Empörte Reaktionen Xing will alle seine Gruppen abschalten

In der Timeline des US-Konkurrenten LinkedIn ist mittlerweile deutlich mehr los als bei Xing. Umso stärker überrascht, dass das deutsche Business-Netzwerk nun die Gruppen abschaltet.
Neue Strategie: New-Work-Chefin Petra von Strombeck

Neue Strategie: New-Work-Chefin Petra von Strombeck

Die Reaktionen in den sozialen Medien reichen von Ironie bis Empörung. Zum 11. Januar 2023 wird Xing seine mehr als 35.000 Gruppen abschalten und darüber hinaus auch den sogenannten Eventmarkt nicht mehr anbieten. Was anfangs als Gerücht in dem Netzwerk die Runde machte, wurde von Xing mittlerweile bestätigt – in den FAQ des 2003 unter dem Namen OpenBC gegründeten Unternehmens taucht die Frage "Warum werden Xing Gruppen abgeschaltet? ” auf.

"Bei den Gruppen haben wir festgestellt, dass sie nicht mehr der Hauptort sind, an dem die meisten Diskussionen auf Xing stattfinden", heißt es. Offen bleibt, wo diese möglichen Diskussionen dann stattfinden sollen. Möglicherweise bei der Konkurrenz – Konkurrent LinkedIn, der vom US-Konzern Microsoft mittlerweile nicht nur optisch wie eine Facebook-Kopie für berufliche Zwecke betrieben wird, ist inzwischen mehr als nur ein Rivale. Eine Alternative zu den Gruppen will Xing jedenfalls explizit nicht anbieten.

Die Entscheidung ist offensichtlich Teil der strategischen Neuausrichtung, die Petra von Strombeck (53) – seit 2020 Chefin der Xing-Mutter New Work – vorantreibt. Im Mittelpunkt soll künftig eher die berufliche Orientierung der Mitglieder stehen, das Netzwerk sich zu einem Recruiting-Dienstleister verwandeln. Schon mit der Übernahme der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu wurde der Weg in diese Richtung eingeschlagen. Strombeck, deren Vertrag kürzlich bis zum Jahr 2026 verlängert wurde, hofft, dass der Fachkräftemangel die Nachfrage nach neuen, speziellen Rekrutierungslösungen steigen lässt.

Auf dem Papier hat das Netzwerk noch mehr als 20 Millionen Mitglieder, von denen viele kaum noch aktiv sein dürften. Aktuell ist das Fundament für einen Wandel jedoch noch stabil, 60 Prozent der Erlöse kommen bereits aus B2B-Lösungen. Für das laufende Jahr strebt New Work zudem ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich an. Auch im ersten Halbjahr legte der Umsatz um 12 Prozent auf 152,6 Millionen Euro zu. Das Betriebsergebnis (Ebitda) wuchs um 2 Prozent auf 53,5 Millionen Euro. Für das vergangene Jahr schüttete New Work sogar eine Sonderdividende aus. Wie das Unternehmen im Februar mitteilte, gab es neben der auf 2,80 Euro erhöhten Dividende pro Aktie zusätzlich eine Ausschüttung von 3,56 Euro je Papier – die Hälfte der Aktien hält der Medienkonzern Burda.

Auf der Strecke bleiben nun aber die Xing-Gruppen, in denen sich zumindest noch einige tummelten; gerade unter einigen Freiberuflern waren die Gruppen beliebt. Seit dem 18. August können keine neuen Gruppen mehr gegründet werden, mit Beginn des kommenden Jahres werden dann alle abgeschaltet und die Inhalte gemäß der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unwiderruflich gelöscht. Xing rät dazu, vorher eine persönliche Datenauskunft anzufordern, um Inhalte zu sichern. Anderenfalls bleibt den Mitgliedern dafür offenbar nur noch die Möglichkeit, Screenshots zu erstellen.

hr
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