"Gigafactory" eröffnet Showtime in Grünheide

Nach zwei Jahren Bauzeit hat Elon Musk nun die erste europäische Fabrik des US-Elektrobauers Tesla eröffnet. Er erhält viel Applaus der Politprominenz. An der Börse vollzieht die Tesla-Aktie einen Kurssprung.
Tesla-Chef Elon Musk: Die ersten Model Y aus dem Werk Grünheide übergibt Musk heute selbst an die Kunden

Tesla-Chef Elon Musk: Die ersten Model Y aus dem Werk Grünheide übergibt Musk heute selbst an die Kunden

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NADINE SCHIMROSZIK / REUTERS

Nach gut zwei Jahren Bauzeit hat der US-Konzern Tesla am Dienstag seine erste Fabrik in Europa offiziell eröffnet. Unternehmenschef Elon Musk (50) kam zu seiner "Gigafactory" in Grünheide, um die ersten Tesla-Elektroautos aus deutscher Produktion an Kunden zu übergeben. Die Bundesregierung und das Land Brandenburg feiern das Milliardenprojekt mit künftig 12.000 Mitarbeitern und einer Zielmarke von jährlich 500.000 Autos als Signal.

"Elektromobilität wird die Mobilität der Zukunft prägen", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (63). Das Projekt zeige: "Deutschland kann schnell sein." Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52) sagte, dies sei ein besonderer Tag für die Mobilitätswende. Tesla habe sich für Deutschland entschieden, weil das Unternehmen hier den Leitmarkt für Elektromobilität erwarte. Das sei auch sein Ziel, sagte der Minister. Er freue sich, dass die Abkehr vom Öl damit neuen Schub bekomme. Tesla-Gründer Musk sagte mit Blick auf den Klimawandel, das Problem werde gelöst werden. Diese Fabrik sei ein großer Schritt dorthin. Der 50-Jährige twitterte zudem "Danke Deutschland!!" und versah seine Kurznachricht mit vier Bundesflaggen.

Auch an der Börse feierten die Aktionäre mit. Die Aktie von Tesla baute am Dienstag ihre Gewinne im Handelsverlauf kontinuierlich aus und schloss rund 8 Prozent fester bei 994 US-Dollar. Binnen einer Woche hat die Tesla-Aktie knapp 20 Prozent gewonnen und nähert sich wieder der psychologisch wichtigen Marke von 1000 US-Dollar. Seit ihrem Rekordhoch von rund 1200 US-Dollar zu Jahresbeginn hatte die Aktie zeitweise mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Doch seit ihrem Zwischentief Anfang März hat das Papier inzwischen wieder deutlich zugelegt. Die Beschleunigung der Wende zur Elektromobilität sowie die Eröffnung der Gigafactory in Grünheide spielen Tesla in die Karten.

Sorge um Trinkwasser

Umweltschützer protestieren hingegen weiter gegen das Megaprojekt, vor allem aus Sorge um die Versorgung mit Trinkwasser in der Region. Bedenken und Einwendungen im Verfahren seien ignoriert und "Recht gebeugt" worden, erklärte die Bürgerinitiative Grünheide. Tonnenschwere Tesla-Elektroautos seien in Produktion, Nutzung und Entsorgung "alles andere als klimafreundlich".

Musk hatte die Milliardeninvestition in der Nähe von Berlin im November 2019 angekündigt und im Februar 2020 mit dem Bau begonnen. Tesla verließ sich dabei zunächst auf vorzeitige Zulassungen des Landes Brandenburg. Ursprünglich wollte Musk schon ab Mitte 2021 in Grünheide produzieren. Die Genehmigung dauerte länger als geplant, unter anderem weil Tesla eine Batteriefabrik erst nachträglich anmeldete. Diese ist noch im Bau.

Genehmigung erst vor zwei Wochen

Die endgültige Genehmigung für die Anlage – Tesla spricht von Produktionseinheiten auf einer Gesamtfläche von über 227.000 Quadratmetern und Investitionen in einstelliger Milliardenhöhe – kam erst vor rund zwei Wochen, als bereits der Probebetrieb lief. Auflagen versuchte Tesla rasch abzuarbeiten. Nach Konzernangaben sind in Grünheide bereits mehr als 3000 Menschen tätig. Nach weiteren Mitarbeitern in Dutzenden Sparten wird gesucht.

Grünen-Politiker Habeck sagte: "Diese kurze Zeit des Fabrikbaus kann natürlich ein bisschen auch eine Maßgabe sein für Tesla-Tempo auch in anderen Bereichen." Musks Vorgehen lobte er als "eine andere Unternehmens-Wagemut-Kultur". Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (46), jubelte auf Twitter: "Im Osten geht was!"

Produziert wird in Grünheide zunächst das Model Y Performance, ein etwa zwei Tonnen schwerer Mittelklassewagen mit einer offiziellen Reichweite von gut 500 Kilometern. Den Einstiegspreis gibt das Unternehmen mit 63.990 Euro an. Die neue Fabrik setzt deutsche Hersteller unter Druck. Auch sie setzen aber inzwischen stark auf Elektroautos und haben vergleichbare Modelle am Start.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie lobte die vergleichsweise schnelle Umsetzung des Projekts. "Das Tempo bei Tesla muss als Vorbild für Investitionsprojekte in Deutschland dienen", sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm (58). Die intensive Unterstützung durch die Landesregierung habe das Verfahren erheblich beschleunigt. Deutsche Unternehmen wünschten sich ähnlichen Rückhalt für jedes Genehmigungsverfahren.

Auch die IG Metall begrüßte den Start der Tesla-Fabrik. Mit den Arbeitsbedingungen hinke Tesla allerdings im innerdeutschen Vergleich hinterher, sagte Bezirksleiterin Birgit Dietze (49).

Scholz warnt vor "Deglobalisierung"

Bundeskanzler Olaf Scholz (63) hat angesichts der weltweiten Spannungen davor gewarnt, die Globalisierung der Wirtschaft rückgängig zu machen. "Aus meiner Sicht würde das die Welt und uns alle um großen Wohlstand bringen", sagte Scholz. Schon 1925 habe das US-Unternehmen Ford ein Werk in Deutschland errichtet. Deutsche Firmen ihrerseits investierten in den USA, in China und an vielen anderen Orten der Welt. "Wir brauchen globalen Wettbewerb und keine Deglobalisierung. Das geht schief", fügte Scholz hinzu.

Scholz wies bei der Tesla-Eröffnung auch auf die notwendige Planungsbeschleunigung in Deutschland hin. "Deutschland kann schnell sein", sagte er mit Hinweis auf die schnelle Genehmigung und Errichtung des Auto-Werks in Brandenburg. Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr eine deutliche Verkürzung der Planungs- und Genehmigungszeiten erreichen, damit etwa Wind- und Solar-Anlagen schneller gebaut werden können.

la/sio/dpa