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Irak Teurer als Vietnam

Eine trockene Kriegskostenberechnung wird zum Überraschungsbestseller.
aus manager magazin 8/2008

ERKENNTNISWERT: Dieses Buch besitzt keinerlei Unterhaltungswert und behandelt ein eher abseitiges Spezialthema: Wie lassen sich die Kosten bewaffneter Konflikte korrekt kalkulieren?

Trotzdem ist das Werk unmittelbar nach Erscheinen der deutschen Ausgabe in die mm-Bestsellerliste eingestiegen - und das dürfte nicht allein daran liegen, dass Joseph Stiglitz 2001 den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten hat. Sondern eher daran, dass die Autoren eine Bush-kritische Stimmung in Deutschland bestärken, indem sie den Beweis antreten: Der Irak-Krieg war nicht nur ein militärisches und politisches, sondern auch ein wirtschaftliches Desaster. In ihrer Berechnung kommen die Autoren auf Kriegskosten in Höhe von drei Billionen Dollar, inklusive der Folgekosten für die US-Wirtschaft. Damit wäre der Krieg im Irak teurer als der in Vietnam.

Regierungsschätzungen vor dem Krieg lagen bei weniger als 100 Milliarden Dollar. Schlechtes Politikmanagement trieb den Preis in die Höhe, etwa die teure Vergabe militärischer Hilfsdienste an private Dienstleister wie Blackwater.

Stil: Passend zum Wüstenkrieg - extra trocken. Stiglitz und Bilmes wollen den Vorwurf vermeiden, sie betrieben oberflächliche Anti-Kriegs-Propaganda. Das führt zu einem wahren Zahlen- und Fußnotenbombardement.

Nutzwert: Das erste Opfer in jedem Krieg ist die Wahrheit. Stiglitz und Bilmes weisen nach, wie die amerikanische Regierung durch eine Fülle von Haushaltstricks die wahren Kriegskosten systematisch verschleierte - und machen Vorschläge, mit welchen gesetzlichen Regelungen diese Praxis bei künftigen Konflikten unterbunden werden könnte. Christian Rickens

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