördergelder für erneuerbare Energien aus dem Klimafonds der Regierung kommen. Die Kosten dafür trägt der Bund, die Haushalte der Länder und Kommunen sollen nicht belastet werden.

hej/Reuters