Tesla-Aktie mit Kursrutsch US-Verkehrsbehörde nimmt Teslas "Autopilot" ins Visier

Die nationale Verkehrssicherheitsbörde der USA hat eine Untersuchung von Teslas Fahrassistenz-Funktion eingeleitet. Betroffen sind rund 745.000 Fahrzeuge. Anlass sind verschiedene Auffahr-Ufälle, bei denen Tesla-Modelle mit Einsatzfahrzeugen kollidierten.
Tesla-Auffahrunfall mit Polizeifahrzeug in Laguna Beach: Immer wieder Ärger mit dem "Autopiloten"

Tesla-Auffahrunfall mit Polizeifahrzeug in Laguna Beach: Immer wieder Ärger mit dem "Autopiloten"

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Erneut Ärger für Tesla: Die nationale Verkehrssicherheitsbehörde der USA (NHTSA) hat eine formale Untersuchung von Teslas Fahrassistenz-System gestartet. Unter anderem weise Teslas System Mängel auf, wenn es darum gehe, auf der Fahrbahn stehende Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr zu erkennen, gab die Behörde am Montag bekannt. Betroffen von der Untersuchung sind fast sämtliche Fahrzeuge, die Tesla seit dem Start des Assistenz-Systems im Jahr 2014 verkauft hat.

Seit 2018 habe es elf Unfälle gegeben, in denen Tesla-Fahrzeuge auf Einsatzfahrzeuge aufgefahren seien, obwohl diese durch verschiedenartige Warnlichter an einer Unfallstelle auf sich aufmerksam gemacht haben. Die Untersuchung der Behörde beziehe sich auf die Tesla-Modell Y, X, S und Model 3 ab Auslieferungsjahr 2014.

Anfang 2018 war ein Tesla erstmals in der kalifornischen Stadt Culver City auf ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr aufgefahren, das mit eingeschalteten Warnleuchten an einer Unfallstelle einen Teil der Straße blockierte. Es folgten ähnliche Auffahr-Unfälle wie etwa in Laguna Beach, Norwalk, Cloverdale, Lansing und Miami, wie die NHTSA mitteilte. Dabei gab es der NHTSA zufolge 17 Verletzte und einen Todesfall.

In der Vergangenheit war das Fahrassistenzsystem von Tesla-Fahrern häufig als reines Autopilot-System missbraucht worden. Mal war der Fahrer betrunken, mal beschäftigte er sich mit seinem Handy, mal saß er nicht am Steuer des Wagens, sondern auf dem Rücksitz. Tesla betont, dass das Fahrassistenzsystem nicht als Autopilot gedacht sei und der Fahrer jederzeit in der Lage sein müsse, ins Geschehen einzugreifen. Tesla verschärfte vor einigen Jahren die Sicherheitsmaßnahmen: Die Software merkt, wenn der Fahrer die Hände nicht am Steuer hat und gibt nach kurzer Zeit Warntöne ab.

Die Aktie von Tesla  geriet am Montag deutlich unter Druck und gab zuletzt um rund 5 Prozent nach.

Autopilot-System wurde bereits einmal untersucht

Die NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) hatte das "Autopilot"-System bereits nach einem tödlichen Unfall im Jahr 2016 untersucht. Damals starb ein Fahrer, nachdem sein Tesla unter den Anhänger eines Sattelschleppers gerast war, der die Straße überquert hatte. Die NHTSA kam zu dem Schluss, dass das System im Rahmen seiner Fähigkeiten korrekt funktioniert habe, aber der Mensch am Steuer sich zu sehr darauf verlassen habe. Das "Autopilot"-System hatte den Anhänger mit seiner weißen Seitenfront nicht erkannt und keinen Bremsvorgang eingeleitet. Auch der Fahrer hatte nicht reagiert.

Die NHTSA wies darauf hin, dass bei allen Auffahrunfällen die Feuerwehr- und Ambulanzfahrzeuge unter anderem dank eingeschaltetem Blinklicht klar erkennbar gewesen seien. Bei allen betroffenen Tesla-Fahrzeugen sei das "Autopilot"-System eingeschaltet gewesen.

Bezeichnung "Autopilot" lädt zu fahrlässiger Nutzung ein

An Teslas Vorkehrungen gegen Missbrauch des "Autopilot"-Systems gibt es schon länger Kritik. Im Internet kursieren etwa Videos, die zeigen, wie Fahrer im Straßenverkehr ihren Sitz verlassen. Deshalb wird unter anderem gefordert, dass Tesla die Kamera im Innenraum zur Überwachung der Aufmerksamkeit des Fahrer nutzt.

Kritiker finden auch, dass der Name "Autopilot" eine Übertreibung ist, die zu fahrlässiger Nutzung einlädt. Die nächste Stufe des Programms nennt Tesla sogar "Full Self-Driving" (komplett selbstfahrend), obwohl es nach in der Branche gängigen Kriterien weiterhin lediglich ein Assistenzsystem bleibt.

la/reuters
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