Aktie unter Druck Tesla legt sich wieder mit US-Behörden an

Tesla-Chef Elon Musk hat erneut Probleme mit Aufsichtsbehörden in den USA. So untersucht die Verkehrsbehörde plötzliche Bremsmanöver, die vom "Autopiloten" ausgelöst würden. Auch ein Streit mit der Börsenaufsicht droht zu eskalieren.
Elon Musk: Der Tesla-Chef legt sich wieder mit den Behörden an. Diesmal geht es um seinen Autopiloten und die Auszahlung von Geldern an Aktionäre aus einem Vergleich.

Elon Musk: Der Tesla-Chef legt sich wieder mit den Behörden an. Diesmal geht es um seinen Autopiloten und die Auszahlung von Geldern an Aktionäre aus einem Vergleich.

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POOL / REUTERS

Das Fahrassistenzsystem "Autopilot" von Tesla sorgt erneut für Ärger. Die US-Verkehrsaufsicht nimmt den Elektroautobauer wegen Berichten über unvermitteltes Bremsen des Systems ins Visier. Es seien in den vergangenen neun Monaten 354 Beschwerden eingegangen, weil der "Autopilot" plötzlich und unerwartet die Bremsen aktiviere, teilte die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) am Donnerstag mit. Die Untersuchung umfasst demnach rund 416.000 Tesla Model 3 und Y von 2021 und 2022.

Anleger reagierten nervös: Die Aktien des Elektroautobauers  schlossen am Donnerstag an der US-Technologiebörse Nasdaq um 5 Prozent ab. Vorbörslich machten sie am Freitag einen Teil der Verluste wieder wett.

Der "Autopilot" sorgt schon länger für Argwohn. Kritiker monieren, dass der Name etwas suggeriert, das dieses System nicht leistet: nämlich das Auto autonom ohne menschliches Zutun durch den Verkehr zu steuern. Im Ergebnis würden die Fahrer damit zu einer fahrlässigen Nutzung verleitet. Seitdem das System auf dem Markt ist, haben Behörden zahlreiche, auch tödlich Unfälle mit eingeschaltetem "Autopiloten" dokumentiert.

Tesla selbst wird zwar nicht müde zu wiederholen, dass die Fahrer verpflichtet sind, die Hände am Steuer zu halten, sodass sie jederzeit den Wagen kontrollieren können. Doch warb Tesla lange mit dem Begriff "Autopilot" für sein Assistenzsystem. In Deutschland wurde diese Werbung von Gerichten untersagt.

Die US-Verkehrsaufsicht untersucht allerdings auch andere Probleme im Kontext mit dem Programm: etwa Auffahrunfälle von Tesla-Autos mit am Straßenrand parkenden Notfall-Fahrzeugen. In den vergangenen Wochen hatte die NHTSA den Druck auf Tesla erhöht, der Autobauer musste bei zahlreichen Fahrzeugen beanstandete Mängel beseitigen.

Doch nicht nur mit der US-Verkehrsaufsicht, sondern auch mit US-Börsenaufsicht SEC liegt Tesla-Chef Elon Musk (50) im Dauerclinch. Nach einem Rechtsstreit über angeblich irreführende Tweets hatten sich die Behörde und der Unternehmer 2018 auf einen Vergleich geeinigt, der Musks Twitter-Aktivitäten zügeln sollte. Der Konflikt aber dauert an und droht erneut zu eskalieren: Am Donnerstag beschuldigten die Anwälte von Tesla die SEC in einem Schreiben an die Behörde, mit unbegründeten Untersuchungen das Unternehmen und seinen Chef zu schikanieren. Musk wirft der SEC vor, angesichts seiner regierungskritischen Äußerungen sein Recht auf freie Meinungsäußerung einschränken zu wollen.

40 Millionen Strafgelder noch nicht an Tesla-Aktionäre zurückgezahlt

Laut dem Schreiben habe die SEC noch nicht die 40 Millionen Dollar an Strafgeldern an Aktionäre ausgezahlt, die angeblich durch Musks Tweets aus dem Jahr 2018 geschädigt wurden, wie das Wall Street Journal berichtet . Normalerweise schüttet die SEC 80 Prozent der in einem Fall verfügbaren Mittel innerhalb von zwei Jahren nach Genehmigung des Verteilungsplans an die Aktionäre aus.

In dem Tweet hatte der Tesla-Chef erklärt, er beabsichtige Tesla von der Börse zu nehmen. Bekanntlich kam es nicht dazu, auch hatte Musk offensichtlich nie wirklich die Absicht, Tesla zu privatisieren. An der Börse aber sorgte sein launiger Tweet für erhebliche Verwerfungen.

Die SEC legte darauf Klage ein, die schließlich zu einer ungewöhnlichen Vereinbarung führte: Musk wurde fortan verpflichtet, kursrelevante Tweets zuvor seinen Anwälten vorzulegen. Anfang dieses Monats gab der Elektroautohersteller bekannt, dass die Aufsichtsbehörden im vergangenen Jahr Informationen darüber verlangten, wie das Unternehmen und sein CEO die Bedingungen dieser Vereinbarung einhielten. Tesla erhielt dazu nach eigenen Angaben eine Vorladung der US-Börsenaufsichtsbehörde.

Das Schreiben vom Donnerstag verschärft Musks Kampf mit den Aufsichtsbehörden, die seine Beiträge in den sozialen Medien und Teslas Behandlung von Arbeitnehmern, einschließlich des Vorwurfs der Diskriminierung, unter die Lupe nehmen.

dri mit Nachrichtenagenturen
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