Erfolg vor Gericht Wirecard-Aktionär darf auf Markus Brauns Privatvermögen zugreifen

Ein Anwalt hat den Ex-CEO auf Schadensersatz verklagt - und einen Vermögensarrest erreicht. Das Gericht hält die vorsätzliche Schädigung für ausreichend wahrscheinlich. Ein Signal auch für andere Anleger.
Jetzt geht es ans Privatvermögen: Der inhaftierte Wirecard-Chef Markus Braun

Jetzt geht es ans Privatvermögen: Der inhaftierte Wirecard-Chef Markus Braun

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Jetzt muss Markus Braun (50) auch um sein privates Vermögen fürchten. Ein Wirecard-Aktionär hat vom vormaligen Vorstandschef des inzwischen insolventen Zahlungsdienstleisters persönlich Schadenersatz gefordert – und beim Oberlandesgericht München (OLG) einen Vermögensarrest erreicht. Das Gericht erklärte in seinem Beschluss, eine vorsätzliche Schädigung des Aktionärs durch Braun sei ausreichend wahrscheinlich.

Der Aktionär – ein Münchener Rechtsanwalt – hatte vor einem Jahr für rund 27.000 Euro Wirecard-Aktien gekauft und kurz vor der Insolvenz im Juni für gut 4000 Euro verkauft. Vor Gericht hatte er anschließend 20.000 Euro Schadensersatz gefordert. Zur Sicherung der Zwangsvollstreckung ordnete das OLG nun "dinglichen Arrest in das gesamte Vermögen des Antragstellers" an. Der in Untersuchungshaft sitzende Manager könne den anteiligen Vermögensarrest allerdings durch Hinterlegung der geforderten Summe plus Zinsen außer Vollzug setzen.

Für Braun bedeutet das: Es könnte nun bedrohlich werden. Der klagende Anwalt sieht nämlich einen Präzedenzfall, der auch anderen geschädigten Wirecard-Aktionären helfen könnte. "Jeder Aktionär kann versuchen, Vermögen von Dr. Braun anteilig einzufrieren", sagte er. Braun habe wenige Tage vor der Insolvenz eigene Aktienpakete in Millionenwert verkauft und dürfte Immobilien im In- und Ausland haben.

Für die Gläubiger ist kaum noch etwas zu holen

Markus Braun war lange einer der vermögendsten Konzernchefs in Deutschland. Zwischenzeitlich betrug sein privates Vermögen – auf dem Papier – mehr als eine Milliarde Euro. Dazu zählten nicht nur der 7-Prozent-Anteil an Wirecard, sondern auch umfangreiche Aktienpakete von anderen Techkonzernen. 

Anfang Juni, wenige Wochen vor dem Zusammenbruch des Konzerns, hatte Braun in einer Serie von Verkäufen große Teile seiner Wirecard-Aktien abgestoßen und insgesamt 155 Millionen Euro erlöst, wie Wirecard in mehreren Ad-hoc-Mitteilungen mitteilte. Nach einem Bericht der US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg hatte Braun einen Teil seines Aktienanteils als Sicherheiten für private Kredite hinterlegt – wegen des sinkenden Kurses musste er verkaufen ("Margin Call").

Wenige Tage vor der Insolvenzanmeldung Ende Juni hatte Braun über seine MB Beteiligungsgesellschaft weitere insgesamt zehn Millionen Aktien abgestoßen. Die Finanzaufsicht Bafin hatte deswegen bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel erstattet.

Wirecard hatte Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und Insolvenz angemeldet. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren. Nach einem Gutachten des Insolvenzverwalters Michael Jaffé (57) stehen den Verbindlichkeiten lediglich gut 26 Millionen Euro an frei verfügbaren Guthaben gegenüber. Insgesamt sei Wirecard mit 2,8 Milliarden Euro überschuldet – und nicht mehr zu retten.

lhy/dpa
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