Rassismus-Vorfälle Tesla muss früherem Mitarbeiter mehr als 130 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen

Beleidigungen, rassistische Graffiti, »das ›N-Wort‹ war allgegenwärtig«: Ein US-Gericht hat Autobauer Tesla die wohl höchste Strafe auferlegt, die je wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz ausgesprochen wurde.
Tesla-Werk in Fremont, Kalifornien

Tesla-Werk in Fremont, Kalifornien

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STEPHEN LAM/ REUTERS

Der Autobauer Tesla muss einem ehemaligen Mitarbeiter mehr als 130 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen, weil er einem rassistischen Arbeitsumfeld ausgesetzt war. Ein US-Gericht befand, dass das Unternehmen zu wenig unternahm, um den ehemaligen Mitarbeiter Owen Diaz vor Diskriminierung zu beschützen. Das Gericht sprach Diaz 6,9 Millionen US-Dollar Schadensersatz und 130 Millionen US-Dollar Strafschadenersatz zu, wie das »Wall Street Journal« berichtet. Diaz arbeitete zwischen 2015 und 2016 als Aufzugführer in der Tesla-Fabrik in Fremont, Kalifornien.

Laut einer Mitteilung von Tesla ging es im Prozess um rassistische Beleidigungen in der Fabrikhalle und rassistische Graffiti in den Sanitäranlagen. Demnach habe Tesla dreimal eingegriffen, nachdem sich Diaz beschwert hatte und dafür gesorgt, dass Personaler Maßnahmen ergriffen. »Obwohl wir fest davon überzeugt sind, dass diese Tatsachen das Urteil der Jury in San Francisco nicht rechtfertigen, erkennen wir an, dass wir 2015 und 2016 nicht perfekt waren«, schrieb Tesla.

»Ich glaube, dass dies das größte Urteil in einem Fall von Diskriminierung am Arbeitsplatz ist«, sagte David Oppenheimer, Rechtsprofessor an der Berkeley Universität der Nachrichtenagentur Bloomberg. Nur Sammelklagen wären bisher noch größer ausgefallen.

Der Fall ist zudem besonders, weil es Tesla meistens gelingt Arbeitnehmerstreitigkeiten in einem Schiedsverfahren zu klären. Allerdings war das Unternehmen bereits im Mai in einem ähnlichen Fall zu einer Strafe von einer Million Dollar verurteilt worden.

"Statt Null-Toleranz-Politik eine Null-Verantwortungs-Politik"

Vor Gericht sagte der Anwalt von Diaz aus, dass »Tesla im Gegensatz zu einer Null-Toleranz-Politik eine Null-Verantwortungs-Politik« verfolge. Das »N-Wort« sei »allgegenwärtig und praktisch überall« gewesen. Er beendete seine Schlussworte mit einigen Sätzen aus »The Hill We Climb«, einem Gedicht von Amanda Gorman, der 23-jährigen Dichterin, die die Nation bei der Amtseinführung von Präsident Joe Biden im Januar bewegt hatte. Diaz selbst sagte aus, dass er schlaflose Nächte und Gewichtsverlust erlitten habe, da er seinen Appetit verlor.

Vor Beginn des Prozesses hatte der Vorsitzende Richter William Orrick Versuche von Tesla abgewehrt, einen Geschworenen aus der Jury auszuschließen. Der Versuch habe auf der Rasse beruht und sei »absichtlich diskriminierend« gewesen.

Im vergangenen Jahr hatte Tesla seinen ersten Diversity-Bericht veröffentlicht. Demnach sind nur vier Prozent aller US-Führungskräfte schwarz und zehn Prozent der Gesamtbelegschaft.

hej/Reuters
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