Kurssturz 2022 Tesla verliert ein Drittel seines Börsenwertes

Der Kurssturz der Tesla-Aktie beschleunigt sich. Seit Jahresbeginn hat das von Elon Musk geführte Unternehmen rund ein Drittel seines Börsenwertes verloren. Die Gründe sind vielfältig.
Tesla-Chef Elon Musk: 400 Milliarden Dollar Börsenwert haben sich seit Jahresbeginn in Luft aufgelöst

Tesla-Chef Elon Musk: 400 Milliarden Dollar Börsenwert haben sich seit Jahresbeginn in Luft aufgelöst

Foto: AFP

Tesla ist unter Druck, doch Tesla ist nicht allein. Die Zinswende in den USA mit der Aussicht auf 4 Zinserhöhungen in diesem Jahr setzt den US-Technologiewerten seit Monaten zu. Wachstumswerte mit hohem Kapitalbedarf gelten als besonders anfällig für steigende Zinsen.

Die Eskalation der Ukraine-Krise und die Angst vor einem monatelangen Krieg in der Region haben Anleger nun zusätzlich veranlasst, Aktien zu verkaufen und Geld in Sicherheit zu bringen: Dies betrifft vor allem hoch bewertete Anlegerlieblinge wie Tesla, deren Börsenwert im November 2021 die magische Marke von einer Billion Dollar überschritten hat.

Anfang des Jahres, am 3. Januar 2022, notierte die Tesla-Aktie  noch bei knapp 1200 US-Dollar, der Börsenwert betrug damit rund 1,15 Billionen US-Dollar. Doch seitdem geht es an der Börse steil abwärts für das von Elon Musk geführte Unternehmen: Anfang Februar beschleunigte die Aktie ihren Kursrutsch und hat seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Am Mittwoch gab die Aktie um weitere 7 Prozent nach und schloss bei 765 US-Dollar. Die Marktkapitalisierung fiel von 1,15 Billionen Dollar zu Jahresanfang auf aktuell 788 Milliarden US-Dollar . Am Donnerstag setzt die Tesla-Aktie angesichts der russischen Invasion der Ukraine ihren Kursrutsch fort und droht unter die Marke von 700 US-Dollar zu fallen .

Binnen acht Wochen hat Tesla damit rund ein Drittel seines Börsenwertes eingebüßt. Der US-Elektroautobauer gehört derzeit zu den größten Verlierern des noch jungen Börsenjahres.

Für die erfolgsverwöhnten Tesla-Anleger eher ungewohnt, sind die Aktien von Tesla inzwischen auch unter die 200-Tage-Linie gerutscht, die ein beliebter Indikator für den längerfristigen Trend ist. Charttechnisch orientierte Investoren werten den Bruch einer solchen Linie als Verkaufssignal.

Auch positive Nachrichten helfen derzeit nicht

Derzeit helfen Tesla auch positive Nachrichten nicht dabei, den steilen Abwärtstrend zu stoppen. Am Dienstag hatte Tesla-Chef Elon Musk noch ein weiteres Hochfahren der Produktion in China in Aussicht gestellt. Um einer steigenden Nachfrage nach Exporten gerecht zu werden, will Tesla die Teile-Produktion im Werk Shanghai ausweiten, wie aus einem bei den örtlichen Behörden eingereichten Dokument hervorgeht.

Parallel dazu machen staatliche Untersuchungen wegen möglicher Fehlfunktionen in Tesla-Modellen Anleger nervös. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht 416.000 Fahrzeuge des Elektroautobauers wegen unerwartete Bremsmanöver des Fahrer-Assistenzsystems.

Untersuchungen der Behörden - und Musk mal wieder on the loose

Außerdem muss Tesla in den USA schon wieder in großem Stil Mängel beseitigen, die von der Verkehrsaufsicht beanstandet wurden. Diesmal geht es um einen Boombox genannten Außenlautsprecher an Tesla-Autos, der während der Fahrt einem Warngeräusch für Fußgänger in die Quere kommen kann. Betroffen sind rund 578 600 Tesla Model S, X, Y und 3 mit Baujahren zwischen 2017 und 2022. Das geht aus Unterlagen hervor, die vergangene Woche von der US-Verkehrsbehörde NHTSA veröffentlicht wurden. In den USA müssen Fußgänger mit einem Geräusch vor langsam fahrenden E-Autos gewarnt werden, da diese so leise sind. Ein Software-Update von Tesla soll dafür sorgen, dass die Boombox während der Fahrt deaktiviert wird.

Und auch Tesla-Gründer Elon Musk bereitet mit seinen berüchtigten Ausfällen auf Twitter den Investoren Sorgen. Musk hat vergangene Woche den kanadischen Premierminister Justin Trudeau wegen dessen Vorgehens gegen die anhaltenden Blockaden von Lkw-Fahrern mit Adolf Hitler verglichen. Musk veröffentlichte vergangenen Donnerstag auf Twitter ein Bild des Diktators, das mit dem Text "Hört auf, mich mit Justin Trudeau zu vergleichen," versehen war. Der Eintrag wurde später wieder gelöscht. Musk hatte zuvor bereits Unterstützung für die Trucker geäußert, die seit Wochen in der kanadischen Hauptstadt Ottawa und an mehreren Grenzübergängen in die USA aus Protest gegen Trudeaus Corona-Politik für Chaos sorgen.

Hedgefonds und Shortseller meist mit falschem Timing

Bedeutet das das Ende der Tesla-Party? Langjährige Tesla-Anleger haben noch keinen Grund, angesichts des jüngsten Kursrutsches in Panik zu verfallen. Wer vor einem Jahr eingestiegen ist, liegt mit seinem Investment trotz des jüngsten Kursrutsches immer noch um rund 20 Prozent im Plus. Ende Februar 2020 notierte das Papier bereinigt um den jüngsten Aktiensplit bei umgerechnet 180 Dollar, seitdem hat sich der Kurs immer noch mehr als vervierfacht.

Die Aktie von Tesla zieht immer wieder Leerverkäufer an. Noch im Sommer 2021 hatte Hedgefondsmanager Michael Burry viele hundert Millionen Dollar auf einen Absturz von Tesla gesetzt. Burry hatte Short-Wetten sowohl gegen Tesla als auch gegen den Ark-Innovation-Investmentfonds von Tesla-Fan Cathie Wood aufgebaut. Doch Burrys Timing war nicht ganz optimal: Im November stieg Burry, entnervt von der Rekordjagd der Tesla-Aktie, aus seinen Short-Positionen aus. Acht Wochen später begann der Absturz der Tesla-Aktie.

la/mmo