Umsatz zieht an Weihnachtsgeschäft soll Zalando-Bilanz retten

Die Inflation ist hoch, die Menschen kaufen weniger – der Online-Modehändler Zalando bekam das zuletzt deutlich zu spüren. Jetzt setzt Finanzchefin Sandra Dembeck auf das Weihnachtsgeschäft und einzelne Aktionstage.
"Das Konsumklima ist an einem neuen Tiefpunkt angekommen": Es bestehe eine hohe Unsicherheit, wie groß die Kundennachfrage am Jahresende tatsächlich ist, sagt Zalando-Finanzchefin Sandra Dembeck

"Das Konsumklima ist an einem neuen Tiefpunkt angekommen": Es bestehe eine hohe Unsicherheit, wie groß die Kundennachfrage am Jahresende tatsächlich ist, sagt Zalando-Finanzchefin Sandra Dembeck

Die hohe Inflation und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher machen Zalando zu schaffen. Daher lieferte der Onlinehändler trotz der Rückkehr auf den Wachstumspfad und eines Gewinnsprungs einen verhaltenen Ausblick. Der konjunkturelle Gegenwind werde sicher noch eine Weile anhalten, warnte Co-Chef Robert Gentz (39) am Donnerstag.

Der Dax-Konzern erwartet ein Gesamtjahresergebnis am unteren Ende der angepeilten Spanne. Der im Juni gesenkten Prognose zufolge soll der Umsatz 2022 um 0 bis 3 Prozent wachsen. Das Betriebsergebnis werde voraussichtlich bei 180 bis 260 Millionen Euro liegen. Vor diesem Hintergrund würden die mittelfristigen Ziele voraussichtlich mit Verzögerung erreicht, sagte Gentz weiter. "Als wir uns das Ziel eines Brutto-Handelsvolumens von 30 Milliarden Euro im Jahr 2025 gesetzt haben, konnten wir ein so schwieriges Jahr wie 2022 nicht vorhersehen."

Nun setzt Zalando bis zum Jahresende auf das Weihnachtsgeschäft, auch bei Aktionstagen wie dem Black Friday wolle man sich gut präsentieren, um möglichst viel von der zu dieser Zeit gewöhnlich erhöhten Nachfrage einzusammeln, ergänzte Finanzchefin Sandra Dembeck.

An der Börse fuhr die Aktie  nach den Zahlen Achterbahn. Zuletzt drehte das Papier deutlich ins Plus. Ein Grund ist wohl, dass die Erwartungen der Märkte ohnehin sehr niedrig waren. "Dass Zalando nur noch das jeweils untere Ende der bislang in Aussicht gestellten Zielspannen anstrebt, hatten wir und der Kapitalmarkt erwartet", kommentierte Analyst Thomas Maul von der DZ Bank die Kursreaktion und die Prognosen des Managements.

Gleichwohl verbucht die Aktie von Zalando auf Sicht von zwölf Monaten ein Minus von mehr als 70 Prozent, bei Wettbewerbern des Online-Bekleidungshandels wie About You  oder Asos  sieht die Aktienkurs-Bilanz nicht besser aus. Ein Grund: Die gesamte Branche war in der Pandemie mit zahlreichen Lockdowns kräftig gewachsen und leidet nun unter erheblichen Überbeständen – bei fallender Nachfrage. Um die Lager zu räumen, müssen die Anbieter erhebliche Preisnachlässe gewähren, wie kürzlich About-You-Gründer und Co-Geschäftsführer Tarek Müller (34) im Interview mit manager magazin erklärte. 

Umsatz im dritten Quartal wächst wieder

Zum Auftakt des laufenden Jahres hatte Zalando erstmals seit der Firmengründung 2008 einen Umsatzrückgang verbucht. Dieser Trend setzte sich zunächst fort. Im dritten Quartal wuchs der Umsatz den Angaben zufolge wieder um knapp 3 Prozent auf 2,35 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis habe um fast 38 Prozent auf 13,5 Millionen Euro zugelegt. Die Zahl der aktiven Kunden sei um 8 Prozent gestiegen und habe erstmals die Schwelle von 50 Millionen überschritten. Das Unternehmen habe dabei von der Einführung eines Mindestbestellwerts profitiert, wodurch das Bestellvolumen angewachsen sei, erklärte Zalando. Da Kunden bei kleineren Aufträgen eine Versandgebühr zahlten, seien auch diese inzwischen profitabel.

Die schwache Konsumlaune bekommen auch andere Onlinehändler zu spüren. Der Rivale About You war im abgelaufenen Quartal tiefer ins Minus gerutscht und will nun verstärkt sparen. Beim britischen Konkurrenten Asos brach der Gewinn ein und Boohoo strich die Gesamtjahresziele zusammen. Darüber hinaus verschreckte Amazon mit einem enttäuschenden Ausblick auf das wichtige Weihnachtsgeschäft.

Die aktuellen Quartalszahlen seien besser ausgefallen als erwartet, lobte Analyst Volker Bosse von der Baader Helvea Bank. Außerdem bildeten Maßnahmen wie die Partnerschaften mit dem Sportartikel-Hersteller Nike eine gute Basis für weiteres Wachstum und die Ausweitung des Marktanteils.

Sein Kollege Wayne Brown von der Investmentbank Liberum hob die Konzentration auf die Verbesserung der Ertragskraft hervor. Die Einführung von Mindestbestellwert und Versandkosten sowie Einsparungen trügen Früchte. Er bezweifle, dass Asos und Boohooh mit dem Geschäftsmodell von Zalando konkurrieren könnten.

rei/Reuters/dpa-afx
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