Elektroautobauer Tesla Rekordquartal beschert Elon Musk Milliardenvergütung

Mehr Umsatz, höherer Gewinn, Rekordverkäufe: Elon Musk kann sich über ein 23-Milliarden-Dollar-Paket freuen. Trotz Lieferkettenchaos schraubt er die Produktionsziele hoch – und deutet weitere Preiserhöhungen an.
Läuft bei ihm: Tesla-Chef Elon Musk

Läuft bei ihm: Tesla-Chef Elon Musk

Foto: CHRISTIAN MARQUARDT / POOL / EPA

Trotz der coronabedingten Fabrikschließung in China und Chaos in den globalen Lieferketten hat der US-Elektroautobauer Tesla ein deutlich stärkeres Quartal hinter sich als von Investoren und Analysten erwartet. Während weltweit die Automärkte zuletzt drastisch eingebrochen waren, konnte Tesla-Chef Elon Musk (50) abermals Rekordmarken für Umsatz, Gewinn und verkaufte Autos präsentieren. Zwar erwartet er im Laufe des Jahres weitere Schwierigkeiten, vor allem wegen der rasant steigenden Rohstoffpreise. Aber am langfristigen Ziel, jährlich 50 Prozent mehr Autos zu verkaufen, hielt er fest. "Tesla hat eine realistische Chance, in diesem Jahr ein Wachstum von 60 Prozent bei den Fahrzeugauslieferungen zu schaffen", sagte er in der Nacht in einem Call mit Investoren.

Der Umsatz des Autobauers war im ersten Quartal auf 18,8 Milliarden Dollar gestiegen, im Vorjahr waren es noch 10,3 Milliarden Dollar gewesen. Der Gewinn lag mit 3,3 Milliarden Dollar ebenfalls deutlich über den Erwartungen. Die operative Marge, ein wichtiger Vergleichswert in der Autobranche, lag bei stolzen 19,2 Prozent – und damit nochmals 4,5 Prozentpunkte über dem bisherigen Spitzenwert aus dem Schlussquartal 2021. Musk selbst bescheren die Werte eine weitere Vergütung im Wert von 23 Milliarden Dollar. Die Aktie von Tesla  legte am Donnerstag um gut 10 Prozent auf 1082 US-Dollar zu.

Tesla profitiert dabei von den Preiserhöhungen in den USA und Europa. Bereits im März hatte Musk gewarnt, dass der Konzern aufgrund der Krise in der Ukraine mit einem erheblichen Inflationsdruck bei Rohstoffen und Logistik konfrontiert sei. Die höheren Preise sollen die höheren Kosten für die nächsten sechs bis 12 Monate abdecken. "Die Preiserhöhungen liegen jedoch deutlich über der Kosteninflation", sagte Craig Irwin von Roth Capital.

Bislang konnte Tesla die Kosten durch langfristige Lieferverträge mit Rohstoff- und Teilelieferanten kontrollieren. Etliche der Verträge würden auslaufen, so Musk. Einige Lieferanten würden 20- bis 30-prozentige Aufschläge zum Vorjahr verlangen. "Ich hoffe, wir müssen die Preise nicht nochmals erhöhen." Analysten deuteten das als Ankündigung weiterer Schritte.

Musk sagte, dass Lithium für den Kostenanstieg verantwortlich sei und einen "begrenzenden Faktor" für das Wachstum darstelle. Er ermutigte Unternehmen, in das Lithiumgeschäft einzusteigen. "Die Lithiummargen sind im Moment praktisch Softwaremargen... Mögen Sie es, Geld zu drucken? Dann ist das Lithiumgeschäft genau das Richtige für Sie."

Gigafabrik in Shanghai läuft langsam an

Größte Herausforderung bleibt es wie für die Konkurrenz auch, genug Autos zu produzieren. "Unsere eigenen Fabriken laufen seit mehreren Quartalen unter ihrer Kapazität", hieß es. "Das wird sich wahrscheinlich bis zum Ende des Jahres 2022 fortsetzen."

Zur neuen Fabrik im brandenburgischen Grünheide machte Musk keine genaueren Angaben. Er bestätigte allerdings, dass die zuletzt über mehrere Wochen wegen des Corona-Lockdowns stillgelegte Fabrik in Shanghai ihre Produktion in begrenztem Umfang wieder aufgenommen habe. Der Ausfall habe Tesla um etwa einen Monat zurückgeworfen, was sich im zweiten Quartal auswirken werde. "Die chinesischen Produktionsprobleme scheinen gut gemeistert zu sein, und wir erwarten, dass Austin und Berlin den Rückstand aus dem 19-tägigen Ausfall in Shanghai aufholen werden", sagte Musk. In Austin/Texas hatte Tesla ebenfalls erst vor wenigen Wochen eine neue Fabrik eröffnet. Die Anläufe bräuchten Zeit, erklärte Musk. Üblicherweise dauere es zwölf Monate, bis die neuen Fabriken eine Produktionskapazität von 5000 Autos pro Woche erreiche.

Von den guten Ergebnissen im ersten Quartal profitiert Musk auch persönlich. Er erhält als CEO kein wirkliches Gehalt und sein Vergütungspaket setzt voraus, dass Teslas Marktkapitalisierung und finanzielles Wachstum eine Reihe von Zielwerten erreichen. 2018 hatte Musk sich auf ein Modell geeinigt, dass ihm bei zwölf definierten Marken jeweils Aktienoptionen gewährt. Nun hat Teslas Performance die Zielwerte neun bis elf erreicht, was Musk drei weitere Tranchen gewährt. Beim aktuellen Börsenwert beschert das dem ohnehin reichsten Menschen der Welt insgesamt 23 Milliarden Dollar. Diskussionen über neue Vergütungspakete gebe es nicht, so Musk.

Schon im vergangenen Jahr hatte Musk mehr als 16 Milliarden Dollar durch den Verkauf von Tesla-Aktien zu Cash gemacht. Ähnliches erwarten Analysten auch jetzt, vor allem, nachdem Musk angekündigt hat, die US-Plattform Twitter übernehmen zu wollen. Der Übernahmeplan war allerdings kein Thema in dem Call.

Als lukratives Geschäft erwies sich für das Unternehmen zudem abermals der Handel mit Verschmutzungsrechten, die andere Autobauer benötigen, um ihre Emissionsbilanz aufzubessern. Im Auftaktquartal setzte Tesla damit 679 Millionen Dollar um – mehr als doppelt so viel wie im vorherigen Vierteljahr. Teslas Bitcoin-Bestand blieb unverändert und wurde zuletzt mit einem Wert von 1,26 Milliarden Dollar bilanziert. Tesla hatte vergangenes Jahr 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins investiert, dann aber wieder einen Teil davon verkauft.

Wie üblich sinnierte Musk im Call auch wieder über neue Projekte. So soll Tesla etwa bis 2024 ein Robotaxi ohne Lenkrad oder Pedale produzieren. Das werde ein "massiver Wachstumstreiber". Details dazu blieb er jedoch schuldig.

la, lhy mit Agenturen